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Quelle: themoviedb.org

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Footballfinale in L.A. Der US Präsident wird erwartet. Der Sicherheitschef des Stadions erfährt das auf den Präsidenten ein Attentat geplant ist. Er kann den Anschlag verhindern, doch der Attentäter schießt wahllos in die Zuschauermenge. Panik bricht aus.

Kritik

Der große Alfred Hitchcock gilt nicht umsonst bis heute als der unangefochtene Master of Suspense. Diesen Rang erarbeitete er sich durch ein hohes Verständnis für den Aufbau und besonders das Aufrechterhalten konstanter Spannungsbögen, die seine vom Plot nicht immer lupenreinen Arbeiten teilweise zu wahren Meisterwerken machten. Er folgte dabei immer wiederkehrenden Methodiken und Stilmitteln, die sich als ungemein effizient erwiesen. Gleich zwei davon kommen auch bei Zwei-Minuten-Warnung zum Tragen und werden zwar nicht meisterlich, aber in ihrer Effektivität deswegen nicht ungeschickt angewendet.

Hitchcock hatte für guten Suspense einmal das Beispiel von der Bombe unter dem Tisch gebracht. Eine Bombe, über deren Existenz nur der Zuschauer Bescheid weiß, nicht aber die durch die vermutlich kommende Explosion Bedrohten. Für die handelnden Person ist die Situation nicht wissentlich gefährlich und somit auch nicht angespannt, für das allwissende Publikum um so mehr. Nach diesem Prinzip arbeitet auch der Film von Larry Peerce (Die Kehrseite der Medaille). Dieser präsentiert gleich zu Beginn einen gesichts- und namenslosen Sniper, der scheinbar als Aufwärmübung aus einem Hotelzimmerfenster heraus ein willkürlich gewählten Radfahrer exekutiert. Anschließend begibt sich der Zuschauer an seine Seite, gefilmt durch dessen Augen, auf die Reise zum eigentlichen Hauptziel. Dieses dauert eine Weile und in der Zwischenzeit werden einige Nebenfiguren etabliert. Ein wettsüchtiger Lebemann (Jack Klugman, Quincy), der bei Kriminellen hoch in der Kreide steht und deshalb um sein Leben fürchten muss. Ein Pärchen von Taschendieben, die bei einem anstehenden Event fette Beute wittern. Ein älteres Paar, das mit latenten Beziehungsproblemen zu kämpfen hat. Eine Junge Frau, die trotz eines eifersüchtigen Begleiters mit einem attraktiven Arzt flirtet. Oder ein gestresster Familienvater (Beau Bridges, Die fabelhaften Baker Boys), der mit seinen Liebsten auf all diese Leute trifft – plus rund 90.000 Menschen mehr.

Denn der Sniper nistet sich auf einem Turm des vollbesetzten L.A. Coliseum ein, in dem an diesem Nachtmittag das Endspiel um die Football-Championship (vermutlich aus rechtlichen Gründen nicht als Super Bowl bezeichnet) stattfindet. Dort montiert er seine Waffe, nimmt immer mal wieder einige Personen aus dem Publikum ins Visier, drückt aber nie den Abzug. Er scheint auf etwas zu warten. Oder auf irgendjemanden. Als Zuschauer wissen wir das von Anfang an, im Gegensatz zu den 90.000 potenziellen Zielen. Damit hätten wir schon die Parallele zu Hitchcock’s „Suspense-Bombe“, die hier allerdings noch anders variiert wird. Dank eines Kamerazeppelins wird das TV-Übertragungsteam auf den Attentäter aufmerksam. Diese informieren die Polizei, womit Charlton Heston (Ben Hur)  - der in der ersten Stunde kaum Screentime hat – in der Rolle von Captain Peter Holly so was wie die On-Screen-Personifizierung des allwissenden, aber handlungsunfähigen Zuschauers einnimmt. Er,  Stadionmanager McKeever (immer eine Bank: Martin Balsam, Ein Köder für die Bestie) und der SWAT-Team-Leiter Button (John Cassavetes, Teufelskreis Alpha) wollen eine Massenpanik verhindern und müssen gleichzeitig versuchen, dem gut verbarrikadierten Wahnsinnigen das Handwerk zu legen, bevor er zuschlägt. Diskretion unter enormen Zeitdruck ist somit die komplizierte Prämisse.

Hier kommt das zweite Hitchcock-Werkzeug zum Zug: Das des MacGuffin. Ein scheinbar enorm wichtiges Objekt oder auch eine Person, die für den späteren Verlauf aber ziemlich irrelevant wird. Sie dient nur dazu, den Plot anzustoßen oder einen Grund für das Handeln der Personen zu liefern. Dieses „Objekt“ ist hier der Angekündigte Besuch des Präsidenten in der Halbzeitpause. Natürlich erwartet jeder, dass der Attentäter nur auf ihn lauert und deshalb noch die Füße stillhält. Das spielt aber später überhaupt keine Rolle mehr. Nicht nur, da der Präsident niemals auftaucht, die Motivation des Mannes bleibt am Ende auch für die Ermittler ein Rätsel. Von der damaligen Kritik wurde dies oft als Schwachpunkt des Films ausgemacht, was aber für die Funktionalität des Plots natürlich nicht nur total egal ist, sondern das Werk sogar viel besser macht. Diese unheimliche Willkür ist es gerade, die einem im Nachhinein einen noch größeren Schauer den Rücken hinunter laufen lässt. Zudem wird kein politische motivierte oder fadenscheinige Sonst-was-Begründung hinterhergejagt. Das Szenario soll einfach für sich sprechen und das gelingt trotz eines oftmals sehr geduldigen Tempo ziemlich eindringlich.

Kritisieren ließe sich eventuell, das viel Zeit für die einzelnen „Nebenhandlungen“ verwendet wird, aber keine davon letztlich eine Bedeutung für das große Ganze besitzt. Augenscheinlich. Denn es ist zwar tatsächlich egal, was mit den Figuren vorher passiert, aber so werden sie für den Zuschauer zu Fixpunkten in einer ansonst völlig anonymen Masse. Wenn ihnen etwas geschehen sollte, sind sie nicht nur Person XY, die plötzlich durch eine Kugel getötet oder bei einer eventuellen Panik zu Tode getrampelt wird. Somit erfüllt diese Vorgehensweise sehr wohl einen emotionalen und auch narrativen Zweck, der sich im drastischen und hervorragend inszenierten Showdown erfolgreich auszahlt. Dieses konzentrierte Zusammenspiel ausgewählter Faktoren macht Zwei-Minuten-Warnung im Resultat auch so sehenswert: Es ist kein Actionfeuerwerk, besitzt keine komplex-ausgeklügelt Geschichte oder sorgt für immer neue Spannungsmomente. Er arbeitet eigentlich nur mit einer Situation, reizt diese aber geschickt aus und entlädt sich dann umso heftiger.

Fazit

Gerne unterschätzter 70er-Thriller, mit einem hervorragenden Cast und einer effektiven Inszenierung. Jederzeit spannend und intensiv, ohne die ganz großen Kapriolen aufzufahren. Seine Fokussierung auf das Wesentliche macht ihn so gut. Und erinnert somit wirklich an Stückweit an Alfred Hitchcock, auch wenn es schon eine etwas andere „Sportart“ ist.

Kritik: Jacko Kunze

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