Erwähnungen
Netflix unter Beschuss im US-Senat: Anhörung zur Warner-Übernahme wird zum Kulturkampf um Inhalte und Einfluss
Bei einer Anhörung im US-Senat sollte es eigentlich um Wettbewerb und Marktmacht gehen. Doch stattdessen entwickelte sich die Befragung von Netflix-Co-CEO Ted Sarandos zu einer lautstarken Debatte über Kultur, Politik und gesellschaftliche Werte. Der Streamingdienst geriet dabei vor allem wegen seiner Inhalte und seiner öffentlichen Haltung in die Kritik konservativer Politiker.
Worum ging es bei der Anhörung überhaupt?
Offiziell stand die mögliche Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Netflix im Mittelpunkt. Der Deal hätte ein Volumen von rund 83 Milliarden US-Dollar und würde einen der größten Medienkonzerne der Welt entstehen lassen. Solche Zusammenschlüsse prüft der Staat, um zu verhindern, dass einzelne Unternehmen zu mächtig werden und den Markt dominieren.
In der Anhörung ging es daher ursprünglich um die Frage, ob Netflix durch diesen Kauf zu viel Einfluss auf Filme, Serien und deren Verbreitung bekommen könnte. Für viele Beobachter*innen geriet dieses Thema jedoch schnell in den Hintergrund.
Kritik an Netflix: Politik statt Programm?
Mehrere republikanische Senatoren nutzten die Bühne, um Netflix scharf anzugreifen. Senator Ted Cruz warf dem Unternehmen vor, politisch klar links zu stehen und seine Inhalte gezielt in eine bestimmte Richtung zu lenken. Eine Fusion mit Warner Bros. Discovery könne diese Wirkung noch verstärken.
Auch Senator Eric Schmitt schlug in dieselbe Kerbe. Er kritisierte, Netflix setze zu stark auf Diversität, Inklusion und moderne Neuinterpretationen bekannter Figuren. Seiner Meinung nach spiegele das Angebot nicht mehr wider, was viele Menschen sehen wollten.
Sarandos widersprach diesen Vorwürfen. Netflix biete Inhalte für alle Geschmäcker an, erklärte er. Nutzer*innen könnten selbst entscheiden, was sie sehen möchten. Zudem verwies er auf Jugendschutzfunktionen und personalisierte Empfehlungen. Politische Absichten wies er zurück.
Ein weiterer Streitpunkt waren alte Social-Media-Beiträge von Netflix aus dem Jahr 2020, in denen sich das Unternehmen nach dem Tod von George Floyd solidarisch mit Protesten gegen Rassismus zeigte. Sarandos betonte, Netflix habe keine politische Agenda. Solche Stellungnahmen seien damals branchenweit üblich gewesen.
Große Aufregung, wenig konkrete Folgen
Trotz der scharfen Worte hatte die Anhörung vermutlich vor allem symbolischen Charakter. Der US-Senat selbst kann den Deal nicht stoppen. Diese Entscheidung liegt beim Justizministerium. Ob die geplante Übernahme genehmigt wird, ist daher weniger eine Frage der laut geführten Debatte als der rechtlichen Prüfung.
Für die Film- und Kinobranche gab es dennoch eine relevante Aussage: Sarandos versprach, dass Kinofilme von Warner Bros. auch künftig mindestens 45 Tage exklusiv im Kino laufen sollen, bevor sie bei Netflix erscheinen.
Am Ende bleibt der Eindruck einer Anhörung, die weniger Klarheit geschaffen hat als Schlagzeilen. Statt über Marktregeln wurde vor allem über Kultur und Weltanschauungen gestritten – ein Zeichen dafür, wie stark selbst Unterhaltung inzwischen Teil politischer Auseinandersetzungen geworden ist.
Für Netflix Deutschland gibt es derweil eine andere große und selbst gebuddelte Baustelle. Der Streamingdienst hat es sich nämlich ordentlich mit der Synchronbranche verscherzt. Mehr dazu erfahrt ihr hier.
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