Von Stu am Montag, 07 September 2026, 07:02 Uhr
Bildnachweis: © 3L Filmverleih | Behind-the-Scenes von "Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected"
Paul Schrader, Autor von Taxi Driver und Regisseur von The Card Counter, hat für seinen bislang nicht realisierten Kriminalfilm Three Guns at Dawn eine ungewöhnliche Lösung gefunden: Weil sich laut dem Regisseur keine schwarzen Schauspieler für das Projekt gewinnen ließen, soll die Besetzung nun komplett aus künstlich erzeugten Menschen bestehen. Aus einem gescheiterten Casting ist damit ein radikales KI-Experiment geworden, das einige unangenehme Fragen über die Zukunft des Filmemachens aufwirft.
Wenn Hollywoods Casting durch KI ersetzt wird
Three Guns at Dawn spielt in South Central Los Angeles und handelt von drei Brüdern, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Einer arbeitet als korrupter Polizist, einer ist Serienmörder und der dritte verdient sein Geld als Drogendealer. Schrader zufolge wollten schwarze Darsteller die Rollen nicht übernehmen, weil es in der Geschichte keine eindeutig positiv dargestellten schwarzen Figuren gebe. Das Projekt geriet deshalb offenbar ins Stocken.
Anstatt das Drehbuch zu verändern oder nach anderen Möglichkeiten für die Besetzung zu suchen, setzt Schrader nun auf generative KI. Die geplanten Figuren sollen nicht lediglich digital unterstützt werden, sondern vollständig künstlich entstehen. Schauspieler würden damit komplett aus dem Prozess verschwinden. Schrader betrachtet das offenbar weniger als Notlösung denn als Beleg dafür, dass sich die Filmbranche gegen die Entwicklung ohnehin nicht dauerhaft wehren könne.
Ein besonders fragwürdiger Ausweg
Interessant wird der Fall durch Schraders ursprüngliche Bedenken. Der Filmemacher hatte selbst befürchtet, mit einem Film über schwarze Menschen in einem überwiegend schwarzen Viertel den Vorwurf kultureller Aneignung auf sich zu ziehen. Als mögliche Lösung stand sogar eine Zusammenarbeit mit dem schwarzen Regisseur Antoine Fuqua im Raum. Dass nun ausgerechnet die Erzeugung künstlicher schwarzer Figuren zum Ausweg werden soll, besitzt deshalb eine bemerkenswerte Ironie.
Denn die KI löst das eigentliche Problem nicht unbedingt – sie umgeht es lediglich. Die Entscheidung, keine Schauspieler mehr zu besetzen, verhindert zwar, dass Darsteller bestimmte Rollen ablehnen können. Sie beseitigt aber weder die Fragen nach der Darstellung einer Bevölkerungsgruppe noch die Verantwortung des Filmemachers dafür. Im Gegenteil: Der Ansatz könnte den Eindruck erwecken, dass eine kritische Auseinandersetzung mit der Darstellung schwarzer Figuren lästig geworden ist und sich durch künstliche Menschen einfach umgehen lässt.
Für Schrader ist Three Guns at Dawn damit offenbar auch ein Beweis für die Macht generativer KI. Für die Filmbranche ist das Projekt allerdings ein deutlich komplizierterer Präzedenzfall. Wenn künstliche Darsteller künftig immer häufiger als Ersatz für Schauspieler eingesetzt werden, geht es längst nicht mehr nur um technische Innovation. Es geht auch darum, ob Filmemacher damit kreative, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Konflikte lösen – oder sie lediglich aus dem sichtbaren Produktionsprozess entfernen.
Kritik ist Schrader ja gewohnt. Viele seine Aussagen, Pläne und auch Filme lösen immer wieder Diskussionen innerhalb der Branche aus. Seine neue Regie-Arbeit The Basics of Philosophy feierte kürzliche ihre Weltpremiere und kam auch nicht sonderlich gut an.