Wenn in Guy Ritchies Actionthriller In the Grey, Jake Gyllenhaal und Henry Cavill als Elite-Söldner den Auftrag erhalten, das gestohlene Vermögen eines Despoten von seiner Privatinsel zurückzuholen, dann darf man keine große Tiefe erwarten. Dafür bekommt man britisch-kühle Hochglanzunterhaltung serviert, geschniegelt und noch einmal aufpoliert. Alles wirkt edel, teuer und perfekt, als hätte jemand einen Bond-Film mit einem Heist-Movie und einer Portion Militär-Action vermischt. Guy Ritchie bleibt wie auch sonst seinem Stil treu. Die Dialoge sind trocken, die Figuren stets einen Schritt cooler und die Kamera gleitet mit lässiger Eleganz durch Villen, Jachten und exotische Schauplätze. Dabei lebt der Film vor allem von seinem Starensemble.
Jake Gyllenhaal liefert gewohnt souverän ab, während Henry Cavill einmal mehr beweist, dass er für diese Art von Actionhelden wie geschaffen ist, wenn ab und an ich den Eindruck hatte das er etwas unbeholfen wirkte. Rosamund Pike grandios, Eiza González als Rädelsführerin und Kopf des Geschehens eine Naturgewalt. Blitzgescheit und Eiskalt berechnend. Sie alle tragen den Film mühelos durch seine knapp zwei Stunden Laufzeit.
Die Handlung selbst ist allerdings eher Mittel zum Zweck. Überraschungen bleiben rar, die Charaktere bewegen sich meist innerhalb bekannter Genregrenzen und emotional geht das Ganze nie wirklich unter die Haut. Doch das scheint mir auch gar nicht Ritchies Absicht zu sein. In the Grey will kein politischer Thriller sein und auch kein Charakterdrama. Der Film möchte unterhalten und genau das gelingt ihm. Besonders die präzise inszenierten Actionsequenzen und die trockene britische Ironie sorgen dafür, dass kaum Langeweile aufkommt. Zwar fehlt dem Ganzen etwas der Biss seiner besten Werke wie Snatch oder The Gentlemen, dennoch bleibt genug Stilbewusstsein übrig, um Fans des Regisseurs zufriedenzustellen.
Am Ende ist In the Grey wie ein maßgeschneiderter Savile-Row-Anzug: teuer, elegant und beeindruckend verarbeitet. Man wird ihn vielleicht nicht ewig in Erinnerung behalten, aber für einen Abend macht er eine verdammt gute Figur. Cheers Guy.
Kritik von WilliamWhyler
Gesehen: Juni, 2026
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