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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Nachdem ein Diktator sich ein Vermögen in Milliardenhöhe unter den Nagel gerissen hat, wird ein dreiköpfiges Team von hochspezialisierten Eliteagenten damit beauftragt, das Geld wieder zurückzuholen: Der großspurige Amerikaner Bronco (Jake Gyllenhaal) und der deutlich nüchternere Brite Sid (Henry Cavill) legen mit jeder Menge Feuerkraft alles gnadenlos in Schutt und Asche und werden dabei von ihrer Vermittlerin (Eiza Gonzáles) betreut. Doch selbst für diese drei Profis scheint der neue Auftrag eine beinahe unmögliche Mission zu sein, die noch dazu schon bald in einen regelrechten Krieg ausartet.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Dass In The Grey überhaupt in die Kinos kommt, grenzt beinahe an ein kleines Wunder. Ursprünglich sollte der neue Film von Guy Ritchie bei Lionsgate erscheinen (zumindest in den USA), doch nachdem geplante Nachdrehs ausblieben, verlor das Studio offenbar das Vertrauen in das Projekt und ließ es fallen. Die Produktionsfirma Black Bear sprang ein und brachte den Actionthriller doch noch über die Ziellinie. Solche Produktionsgeschichten klingen selten nach einem Qualitätsmerkmal. Tatsächlich wirkt In The Grey an mehreren Stellen wie ein Film, dem Szenen fehlen. Überraschenderweise wird genau das aber zu einer seiner größten Stärken.

Hier gibt's Stars und viel Sonne, aber keine wirkliche Entwicklung

Ritchie erzählt diesmal von einer Gruppe professioneller Problemlöser*innen, die einem kriminellen Machtmenschen eine Milliarde Dollar entreißen sollen. Im Zentrum steht Sophia, gespielt von  (Mike & Nick & Nick & Alice), die gemeinsam mit den Sicherheitsprofis Sid und Bronco – verkörpert von  (Road House) und  (The Ministry of Ungentlemanly Warfare) – ein riskantes Spiel aus Manipulation, Täuschung und Gewalt beginnt. Inhaltlich ist das keine Offenbarung. Im Grunde kombiniert der Film Heist-Mechaniken mit Söldneraction und einer Prise Bond-Flair. Doch Ritchie weiß weiterhin, wie man solche Versatzstücke attraktiv verpackt.

Vor allem die ersten Minuten überraschen mit einer angenehm schnörkellosen Erzählweise. Der Regisseur verliert sich nicht in unnötiger Mythologie oder komplizierten Hintergrundgeschichten. Stattdessen etabliert er seine Figuren zügig und wirft sie direkt in die Handlung. Gerade heute, wo viele Genreproduktionen krampfhaft ein Franchise vorbereiten wollen, wirkt diese Konzentration fast erfrischend altmodisch. In The Grey interessiert sich nicht für emotionale Tiefenbohrungen, sondern für Dynamik, Timing und Atmosphäre.

Allerdings bleibt genau darin auch die größte Schwäche verborgen. Keine Figur entwickelt sich nennenswert weiter. Sophia, Sid und Bronco sind zu Beginn exakt dieselben Menschen wie im Finale. Man erfährt gerade genug über ihre Fähigkeiten, um die Handlung am Laufen zu halten, aber nie genug, damit echte Bindung entsteht. Besonders Cavill und Gyllenhaal profitieren weniger von komplexem Schauspiel als von ihrer bloßen Präsenz. Beide sehen hervorragend darin aus, geschniegelt durch luxuriöse Schauplätze zu marschieren und lässige Dialoge auszutauschen. Das reicht erstaunlich weit, ersetzt aber keine Charakterzeichnung.

Immerhin harmoniert das Duo ausgezeichnet miteinander. Gerade in gemeinsamen Szenen entsteht jene entspannte Coolness, die vielen modernen Actionfilmen fehlt. Ritchie inszeniert seine Hauptfiguren nicht als unzerstörbare Superhelden, sondern als eingespielte Profis, die jeden Schritt kalkulieren. Dadurch besitzen selbst kleinere Auseinandersetzungen eine gewisse Eleganz. Besonders eine längere Sequenz, in der das Team methodisch eine Straße voller Gegner ausschaltet, gehört zu den stärksten Momenten des Films. Die Action erfindet das Rad nicht neu, bleibt jedoch angenehm handgemacht und nachvollziehbar.

Die Qualitäten von "In the Grey": Routine und abruptes Tempo

Überhaupt lebt In The Grey stark von seiner Inszenierung. Ritchie greift erneut zu seinem vertrauten Stil aus schnellen Schnitten, eingeblendeten Texttafeln und verspielter Montage. Zwar erreicht er längst nicht mehr die Energie seiner frühen Werke wie Bube Dame König GrAs, doch seine Handschrift bleibt klar erkennbar. Gleichzeitig merkt man, dass der Regisseur inzwischen routinierter arbeitet. Vieles wirkt weniger verspielt, dafür kontrollierter und kompakter.

Hinzu kommt das sonnige Setting, das dem Film einen fast absurden Urlaubscharakter verleiht. Zwischen Palmen, Küstenstraßen und luxuriösen Anwesen entwickelt sich eine Atmosphäre, die stellenweise eher an entspanntes Ferienkino erinnert als an einen düsteren Thriller. Gerade dadurch hebt sich In The Grey angenehm von den oft steril wirkenden Streaming-Produktionen der letzten Jahre ab. Dass tatsächlich an realen Schauplätzen gedreht wurde, macht einen enormen Unterschied.

Kurioserweise funktioniert auch das abrupte Tempo besser als erwartet. Mehrfach entsteht der Eindruck, wichtige Szenen würden fehlen oder Pläne plötzlich im Nichts verpuffen. Besonders das Ende kommt derart unvermittelt, dass man beinahe glaubt, der Film hätte versehentlich eine letzte Rolle verloren. Trotzdem entwickelt diese Unfertigkeit einen eigenartigen Reiz. Statt sich endlos aufzublähen, marschiert In The Grey konsequent nach vorne und beendet seine Geschichte, sobald alles Wesentliche erzählt wurde.

Genau deshalb bleibt am Ende ein zwiespältiger, aber durchaus unterhaltsamer Eindruck zurück. Ritchie liefert keinen großen Wurf und schon gar keine Rückkehr zu alter Höchstform. Dafür fehlt es dem Film an Substanz, Überraschungen und emotionalem Gewicht. Gleichzeitig besitzt In The Grey eine Direktheit, die man im aktuellen Actionkino nur noch selten findet. Der Film weiß genau, was er sein möchte: ein kurzweiliger Star-Thriller mit schicken Schauplätzen, trockenen Sprüchen und solider Action. Mehr will er nicht erreichen – und genau deshalb funktioniert er besser, als seine problematische Entstehungsgeschichte vermuten lässt.

Fazit

Glück gehabt: Gerade weil die Reshoots ausblieben, wirkt Guy Ritchies achter (!) Spielfilm seit dem „King Arthur“-Flop wie ein kompakter, schnörkelloser und souverän inszenierter Actiontrip, der mit sonniger Urlaubskulisse und prominenter Besetzung punktet. Ist das großes Kino? Keineswegs – aber erfreulich kurzweilig und angenehm unangestrengt.

Kritik: Sebastian Groß

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