Paul Greengrass geht mit „The Uprising – Für die Freiheit“ ins Jahr 1381 und damit mitten hinein in den englischen Bauernaufstand. Nach Pest, Hunger und drückender Steuerlast reicht irgendwann ein Funke. Im Zentrum steht der Bauer „Ploughman“ (Andrew Garfield), der sich gemeinsam mit Wat Tyler (Cosmo Jarvis) und dem Prediger John Ball (Jamie Bell) dem Aufstand anschließt und nach London zieht.
Greengrass erzählt das Mittelalter nicht als romantisches Ritterabenteuer. Sein England besteht aus Schlamm, Dreck, Krankheit, Schweiß und Hunger. Die Kamera von Pål Ulvik Rokseth bleibt dicht an den Menschen, wackelt durch die Menge und macht aus dem historischen Geschehen beinahe eine Live-Reportage. Was Greengrass bereits in „United 93“ oder „Captain Phillips“ perfektioniert hat, überträgt er konsequent ins 14. Jahrhundert. Gerade die Massenszenen entwickeln dadurch eine enorme körperliche Wucht. Besonders interessant ist die Wahl Nürnbergs als Drehort. Sebalduskirche, Sebalder Platz, Pfarrhof und Egidienplatz wurden für zwölf Drehtage in mittelalterliches England verwandelt. Pferdegespanne, Wagen, Ritter und insgesamt 715 Komparseneinsätze sorgten für ein erstaunlich authentisches Stadtbild. Das Pellerhaus diente als Basecamp. Weitere Aufnahmen entstanden in Franken. Nürnberg wirkt dabei nicht wie eine historische Kulisse, sondern wie eine tatsächlich bewohnte mittelalterliche Stadt. Andrew Garfield spielt Ploughman angenehm zurückgenommen. Er ist kein strahlender Held, sondern ein gebrochener Mann, der Frau und Kinder durch die Pest verloren hat. Seine Entwicklung vom passiven Überlebenden zum Rebellen bleibt vor allem durch Garfields körperlich erschöpfte Darstellung glaubwürdig. Cosmo Jarvis gibt Wat Tyler deutlich mehr Energie, während Jamie Bell als John Ball die charismatischste Figur des Aufstands verkörpert. Dramaturgisch bleibt der Film allerdings hinter seinen visuellen Möglichkeiten zurück. Die Figuren sind teilweise eher Archetypen als komplexe Charaktere: der gequälte Bauer, der Revolutionär, der religiöse Brandstifter und die korrupte Obrigkeit. Dadurch verliert der Film in den ruhigeren Passagen an Spannung. Auch Greengrass' permanente Handkamera ist Fluch und Segen zugleich. In den Kämpfen erzeugt sie eine brutale Unmittelbarkeit, in den Dialogszenen wirkt sie gelegentlich ermüdend. Politisch schlägt Greengrass die Brücke zur Gegenwart recht deutlich. Soziale Ungleichheit, Macht und der Punkt, an dem aus Unzufriedenheit Widerstand wird, stehen im Mittelpunkt. Das ist nicht immer subtil, passt aber zu Greengrass' Interesse an gesellschaftlichen Konflikten.
„The Uprising“ ist kein neues „Braveheart“, sondern ein dreckiges und erstaunlich körperliches Historienepos. Seine größte Stärke liegt in der Inszenierung und den beeindruckenden Massenszenen, seine Schwäche im Drehbuch. Andrew Garfield trägt den Film mit stiller Präsenz, während Cosmo Jarvis und Jamie Bell für die nötige Energie sorgen. Für Fans von „Captain Phillips“, „Bloody Sunday“ und historischen Dramen, die lieber im Schlamm stehen als im Kostümfundus.
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