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Yasemin

Kritik von Yasemin

Gesehen: Juli, 2026

Hinter der prachtvollen Fassade

Ich bin eigentlich kein großer Fan von Streamingplattformen, doch bei Downton Abbey möchte ich eine Ausnahme machen. Englische Kostümfilme und -serien haben einfach ihren ganz eigenen Reiz.

Downton Abbey beginnt im Jahr 1912. Spannungsvoll führt die Serie zunächst in den Alltag der Bediensteten ein. Wie ein eingespieltes Team gehen sie ihren Aufgaben nach und sorgen dafür, dass das Leben auf dem weitläufigen Anwesen reibungslos funktioniert. Das geschäftige Treiben wird durch ein Telegramm unterbrochen: Die Titanic ist gesunken – und mit ihr zwei Männer, die für die Erbfolge von Downton von entscheidender Bedeutung waren.

Kurz darauf trifft mit Mr. Bates (Brendan Coyle) der neue Kammerdiener von Robert Crawley, Earl of Grantham (Hugh Bonneville), ein. Der etwas geheimnisvoll wirkende Mann mittleren Alters wird von den übrigen Bediensteten nicht gerade herzlich empfangen. Unter dem Personal herrscht ohnehin ein bisweilen rauer Ton. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass Bates und Lord Grantham eine gemeinsame Vergangenheit beim Militär verbindet. Der Hausherr selbst heißt seinen neuen Kammerdiener willkommen und stellt sich demonstrativ hinter ihn.

Die Frage, wer Downton Abbey einmal erben wird, entwickelt sich rasch zu einem zentralen Thema der Serie. Aufgrund der besonderen rechtlichen Konstruktion, durch die Titel und Anwesen an die männliche Erbfolge gebunden sind, kann Roberts älteste Tochter Lady Mary Crawley (Michelle Dockery) Downton nicht einfach erben. Nach dem Tod der bisherigen Erben rückt deshalb der entfernte Verwandte Matthew Crawley (Dan Stevens) in den Mittelpunkt.

Daneben sind es vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen auf den unterschiedlichsten Ebenen, die die Serie tragen. Besonders die Frauen wirken selbstbewusst, schlagfertig und mitunter erstaunlich kämpferisch. Was zunächst überraschend erscheinen mag, wird vor dem Hintergrund ihrer eingeschränkten gesellschaftlichen und rechtlichen Möglichkeiten umso verständlicher. Sie sind auf ihre Weise gezwungen, sich in einer von Männern bestimmten Ordnung zu behaupten.

Rein äußerlich sind dabei alle Figuren auf ihre Weise ausgesprochen schick gekleidet. Umso befremdlicher wirken aus heutiger Sicht die ausgeprägten Klassenunterschiede, die zugleich einen Teil des Reizes der Serie ausmachen. Hinter der Eleganz der Kleidung und der prachtvollen Kulisse zeigt sich eine Gesellschaft, in der jeder seinen festgelegten Platz hat.

Die Kamera bleibt nah an den Figuren, die eindrucksvollen Kostüme lassen die Epoche lebendig werden, doch vor allem die Dialoge tragen die Serie. Schon nach den ersten drei Episoden hat mich Downton Abbey überzeugt. Bei dieser Serie bleibe ich dran.

Yasemin Kaplan

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