Inhalt
Nach elf Jahren Gefangenschaft im Elternhaus flieht Adelina aus einem georgischen Dorf nach Wien, in der Hoffnung, dort die Freiheit zu finden, sie selbst zu sein. Doch selbst im Exil erweist es sich als schwer, die Fesseln der Vergangenheit zu sprengen.
Kritik
So erratisch und verunsichert, zerrissen zwischen Sehnsucht und Furcht, Hoffnung und Verzweiflung, wirkt auch Rati Tsiteladzes dokumentarische Charakterstudie. Deren immersive Inszenierung taucht in die wechselhafte Welt der jungen Protagonistin, die nach langer Gefangenschaft im Haus ihrer Eltern mit den komplexen Herausforderungen einer relativen Freiheit kämpft. Elf Jahre verbrachte trans Frau Adelina in Georgien in der Wohnung ihrer Eltern, die sie nicht mehr vor die Tür ließen, als sie ihr authentisches Selbst zu zeigen begann.
Ihr Vater weigert sich, über die Situation zu sprechen. Ihre Mutter sagt, sie wolle nur Gutes für ihr Kind, und Adelina sollen ihr Leben führen. Doch auch sie wirkt voller Angst, mehr noch als ihre Tochter. Letzte lebt in ihrem Heimatland unter ständiger Lebensgefahr. Eine Handvoll Archivbilder zeigen die gewalttätigen Angriffe gegen queere Menschen, in einem Land, das zu denen mit der geringsten LGBTQ+ Akzeptanz gehört. Misshandlung, seelisch und körperlich, erlebt Adelina laut ihren Berichten auch unter dem elterlichen Hausarrest.
Dessen konkrete Umstände lassen sich indessen nur erahnen. Tsiteladze springt abrupt nach Wien, wohin Adelina augenscheinlich ausgereist ist. Wie und wann bleibt ebenfalls unbestimmt. Nur, dass sie trotz allem mit ihrer inzwischen geschiedenen Mutter noch in Kontakt ist, wird durch beider Video-Anrufe deutlich. Finanzielle Bedrängnis und ambivalente sexuelle Begegnungen bringen sie zu an einem Punkt, an dem sie davon spricht, unglücklicher zu sein als während ihres Hausarrests. Auch diese Wandlung bleibt schemenhaft. Obwohl in nahezu jeder Szene präsent, bleibt die Protagonistin eine Fremde.
Der Wechsel zwischen Schwarz-Weiß und farbigen Bildern lässt Rati Tsiteladzes unebenes Langfilm-Debüt noch willkürlicher wirken als die lückenhafte Struktur. Ohne einordnenden Kommentar und informativen Kontext bleiben die stark auf die situative emotionalen Ebene ausgerichteten Erzählungen der Hauptfigur der einzige Zugang zu ihrer Lage. Die Handkamera zeigt sie in häuslichen Szenarien und auf Spaziergängen, während die essenziellen Umbrüche unsichtbar bleiben. Handy-Videos von wilden Tänzen wirken wie Lückenfüller in der brüchigen Collage, deren aktuelle Themen von Migration, Heimatsuche und Selbstausdruck letztlich leere Marker bleiben.
Fazit
Der Wechsel zwischen Schwarz-Weiß und farbigen Bildern lässt Rati Tsiteladzes unebenes Langfilm-Debüt noch willkürlicher wirken als die lückenhafte Struktur. Ohne einordnenden Kommentar und informativen Kontext bleiben die stark auf die situative emotionalen Ebene ausgerichteten Erzählungen der Hauptfigur der einzige Zugang zu ihrer Lage. Die Handkamera zeigt sie in häuslichen Szenarien und auf Spaziergängen, während die essenziellen Umbrüche unsichtbar bleiben. Handy-Videos von wilden Tänzen wirken wie Lückenfüller in der brüchigen Collage, deren aktuelle Themen von Migration, Heimatsuche und Selbstausdruck letztlich leere Marker bleiben.
Autor: Lida Bach