5.5

MB-Kritik

At the Sea 2026

Drama

5.5

Amy Adams
Murray Bartlett
Brett Goldstein
Chloe East
Dan Levy
Jenny Slate
Rainn Wilson
Henry Eikenberry
Naheem Garcia

Inhalt

Nach einer Entziehungskur kehrt Laura in das Haus ihrer Familie in Cape Cod zurück. Früher war sie der Star der renommierten Tanzkompanie ihres verstorbenen Vaters, in dessen Schatten sie aufgewachsen ist und dessen Vermächtnis sie bis heute trägt. Ihr funktioneller Alkoholismus wurde von allen so lange ignoriert, bis es zu einem Unfall kam, bei dem ihr kleiner Sohn Felix mit im Auto saß. Nun kehrt Laura verändert nach Hause zurück. Ihre Familie ist darauf nicht vorbereitet. Ehemann Martin heißt sie vorsichtig willkommen, hin- und hergerissen zwischen Verbundenheit und Misstrauen.

Kritik

Zu den Themen emotionale Krisen, familiäre Verletzungen und späte Selbstsuche hat  Kornél Mundruczó (Evolution) augenscheinlich sein eigenes suchtartiges Verhalten, so zuverlässig kehrt der ungarische Regisseur zu ihnen zurück. Auch in seinem jüngsten Werk, das seine Weltpremiere im Wettbewerb der 76. Berlinale wohl vor allem dem Renommee seiner früheren Werke verdankt. Mit dem 2020 erschienen Pieces of a Woman ist sein ebenfalls von seiner Stamm-Drehbuchautorin Kata Weber verfasstes Beziehungsdrama Teil eines filmischen Triptychons über weibliche Identität und Frauen in Krisen. 

In einer solchen dümpelt die privilegierte Protagonistin (Amy Adams, Star Wars: Starfighter), deren Kindheit im Schatten ihres berühmten Vaters fragmentarische Rückblenden zeigen. Der Choreograph und Leiter einer erfolgreichen Dance Company paradierte seine sexuellen Beziehungen zu den Stars seiner freizügigen Stücke und lebte im kreativen und alkoholischen Rausch. Bei Laura reicht es offenbar nur für zweites. Daddy Issues sind der definierende Charakterzug der ehemaligen Ballerina Laura, die frisch aus der Reha zu ihrem Gatten Martin (Murray Bartlett, The Death of Robin Hood) und den beiden Kinder zurückkehrt. 

Teenager-Tochter Josie (Chloe East, Atropia) ihrer Mutter mit offener Feindseligkeit begegnet. Der kleine Felix (Redding L. Munsell) ist verstört von einem Autounfall, den Laura mit ihm betrunken baute. Josie rebelliert gegen die ihr aufgedrängte Verantwortung und Martin, seinerseits erfolg- und talentloser Maler ist ihr entfremdet. Lauras Luxus-Anwesen am Strand von Cape Cod, ebenfalls ein väterliches Vermächtnis, wird zum Hauptschauplatz der seichten Selbstmitleids-Schau. Sämtliche Figuren ertrinken in Selbstsucht, welche die einzige Abhängigkeit ist, die der phlegmatische Plot glaubhaft abbildet. 

Allerdings gelingt der zähen Inszenierung weder Demaskierung noch Satire der elitären Egozentrik. Die verdrängten Erinnerungen und privaten Konflikte, die Laura nun nüchtern konfrontieren muss, reichen über elitären Ehekrach nicht hinaus. Ähnlich arriviert sind die vermeintlichen Finanzsorgen der Kompanie, die ein Eindämmen des Luxuslebens bereist beheben würde. Abstruse Episoden, die Dynamik in das triviale Szenario bringen sollen, stolpern ins Lächerliche. Felix tauscht eine Qualle an und zur Rettung kommt ein Hobbydrachen-Flieger, der Laura Ex-Alkoholiker-Lebensweisheiten serviert. Repetitive Redundanz und eleganter Ennui. 

Fazit

Yorick Le Sauxs apathische Kamera verpackt die larmoyante Langweile Kornél Mundruczós verstaubter Charakterskizze in austauschbare Urlaubskatalog-Ästhetik, deren pittoreske Kommerzialität für die richtungslose Story ironisch passend scheint. Amy Adams Schauspiel scheitert an den sexistischen Seifenopern-Stereotypen, die ihre eindimensionale Figur verflachen. Pseudo-poetische Postkartenansichten betonen das dramaturgische Vakuum ohne psychologische oder narrative Entwicklungen. Öde Partys, stagnierende Streitgespräche und eine willkürliche Wasser-Metaphorik ohne Hintersinn. Wenn die Tochter der Protagonistin im Streit abrupt in Ausdruckstanz ausbricht, scheint selbst ein Musical in dem konfusen Konstrukt möglich. Zumindest das bleibt einem erspart. 

Autor: Lida Bach
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