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Nach einer wilden Partynacht erwartet Studentin Lenka und ihre beiden Freunden ein böses Erwachen: Lenka’s Mitbewohnerin Elizabeth liegt mit aufgeschlitzter Kehle in der gemeinsamen Wohnung. Was ist geschehen? Die Selfie-Videos der Toten könnten Aufschluss geben…

Kritik

Schon kurios, wie die einst gefeierten Regisseure des aufblühenden, italienischen Genre-Kinos allesamt mit der Zeit zu müde belächelten Schattenwesen wurden. Kaum jemand hat den Transfer von den wilden 70ern mit ihren Giallo-, Polizitteschi- und Mondo-Auswüchsen überlebt (nicht mal Dario Argento, Suspiria, der den Absprung um locker zwei Dekaden versäumte), viele strichen aus gutem Grund in den 80ern komplett die Segel. Zu diesen Auslaufmodellen zählte eigentlich auch der legendäre Ruggero Deodato, einem der Mitbegründer der skandalösen Mondo-Kannibalen-Welle. Dem das Kunststück gelang, ausgerechnet aus diesem extrem-reißerischen Wildwuchs ein echtes, für seine Zunft einzigartiges Masterpiece zu filtern: Nackt und zerfleischt bzw. Cannibal Holocaust. Bis heute umstritten und kontrovers bis auf die Knochen, allerdings wohl der einzige Film seiner Gattung, der eine ernsthafte Diskussion zulässt…und nebenbei vielleicht der erste, clevere und wahnsinnig effektive Found-Footage-Film, noch bevor dieser Begriff salonfähig wurde.

Zwischen dem Damals und Heute liegen selbstverständlich Jahrzehnte. Im Anschluss an seinen angreifbaren Klassiker folgte direkt der nihilistische, packende Home-Invasion-Reißer Der Schlitzer, später war (eher unfreiwillig, die gesamten Skandale zwangen ihn zur Abmilderung) die Sparflamme-Spaß-Linie angesagt. Selbst Ausflüge ins alte Metier wie bei Cut and Run waren nur noch Quatsch, besser aufgehoben war er bei offensichtlichem Blödsinn wie Atlantis Inferno und – darin schon fast ein eigener Klassiker – Die Barbaren. Danach wurde er sehr ruhig um einen der einst radikalsten Filmemacher seiner Zeit, der wegen seiner täuschend echten Kannibalen-Illusion beinah mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen musste. Seine Dienste waren nicht mehr gefragt, selbst in der abgewandelten Stilrichtung. Deodato’s Karriere fand ab den späten 80er/frühen 90er ausschließlich im TV- und Kurzfilmbereich statt, der Hype war längst vorbei. Ballad in Blood war 2016 – mit 77 Jahren – sein Comeback im Spielfilmsektor. Und da man mit Menschenfressern seit Hannibal eh niemanden mehr hinter dem Futtertrog herlockt, darf nun ein weltweit für Aufsehen erregender Kriminalfall als loser Aufhänger herhalten. Der Mordfall Meredith Kerchner, oder besser bekannt durch den Namen einer mutmaßlichen Mittäterin: Amanda Knox, „Der Engel mit den Eisaugen“.

Unverblümt bedient sich Deodato bei dem durch die internationale Presse gewanderten Fall, ohne das exakt so zu zertifizieren noch sich um Korrektheit zu kümmern. Muss er so gesehen ja auch nicht, trotzdem erscheint es etwas feist. Besonders da nie etwas bewiesen oder abgeschlossen wurde, alles ist äußerst spekulativ und irgendwo anmaßend, aber ohne das Kind direkt beim Namen zu nennen läuft es eben unter „Fiktion“ und „künstlerische Freiheit“, was nicht unmittelbar anzukreiden ist. Diskutabel, aber damit wäre der einstige Skandal-Regisseur wenigstens wieder voll in seinem verlorenen Element und in seinem fortgeschrittenen Alter damit wieder anzugreifen (nicht nur Regisseur, sondern auch Ideengeber und Co-Autor), lässt zumindest ein leicht loderndes Feuer erkennen. Die Konstellation zwischen lose-spekulierter Fallbesprechung, Fakten-Mikado, Suspense-Thriller, lüsternem Alt-Herren-Sleaze und schwarzer Gore-Groteske wirkt reichlich unbeholfen, obwohl da manchmal ein Funken Hoffnung aufblitzt – nur um ganz schnell wieder zu verglühen. Ballad in Blood findet einfach keine klare Linie und wirkt eher wie ein altersschwacher Abschied seines Schöpfers. Er bedient alle dessen Karrierestationen – von Found-Footage, Gore, (Home Invasion)Thriller, Trash und Sex  -, bedient keines davon gewollt zufriedenstellend, ist aber trotzdem nicht völlig lieblos. Nur strukturlos, desorientiert, leicht geschmacklos (wobei das das geringste Problem darstellt) und leider komplett spannungsarm. Es bleibt bei einem dürftigen Versuch. Den man aber vom Grundsatz durchaus anerkennen kann.

Fazit

Wie (fast) zu befürchten ist das Spätwerk des einstigen Wüterichs nur ein gescheiterter Versuch weit über dessen Zenit. Obgleich wenigstens Intentionen und Bemühungen kaum von der Hand zu weisen sind. „Ballad in Blood“ ist reißerischer, klobig erzählter Blödsinn, der einen realen Hintergrund schamlos ausbeutet. Nicht mal richtig gut gemacht und total schizophren ausgerichtet ist…aber ein Minimum an Interesse, das generiert dieses Durcheinander trotzdem. Auch weil er wie ein Resümee von Deodato erscheint - nur eben nicht mit der entsprechenden Würde.

Autor: Jacko Kunze

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