MB-Kritik

Barbara Forever 2026

Documentary

Inhalt

Eine archivgebundene Erkundung des Lebens und Werks der bahnbrechenden lesbischen Filmemacherin Barbara Hammer.

Kritik

“You only have part of my work. You only have my feet”, sagt die Titelfigur in einer frühen Szene s dokumentarischen Porträts. Jenes nährt sich der formativen Filmemacherin und Feministin mittels akribischer archivarischer Aufarbeitung. Bisher ungezeigte Aufnahmen, rare Werkeinblicke und Selbstzeugnisse schaffen ein haptisches Bild der queeren Ikone. Die im Eingangszitat benannten biographischen Begrenzungen des innovativen Ansatzes werden zu sinnbildhaften Demarkierungen Barbara Hammers (Nitrate Kisses) eigener Emanzipation. 

Klassische chronologische Dramaturgie ersetzt eine essayistische Struktur, die Einflüsse, Erkenntnisse und Entwicklung der einflussreichen Künstlerin durch ihre eigenen Worte und Filmaufnahmen erfahrbar machen will. Erinnerungsfragmente, Beobachtungen und mediale Spuren schaffen einen organischen Bilder-Fluss. Dessen grobe Körnung und verschwommene Tiefenschärfe werden zum visuellen Sinnbild der Ungreifbarkeiten im Leben der Protagonistin. “I was born when I became a lesbian”, sagt sie in einem der zum Off-Kommentar arrangierten Interviews. 

Diesem Prinzip folgt O'Connor in ihrem Langfilm-Debüt, das Kindheit, Familienhintergrund und Jugendjahre seiner zentralen Figur nahezu gänzlich ausblendet. Der Fokus liegt auf Hammers experimenteller Entwicklung einer idiosynkratischen Filmsprache, ihrer sinnlichen Selbstergründung sowie ihrer langjährigen Beziehungen mit anderen Frauen. Aus Erzählungen, Gesten und filmischen Fragmenten entsteht eine psychologische Präsenz, die sich formal in einer intuitiven Bildgestaltung spiegelt. Das Unschärfen, im optischen und narrativen Sinne, stellen Assoziationen über Aussagen.

Fazit

Seltene Gespräche, private Zeugnisse und Outtakes verdichtet Brydie O'Connor zu einer präzisen Persönlichkeitsstudie, die Intimität mit formaler Zurückhaltung vereint. Barbara Hammers physische und psychische Selbsterforschung, ihr untrennbar mit ihrem Werk verknüpfter politischer Aktivismus sowie ihr Streben nach Dauerhaftigkeit, nicht nur in filmischer Form, durchziehen die komplexe Collage. Jene adaptiert und integriert die avantgardistische Stilistik der Pionierin des queeren Kinos, die selbst Teil der lesbischen Geschichte ist, die sie einfing und mitschrieb.

Autor: Lida Bach
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