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Ein moralisch flexibler Immobilienmakler, ein liebenswerter Hochstapler und eine eiskalte Strippenzieherin machen gemeinsame Sache. Daraus entsteht ein illegales Immobiliengeschäft, das in einem Strudel aus Lügen, Betrug, Geld und jeder Menge Drogen gipfelt. Doch je höher man stapelt, desto tiefer kann man auch fallen...

  • W780
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Kritik

Betonrausch ist der zweite Netflix-Film aus Deutschland (Start: 17.04. 2020). Regisseur und Autor Cüneyt Kaya (Verpiss Dich, Schneewittchen) fährt dafür schwere Geschütze auf, denn seine Satire arbeitet sich an der Thematik der Gier ab. Damit bedient Betonrausch eben genau das Thema, mit dem Netflix dieses Jahr bereits mit Der Schacht und Dein Zuhause gehört mir  große Erfolge feiern konnte. Anders als die spanischen Produktionen vertraut Cüneyt Kaya aber einen eher heiteren Tonus. Ähnlich wie The Big Short, ohne jedoch dessen Verspieltheit zu erreichen, wird mit Humor und vor allem dem bornierten Eindruck von Reichtum, Dekadenz und der damit einhergehende moralischen Verrohung gearbeitet.

Das geht zu Beginn auch auf: Flott erzählt, ohne zu viel narrativen Ballast erzählt Kaya  die Geschichte eines aufstrebenden Betrügers Viktor (David Kross, Die Vermessung der Welt), der kurze Zeit nach seinen ersten Erfolgen mit dem durchtriebenen Gerry (Frederick Lau, Das perfekte Geheimnis) einen passenden Geschäftspartner und Freund an die Seite gestellt bekommt. Doch auch wenn es bis hierhin alles erzählerisch glattlief, die ersten Sandkörner im Getriebe haben sich bereits eingeschlichen. Ähnlich wie in s Catch Me If You Can integriert Kaya bei Betonrausch nämlich eine Vater-Sohn-Dynamik, die in Rückblenden versucht zu erzählen, warum Viktor so sehr nach Geld giert. Auch im Drogendealer-Biopic Blow wurde dieses Werkzeug genutzt. Bei Betonrausch will es aber nie so richtig funktionieren. Mit nicht einmal 100 Minuten Laufzeit ist der Film zwar kurz, es fehlt ihm dadurch aber eben auch die notwendige Zeit und einzelne Facetten der Figuren und Handlung zu vertiefen.

Was Betonrausch allerdings zu jeder Zeit herausragend gelingt, ist es klar und verständlich aufzuzeigen, wie zwei Betrüger dank richtiger Kontakte, Mut zur Dreistigkeit und Kriminalität das Wirtschaftssystem zu Ihrem Vorteil ausnutzen und manipulierten konnten. Zwar beruht der Film auf keiner dezidierten wahren Geschichte, nach der Sichtung von Cüneyt Kaya s dritter Regiearbeit bleibt aber kein Zweifel, dass es sich so oder so ähnlich wahrscheinlich schön öfters abgespielt haben muss. Leidtragende sind dabei in der Fiktion genau wie in der Realität aber die Opfer. Genau wie bei The Big Short oder The Wolf of Wall Street ist auch Betonrausch den Tätern und Ihrer Welt aus Betrug und Besitz so verfallen, dass für die Geschädigten kein wirklicher Platz im Film ist.

Es gibt natürlich kurze Momente, in denen Viktor und Gerry sowie Ihre Komplizin bei der Bank (Janina Uhse, Berlin, Berlin - Der Film) mit denen, die wegen der Machenschaften des Trios alles verloren haben, konfrontiert werden. Diese Szenen dienen aber mehr dazu die Charaktere von Viktor und Gerry zu formen, was jedoch unnötig ist, da beide Figuren bereits nach kurzer Zeit in Ihren Bahnen verankert sind: Viktor ist Kopfmensch, der zu Empathie fähig ist, Gerry der Bauchmensch, der sich selbst am nächsten ist. Ein Duo, das dem Filme durchaus einige herausragende Momente schenkt, wenn sie etwa ihre neuen Angestellten singen lassen, damit diese ihre Jobs nicht verlieren. Machtmissbrauch in Reinkultur und mitunter die beste Szene des Films, weil sie die Abscheulichkeit dieses Systems aus Macht, Moneten und Narzissmus offen legt. Davon hätte Betonrausch mehr gebraucht, denn trotz hohen Tempos, guter Darsteller und einer sauberen Inszenierung fehlt dem Netflix-Film letztlich die Bisskraft.

Fazit

Flott erzählt ist "Betonrausch", doch Abseits der Bedienung unserer bornierten Vorstellungen von Reichtum, Betrug und Gier, ist die Möchtegern-Satire sehr kraftlos, wenn auch oftmals recht unterhaltsam. Das ist nicht "The Wolf of Wall Street", sondern mehr "The Wolf of Wanne-Eickel".

Autor: Sebastian Groß

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