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Inhalt

Der 18-jährige William aus dem Kongo versucht die Grenze nach Europa zu überwinden, um dort seinen verschollenen Bruder zu suchen. In Marokko trifft er zufällig auf den gleichaltrigen Briten Gyllen, der das Luxus-Wohnmobil seines Stiefvaters entwendet hat und damit dem Familienurlaub entflohen ist. Die beiden werden zu perfekten Verbündeten: Getrieben von Abenteuerlust sowie einer großen Sehnsucht bahnt sich das ungleiche Paar seinen Weg durch Europa. Während die jungen Männer auf ihrer Reise immer stärker zusammenwachsen, werden sie mit Entscheidungen konfrontiert, die nicht nur ihr eigenes Leben nachhaltig beeinflussen...

Kritik

Die Erwartungen an Sebastian Schippers neuen Film sind nach seinem atemberaubenden One-Shot-Film Victoria (2015), mit dem er weltweit Aufmerksamkeit erregte, denkbar hoch. Dabei konnten sich bereits seine drei vorangegangenen Filme sehen lassen, in denen er entweder ein Jubellied auf die Freundschaft in ungewöhnlichen Lebenslagen anstimmte (Absolute Giganten und Ein Freund von mir) oder Liebesbeziehungen auf Stichhaltigkeit überprüfte (Mitte Ende August). Für die internationale Beachtung reichten intime Betrachtungen von menschlichen Beziehungen jedoch nicht und es brauchte die technische Meisterleistung eines Films, der ohne einen einzigen Schnitt gedreht wurde. Interessanterweise vereinigte Schipper in Victoria die Themen Freundschaft und Liebe, bevor er sich mit seinem nun erscheinenden Film Roads wieder ganz dem lebensnotwendigen Band der Freundschaft widmete. Was Schippers neuen Streich deutlich von seinen bisherigen Filmen abhebt, ist die unübersehbare gesellschaftliche Relevanz. Indem er die Flüchtlingsthematik aufgreift, wagt er nun inhaltlich einen weiteren Schritt in die Wirklichkeit unserer Welt.

Wie schon kürzlich in Hans Weingartners 303 (2018) spielt neben den beiden Hauptdarstellern ein Wohnmobil älteren Baujahrs eine tragende Rolle, auch wenn die Protagonisten später fremdgehen und gezwungenermaßen auf ein Motorrad wechseln. Deutsche Filmemacher scheinen nicht nur das Road-Movie neu für sich zu entdecken, sondern das ultimative Gefühl von Freiheit mit einem nostalgisch angehauchten Gefährt zu verbinden. Auch wenn Roads die wesentlich düstereren Töne eines Thrillers anschlägt, weist er doch erstaunlich viele Parallelen zu 303 auf. Zwei junge Menschen fliehen aus einer aktuellen Lebenslage und stehen an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Die Konfrontation mit dem leiblichen Vater lässt die Emotionen hochkochen und ein klärendes Gespräch mit einer engen Bezugsperson legt die Weichen für den weiteren Lebensweg. Damit werden zwar universelle Themen des menschlichen Daseins in Erzählungen verpackt, die atmosphärisch verschiedene Richtungen einschlagen, aber ein wenig mehr Eigenständigkeit im Hinblick auf den Handlungsrahmen wäre hier wünschenswert gewesen.

Im Detail legt Sebastian Schipper in Roads jedoch einen anderen Fokus. Ähnlich wie in Victoria feiert er die Unternehmungslust der Jugend, die sich in die Nacht hinauswagt und die Straßen unsicher macht. In Gyllen (Fionn Whitehead, Dunkirk) und William (Stéphane Bak, Elle) hat sich ein ungleiches Paar gefunden. Während der impulsive Brite nur schwer seine unterdrückte Wut vor der Außenwelt verbergen kann, zeigt sich der in sich ruhende Kongolese gefasst und voller Herzlichkeit. Was beide Jungs verbindet, ist nicht nur ihr gleiches Alter und der gemeinsame Weg, den sie zu gehen haben, sondern auch ein an Weltschmerz grenzendes Gefühl angesichts der Umstände, die sie zusammenbringen. So spielt sich Roads in der Spannbreite zwischen jugendlicher Spaßveranstaltung und schicksalhafter Tragik familiärer und gesellschaftlicher Zustände ab. Auch wenn es den Film für den Zuschauer emotional erträglicher macht, ist die Mischung aus schwereloser Marihuana-Strand-Party, Familienkonflikten und drastischen Flüchtlingsschicksalen nicht vollends gelungen. Vor allem der überzogene Auftritt von Moritz Bleibtreu als durchgedrehtem Hippie hinterlässt das ein oder andere Fragezeichen.

Nicht zuletzt bricht Roads eine Lanze für das freundschaftliche Band zwischen Menschen, die trotz denkbar unterschiedlicher Hintergründe zueinander finden. Die vorurteilsfreie Haltung und aufrichtige Offenheit von William und Gyllen lässt einem das Herz aufgehen und schürt die Hoffnung auf ein humanitäres Miteinander. Geschickt bettet der Film die Geschichte der Freundschaft zwischen einem Kongolesen und einem Briten in den breiten gesellschaftlichen Rahmen der Flüchtlingsschicksale in europäischen Ländern ein. Damit sorgt in erster Linie das harmonisierende Zusammenspiel von Stéphane Bak und Fionn Whitehead dafür, dass der Zuschauer am Ball bleibt. Was Schipper nach wie vor wie kein anderer vermag, ist eine authentische und zu Herzen gehende Geschichte über eine Freundschaft zu kreieren.        

Fazit

Nach seinem kameratechnischen Mammutwerk „Victoria“ liefert Sebastian Schipper nun mit „Roads“ eine gesellschaftlich relevante und absolut zeitgemäße Erzählung über eine Freundschaft zwischen zwei Jungen ab, die ihr altes Leben hinter sich lassen und auf den Straßen Europas ihren letzten verbliebenen menschlichen Bindungen hinterherjagen. Obwohl die Mischung aus unbeschwertem Road-Trip und von Realismus getränktem Flüchtlingsdrama leicht unausgegoren daherkommt, fasziniert der Film als Ode an die Freundschaft und Plädoyer für ein humanitäres Miteinander.

Autor: Jonas Göken

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