Inhalt
Noahs geregeltes Leben, in dem er sich um seine ängstliche Tochter kümmert und seine Arztpraxis führt, gerät aus den Fugen, als seine Highschool-Freundin Rebecca zurückkehrt. Die alte Anziehungskraft ist noch immer spürbar, und sie fragen sich, ob die Liebe eine zweite Chance verdient.
Kritik
Der Titel Rachel Lamberts schalen Spielfilm-Debüts ist ironisch passend mit seiner Evokation von Nostalgie, mechanischer Unterhaltung, Kommerzialität und einem Vehikel, das sich ständig im Kreis dreht. Genau wie die banale Story und deren Figuren, die nach Jahren der Trennung wieder beieinander ankommen. Der frisch geschiedene Arzt Noah (Chris Pine, Untitled Star Trek Sequel) trifft bei einem einsamen Abend in einer Bar seine frühere Flamme Rebecca (Jenny Slate, The Electric State). Nach einem Aufenthalt in Washington ist sie ins vorstädtische Cleveland zurückgekehrt, um dort zu unterrichten.
Obendrein ist eine Schülerin Rebeccas Noahs jugendliche Tochter Maya (Abby Ryder Fortson, Are You There God? It's Me, Margaret.). Deren neurotisches Verhalten entspricht einer textbuchreifen Definition psychisch labiler Tropen: Autoaggression, Panikattacken, zwanghaftes Verhalten und Stimmungsschwankungen. Die beliebigen Facetten sind symptomatisch für die emotionale Manipulation und didaktischen Narrative des plakativen Plot. Als Pappmaché-Psycho ist Maya weniger Individuum als dramaturgisches Instrument, um das Protagonisten-Paar einander näher zu bringen und ihre Fürsorglichkeit zu zeigen. Quasi als Bonus personifiziert sie einen Konflikt in der wohlstandsverwöhnten WASP-Welt.
Der Mangel an romantischer Chemie zwischen Pine und Slate verstärkt unfreiwillig die Künstlichkeit des visuell und dramatisch gleichermaßen biederen Szenarios. Den behaupteten Konflikten der eindimensionalen Charaktere mit der anstrengenden Tendenz ihre Gefühle dialogisch auszubreiten, fehlt es an emotionaler Tiefe und Relevanz. Mit ihrer privilegierten Preziosität wäre die Handlung ideales Material für eine Satire einer heteronormativen Bourgeoisie. Doch Lambert verlässt sich ganz auf den austauschbaren Charme überdeutlicher Sound-Cues und generischer Hochglanz-Bilder. Romantik ist hier die Langzeitliebe zu konservativem Konformismus.
Fazit
Die distanzierte Gleichgültigkeit der ausdrucksarmen Inszenierung lässt Anteilnahme a den belanglosen Ereignissen genausowenig aufkommen wie Figuren-Dynamik und Humor. Kalkulierte Sentimentalität und lebensferne Reaktionen geben den Ereignissen die verlogene Melodramatik einer Soap Opera. Der Zwang nach apathischer Assimilation an die makellose Mittelschicht-Fassade manifestiert sich nicht nur formal, sondern innerhalb der Handlung. Wer wie die verhaltensauffällige Tochter des Hauptcharakters nicht in diesen glattpolierten Konservativen-Kosmos passt, hat wortwörtlich keinen Platz darin. Das bezeichnend zynische Fazit einer um sich selbst kreisenden Seifenoper.
Autor: Lida Bach