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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

David ist ein überarbeiteter Werbefachmann, der eine hochkarätige Marketing-Kampagne für eine neue Generation von Augmented-Reality-Brillen entwickelt. In seiner Beziehung zu Yoga-Lehrerin Juliette  fühlt er sich in seiner Sackgasse, während er das turbulente  Liebesleben seines besten Freundes, Modefotograf Wim, und  dessen hinreißender Freundin Sophie, beneidet . So nutzt er die Brille, um einen lebensechten Avatar von Sophie zu entwickeln. Ohne es zu wissen, beginnen Fantasie und Realität zu verwischen. Als Leidenschaften eskalieren und die Dinge immer weiter aus der Hand gehen, werden die Freunde gezwungen, sich mit der drohenden Kollision zwischen ihren öffentlichen, privaten und imaginären Leben zu beschäftigen.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

An die besten Filme wird meist automatisch der Anspruch gestellt, dass sie möglichst "zeitlos" sein sollen. Ein zeitloser Klassiker zeichnet sich folglich dadurch aus, dass man ihm nicht ansieht, ob er vor 20, 30 oder 60 Jahren gedreht wurde, und trotzdem strahlt er stets eine kontinuierlich gleichbleibende Qualität aus. In unserer momentanen Gegenwart der digitalen Revolution, bei der regelmäßig neue Hypes entstehen, die technische Innovationen oder gesellschaftsrelevante Veränderungen beinhalten, wäre es hingegen ziemlich öde, wenn es keine Regisseure wie Benjamin Dickinson (First Winter) gäbe, die sich an ambitionierten Ideen versuchen, um Science-Fiction, Zeitgeist und technologische Komponenten kreativ zu verbinden. 

Creative Control greift den Aspekt der "Augmented Reality" auf. Da die "Google Glass" erst kürzlich als gescheitert eingestuft und vollständig vom Markt genommen wurde, gilt diese vielversprechende Form der Realitätserweiterung noch als ausbaufähig. Dickinson inszeniert in kühlen Schwarz-Weiß-Bildern einen originellen Entwurf von New York, der aufgrund des sehr niedrigen Budgets mit wenigen Schauplätzen sowie vielen Innenaufnahmen auskommt und trotzdem mit einer sichtbaren Liebe für kleine Details besticht. Technik-Fanatiker und Apple-Fans dürften sich in der stilvollen Vision des Regisseurs, bei der sterile Designs, glänzend polierte Oberflächen und auffällig minimalistische Geräte eine Rolle spielen, sofort wohl fühlen. Der Regisseur zeigt ein Szenario, das vom heutigen Standpunkt aus in gut 10 Jahren durchaus der Realität entsprechen könnte. Dickinson, der in seinem Werk auch die Rolle der Hauptfigur spielt, erzählt in diesem interessanten Setting eine fast schon altmodische Geschichte, welche Themen wie Beziehungskrisen, die Schwierigkeit, zwischenmenschliche Bindungen einzugehen und reizvolle Eifersucht anschneidet. 

Möchte man Creative Control in einem Satz beschreiben, könnte man ihn als Variation von Spike Jonzes (AdaptionHer bezeichnen, die vom derzeitigen Hipster-Liebling Noah Baumbach (Greenberg) gedreht wurde. Ähnlich wie in den Filmen von Baumbach sind die Figuren in Dickinsons Werk mit einer gewöhnungsbedürftigen Exzentrik und extravaganten, äußerlichen Merkmalen versehen. Es dürfte daher nicht jedem leicht fallen, einen Zugang zu dem Film zu finden, da man unter Umständen schon zu Beginn von den Charakteren abgestoßen wird. Hinzu kommt die Vorliebe des Regisseurs, viele seiner Szenen durch übermäßigen Einsatz klassischer Musik und exzessive Zeitlupen überzustilisieren. Dem typischen Vorwurf von "Style over Substance" muss sich Dickinson daher berechtigt stellen.

Und diesem Vorwurf muss sich Creative Control als Gesamtwerk trotz der kreativen Ansätze überwiegend geschlagen geben. Die Figuren und Handlungsstränge wirken im Gegensatz zu der opulent in Szene gesetzten Welt, in der sie sich befinden, etwas unfertig und bleiben weitestgehend auf der Strecke. Über den üblichen Ansatz, dass immer fortschrittlichere Technologie mehr Schattenseiten als Vorzüge mit sich bringt und schließlich zu stärkerer Isolation und Kontrollverlust führt, hinaus bietet Dickinsons Geschichte wenig neue Impulse, um die starke audiovisuelle Vision mit Inhalten zu bereichern, die von ebenbürtiger Qualität sind. Am Ende ist der Film dadurch ein anregendes Gedankenspiel mit stimmigen Ideen und interessanten Konzepten, welche aber unfertig wirken und nicht konsequent entwickelt wurden.

Fazit

Die Ambitionen eines Regisseurs wie Benjamin Dickinson gilt es zu bewundern. Der Regisseur traut sich, hochaktuelle Entwicklungen am Puls der Zeit weiterzudenken und in ein futuristisches, stilvoll inszeniertes Szenario zu verpacken. Als Gesamtwerk bleibt "Creative Control" aufgrund halbgar entwickelter Charaktere und Erzählstränge hinter seinen Möglichkeiten, doch Dickinson präsentiert sich als Filmemacher mit Potential, der in Zukunft noch Spektakuläres abliefern könnte.

Autor: Patrick Reinbott

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