MB-Kritik

Creatures of the Mind 2025

Sidarta Ribeiro
Marcelo Gomes
Mizziara de Paiva
Waldemar Magaldi
Marcelo Leite
Mãe Beth de Oxum
Mãe Lu
Ailton Krenak
Dráulio Barros de Araújo
Ana Flávia Mendonça
Gilda Gomes
Ernesto Mota Ribeiro
Sergio Mota Ribeiro

Inhalt

Eine hypnotische Studie über Träume, Schlaf und die Geheimnisse des Unterbewusstseins. Wissenschaft trifft auf Mythos in einem brasilianischen Film, in dem indigenes Wissen neues Licht auf die tiefen Geheimnisse des Geistes wirft.

Kritik

Der Titel Marcelo Gomes (Doloresintrospektive Dokumentarfilms klingt ebenso spannendwie dessen Prämisse: Ein Abstieg in die Mysterien des Unterbewussten und die Bilder, die sie heraufbeschwören, während der Geist schläft, ausgehend von der persönlichen Erfahrung des brasilianischen Filmemachers. Während der Corona-Pandemie hatte er aufgehört zu träumen. Dass dies tatsächlich eine Täuschung ist und Menschen selbst dann träumen, wenn sie sich nicht daran erinnern können, ist eine der raren substanziellen Erkenntnisse der mäandernden Collage aus Spiritualismus und Neurologie. 

Antworten oder nur tiefer Einblicke in die Ursache, Entstehung und Funktion eines Prozesses, der die Menschheit seit Urzeiten fasziniert, liefern keines der beiden Wissensfelder, die in der spiegelartigen Struktur einander gegenüberstehen. Gemeinsam mit dem Neurowissenschaftler Sinatra Ribeiro betrachtet der brasilianische Regisseur unterschiedliche kulturelle Konzepte des Träumens. Jene erscheinen als Ausblick in die Zukunft, Quelle mystischer Kraft oder Instrument psychosomatischer Prozesse. Bisweilen erscheinen die Begegnungen mit Heilerinnen, Stammesältesten und Wissenschaftler*innen mehr assoziativ als kausal verbunden.

Ausgewählte Schwerpunkte wirken oftmals beliebig und fügen sich nie in einen größeren Erkenntniskomplex. Laborstudien über die Traumzyklen von Oktopussen, ein Austausch mit dem indigenen Philosophen Ailton Krenak und ein Zoom-Gespräch mit Gomes Mutter. Als Gegenentwurf zu einer eurozentrischen Auffassung von Wissen sind diese durch Archivmaterial indigener Bräuche und traumverbundener Traditionen illustrierten epistemologischen Dimensionen zwar relevant, berühren jedoch nur indirekt die eigentliche Materie. Jene geht in der losen Strukturierung ebenso verloren wie eine klare Argumentation und ein inszenatorischer Fokus. 

Fazit

Die Gleichwertigkeit scheinbar inkompatibler Wissensformen ist programmatisch in Marcelo Gomes verträumter Tour, die ziellos zwischen neurologischer Beobachtung, Selbstkonsultation und anthropologischem Austausch wandert. Ivo Lopes Araújos fließende Kameraaufnahmen im Wechsel mit grobkörnigem Archivmaterial schafft eine subjektive Ästhetik, deren fragmentarische Sprunghaftigkeit einen Zustand kontemplativer Schwebe evoziert. Sequenzen kollektiver Bräuche wie Karneval oder Capoeira sollen mit rhythmischer Montage und kongruenten Klangkulissen die losgelöste Aura ritualisierter Traumzustände vermitteln. Träume sind lediglich Vorwand der Dekonstruktion der westlichen Dichotomie zwischen Rationalität und Spiritualität.

Autor: Lida Bach
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