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Quelle: themoviedb.org

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Inhalt

Anwalt Matt Murdock (Ben Affleck) hatte keine einfache Kindheit: Zuerst verlor er sein Augenlicht bei einem Unfall mit radioaktiven Chemikalien und später wurde sein Vater von einem Unbekannten ermordet. Doch bei dem Unfall wurden Matts verbleibende Sinne auf übermenschliche Weise geschärft. Nun tritt er für die Gerechtigkeit ein: Tagsüber als Anwalt und nachts als kostümierter Rächer Daredevil, der freigesprochene Kriminelle heimsucht. Sein größer Gegenspieler ist der Gangsterboss Kingpin (Michael Clarke Duncan) und Matt kann nicht verhindern, dass seine große Liebe Elektra Natchios (Jennifer Garner) in diesen Privatkrieg hineingezogen wird...

Kritik

Diese Kritik bezieht sich auf den nachträglich erschienenen Director's Cut, der die Kinofassung um beinahe 30 Minuten erweitert.

Die Wolkenkratzer begrüßen den Zuschauer in abstrakter Schräglage, die Kamera braust in mal mehr, mal weniger offensichtlicher Digitalität von Bezirk zu Bezirk, von Viertel zu Viertel, bis alles verwischt und verzerrt und nur noch die dumpfen Lichter der Großstadt in den Pfützen des Asphalts verbleiben: Vom einem ungreifbaren, zuweilen gar körperlosen New York berichtet Mark Steven Johnson („Ghost Rider“) in „Daredevil“. Passend zum Stadtbild ist es auch Hauptdarsteller Matt Murdock (Blass: Ben Affleck, „Gone Girl – Das perfekte Opfer“), der sich damit arrangieren muss, nicht nur als blinder Advokat sein Geld zu machen, sondern in der Nacht als roter Teufel der Gerechtigkeit dem Verbrecherpack hinterherzujagen: Findet sich Matt Murdock mit seiner Berufung als Dardevil ab, ist auch New York im Begriff dazu, an Klarheit und Plastizität zu gewinnen – einfach aus dem Grund, weil die Metropole einen urbanen Spielplatz für den Superhelden darstellt. Schade nur, dass „Daredevil“ nicht viel auf die inhärente Initiationsgeschichte gibt.

Wie jede Superhelden- respektive Comic-Adaption bedient sich „Daredevil“ in seinem dramaturgischen Konzept ganz und gar der so bewährten wie altbekannten Struktur einer klassischen Heldenmär: Zu Anfang gibt es einen Rückblick, den „Daredevil“ zur jugendlichen Sozialbiographie verwendet und Matt (Scott Terra „Arac Attack“) als intelligenten, körperlich allerdings nicht sehr einschüchternden Pubertierenden vorstellt: Vom Bully aus der Seitengasse gibt es jeden Tag eine Gerade auf die Nase, während sich sein Vater (David Keith, „Ein Offizier und Gentleman“), ein gefallener Boxer, die schmutzigen Scheine nun als Gorilla für den Mobster Fallon (Mark Margolis, „Breaking Bad“) verdient. Und als Mark bei einem Giftmüllunfall sein Augenlicht verliert, geben sich Vater und Sohn ein verpflichtendes Versprechen: Beide kämpfen sich zurück ins Leben. Dass der brutale Tod des Vaters ein äußerst determinierendes Siegel für die Entwicklung des Protagonisten bedeutet, muss in diesem Comic-Gefilde kaum noch Erwähnung finden: Die Kompensation persönlicher Trauerfälle zieht einfach immer noch am besten – und nichts anderes sucht Daredevil, dessen erster Auftritt auf das Jahr 1964 zurückzuführen ist.

„Daredevil“ aber ist kein guter Film geworden, hinter den milchigen Augen des Matt Murdock wartet zwar eine Geschichte, die erzählt werden möchte, aber nicht mit den mäßigen Mitteln, wie sie Regisseur und Drehbuchautor Mark Steven Johnson gefunden hat. Die uninspierte Inszenierung seinerseits wirkt bemüht um Style und fesche Ästhetizismen, ist sich inhaltlich aber kaum über die moralisch/ethische Tragweite der Vorlage bewusst. Allein wie halbgar und breitärschig „Daredevil“ die Zwienatur seines Helden mit dem Katholizismus in Verbindung bringt, lässt geradewegs darauf schließen, dass sich Johnson nicht vollkommen darüber im Klaren war, wie extrem Daredevil seinen persönlichen moralischen Kompass am christlichen Glaubenssystem abgleicht. Ohnehin aber ist es „Daredevil“ nicht an introspektiven Blickwinkeln gelegen, viel lieber baut der Film auf cheesy Kampfakrobatik, Schmalz und Pathos (unterlegt von abträglichem Alternative-Rock und Nu-Metal) und lässt seine Schauspieler (damit sind auch Jennifer Garner und vor allem Colin Farrell gemeint) ohne Sinn und Verstand ins Fremdschamnirvana acten.

Fazit

Mehr Fokus auf die Zwienatur seines popkulturellen Helden und weniger Affektiertheit im Spiel der Schauspieler hätte „Daredevil“ deutlich besser zu Gesicht gestanden. So aber bleibt ein Film, der im Director's Cut zwar runder wirkt, als er es noch in der Kinofassung tut, es jedoch nie auch nur ansatzweise vollbringt, als solide Comic-Verfilmung gewertet zu werden. Wenngleich die visuellen Einfälle in Bezug auf Daredevils geschärfte Sinne wirklich etwas hermachen, ist „Daredevil“ an und für sich zu oberflächlich, zu halbgar, zu leer.

Autor: Pascal Reis

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