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Quelle: themoviedb.org
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Inhalt

Im kanadischen Fort McMurray liegt eines der größten und letzten Ölvorkommen unseres Planeten. Wie magisch zieht das „schwarze Gold“ Menschen aus aller Welt an. Denn mit dem Ölsand lässt sich so viel Geld verdienen wie nirgend woanders. Doch der Preis ist hoch: Die aufwändige Gewinnung des Öls aus dem Teersand setzt lebensgefährliche Stoffe frei, die Natur, Tiere und Menschen vergiften. Alles andere also als ein Paradies! Ausgerechnet an diesem verlorenen Ort findet Regisseurin Jasmin Herold die große Liebe, ihren späteren Co-Regisseur Michael Beamish. Doch als Michael schwer erkrankt, sind die beiden plötzlich unmittelbar betroffen. Ihr eigener Albtraum beginnt.

Kritik

„Die Umweltzerstörung ist eine Sorge anderer Länder“ – Verkündet I Love Oilsands Gründer und Werbe-Manager Robbie Picard eindringlich, ignorant und etwas distanziert in die Kamera. Vermutlich lässt sich die komplette aktuelle Debatte rund um Klimawandel, Umweltzerstörung oder fehlende Nachhaltigkeit mit diesem Satz am besten zusammenfassen. Doch für die Dokumentation Dark Eden - Der Albtraum vom Erdöl ist es erst der Auftakt. Für Jasmin Herold ist es eine emotionale und gar melancholische Reise in das Abgelegene Fort McMurray, welches einst nur 7000 Einwohner umfasste und durch die Jagd nach dem schwarzen Gold auf über 80000 Einwohner anwuchs und nun tiefe Narben hinterlässt – sei es in der Landschaft oder bei den Menschen. Und dies war auch für Herold die ursprüngliche Motivation: Wer sind eigentlich die Menschen, die hier arbeiten? Was bewegte sie hierherzukommen und zu bleiben? Somit konzentriert sich Dark Eden vornehmlich auf die Bewohner und Arbeiter vor Ort, ihre Geschichte, ihr Leiden, ihre Hoffnungen und ihr Träume. Doch genau aus diesem Puzzle – welches immer wieder mit gar schon apokalyptischen Bildern der Öl-Industrie vor Ort begleitet wird – entsteht letztlich die Sogwirkung des Filmes, die einen am Ende noch lange beschäftigt.

Trotz seiner poetischen und ruhigen Bilder, ist im Kern Dark Eden dabei eine durchaus konventionelle Dokumentation: Interviews wechseln sich mit Landschaftsbildern ab, während die Menschen vor Ort aus ihrem Alltag heraus erzählen. Allerdings muss sich der Film von Jasmin Herold und ihrem Freund Michael David Beamish – den sie in Fort McMurray kennen und lieben gelernt hat – auch gar nicht auf technisches konzentrieren oder gar die Umwelt vor Ort begleiten. Viel mehr funktioniert dies über die Dialoge und die Hintergründe am besten. Zu Beginn steht dabei die Initiative I Love Oilsands mit ihrem Reichtum und den Wirtschaftsinteressen, bevor die Reise dann zu den „einfachen“ Familien vor Ort führt. Hier gibt es dann die größte Essenz: Denn während manche als Glücksritter in das dunkle El Dorado kamen, ist es für andere eine Frage der Existenz. Zwischen Immobilienspekulationen, Millionen Krediten und der ständigen Arbeit, ist es wohl vor allem die Angst, die eine Hauptkraft in der Stadt darstellt. Angst davor, dass die Umweltsünden – die alle gerne zu Seite schieben und bei aller Offensichtlichkeit nicht wahrhaben wollen – zum Verbot des Abbaus führen. Angst davor, dass der Markt für Öl zusammenbricht und erneuerbare Energien sich durchsetzen. Schlichtweg die Angst davor, nicht mehr nur eine Nummer in einem Milliarden-Geschäft zu sein, sondern komplett zu verschwinden.

Wie giftig diese völlig losgelösten Geschäftsinteressen vor Ort sind, lässt sich wohl am besten an den Auswirkungen festhalten: Während die Luft nach Chemikalien riecht und der Rauch einem den Atem nimmt – und eine tödliche Gefahr durch Schwefeldioxid über der Stadt schwebt – sind die Folgen katastrophal. Für einen Liter Bitumen, der aus dem Sand gewaschen wird, werden fünf Liter Wasser benötigt, die danach verseucht mit Kohlenwasserstoffen, Quecksilber und Arsen in Teichen gelagert werden. Dark Eden zeigt dabei eindringlich was das bedeutet: Kranke Tiere, Krebsleiden und Fehlgeburten. „Nicht zu sehen was man weiß“ scheint eine Überlebensstrategie zu sein. Am Ende schließlich interviewt Jasmin Herold abermals Robbie Picard, der fröhlich verkündet, dass Fort McMurray die sauberste Luft und das sauberste Wasser der Welt hat. Angesichts der Leiden – auch mittlerweile bei Herold selbst, die mehr und mehr am Leben in der Ödnis zweifelt – ist dies blanker Hohn und zeigt die Ignoranz des Geldes. Selbst als eine Feuersbrunst 2016, aufgrund immer trocken werdender Sommer, eine Fläche von über 160.000 Hektar verbrennt, kommentiert dies Picard als Nutznießer der dreckigen Situation ironisch und plant längst sein Haus größer wiederaufzubauen. Währenddessen haben Michael David Beamish und Jasmin Herold die Flucht angetreten, um zu überleben. Nach Deutschland, eines der zehn größten Öl-Importeure der Welt.

Fazit

"Dark Eden" ist eine gar schon apokalyptische Dokumentation, die vom täglichen Überleben an einem der dreckigsten Orte der Welt erzählt. Düster, tief, melancholisch und vor allem (un)angenehm persönlich, berichtet sie dabei von den Menschen vor Ort. Ihren Ängsten und Hoffnungen, ihren Leiden und ihren Träumen. Doch das Wirrwarr aus Geld und Zerstörung bringt am Ende nur eines: Die Erkenntnis, dass der Mensch längst auch die abgelegensten Orte der Welt mit seiner Ignoranz und Gewinnsucht vernichtet.

Kritik: Thomas Repenning

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