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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Wenn zwei sich auf den Weg machen: Die Lehrerin Fred und der rebellische Jugendliche Adam könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Fred an ihrem zunehmend wankenden, aber geordneten Leben festhält, versucht Adam, seiner Vergangenheit aus Pflegeheimen, Schulverweisen und Jugendhaft um jeden Preis zu entkommen. Ein Resozialisierungsprogramm führt die beiden gemeinsam auf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Zwischen Streit, Schweigen und unerwarteten Wendungen werden sie gezwungen, sich ihren Problemen zu stellen und entdecken dabei eine neue Stärke in sich selbst und im anderen. Doch wird das reichen, um ihre Unterschiede zu überwinden und ihr Ziel zu erreichen? 

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Der Jakobsweg ist dafür berüchtigt, Menschen von ihren Lebenskrisen zu befreien und neuen Lebensmut zu schenken. Deswegen pilgern jährlich tausende von Menschen nach Santiago de Compostela, um einen neuen Weg in ihrem Leben einzuschlagen. In Frankreich gibt es sogar ein alternatives Resozialisierungsprogramm für straffällige Jugendliche, das den jungen Menschen die Wahl zwischen Knast und Wanderung auf dem Jakobsweg lässt. Von diesem Programm und von echten Menschen ist Die Camino-Therapie inspiriert. Das Drehbuch basiert auf dem Buch von Bernard Ollivier „Marche et invente ta vie“ (Geh und erfinde dein Leben neu). In diesem Buch schildert er seine Erfahrungen mit straffälligen Jugendlichen, die er während der Arbeit in seinem Verein Seuil gesammelt hat. Der Film erzählt die Geschichte eines vorbestraften jungen Mannes (Julien Le Berre), der alles dafür tut, um die Aufmerksamkeit seiner Mutter zu bekommen. Er wird allerdings von ihr abgewiesen und von allen missverstanden. Dennoch erhält er im Leben eine zweite Chance und macht sich mit der ehemaligen Lehrerin Fred (Alexandra Lamy, Brice de Nice)  auf den Jakobsweg. Auch die Lehrerin steckt gerade in einer Lebenskrise und ist gezwungen, noch einmal von vorne anzufangen.

Die Camino-Therapie macht deutlich, dass man in jedem Alter von einer Lebenskrise ereilt werden kann und dass es sich lohnt, manchmal den Blick auf die eigenen Probleme zu erweitern. Das bedeutet nicht, dass die eigenen Probleme unbedeutend sind, sondern dass alle Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal vor Einzelteilen von etwas stehen, was einmal ihr Leben war. Die Frage ist nur, wie sie damit umgehen. Adam entscheidet sich zunächst für Gewalt und der Film führt eindrucksvoll vor Augen, warum Gewalt nicht auf Dauer die Lösung sein kann. Auch wenn diese Methode vorübergehend funktioniert, macht sie letztendlich nicht glücklich und führt eher zu Verzweiflung. Das zeigt Die Camino- Therapie in aller Deutlichkeit und mit vielen Facetten des Menschseins. Die Gewalt ist die Sackgasse, aus der man sich nur befreien kann, wenn man sich endlich selbst findet. Und wie findet man sich am besten selbst? Indem man auf den Jakobsweg wandert und sein Handy ausstellt. Die Zerstreuung ist der Feind der Selbstfindung und die Selbstfindung ist für die Heilung nun mal unerlässlich.

An diesem Heilungsprozess darf man teilhaben und das Besondere daran ist, dass hier kein Märchen inszeniert wird, bei dem es nur darum geht, die Figuren kurz vorzustellen und sie schnellstmöglich zur Erleuchtung zu bringen. Es geht hier um einen langen Prozess, der nicht geradlinig zum Ziel führt, sondern eine echte Entwicklung der Figuren zeichnet. Diese Entwicklung braucht nicht nur Zeit, sondern ist auch noch von vielen Rückschritten geprägt. Anders als in so vielen Feel-Good-Movies freunden sich die beiden Hauptfiguren nämlich nicht sofort an, sobald sie die Wanderung starten, und sind nicht augenblicklich ein Herz und eine Seele. Man spürt die gegenseitige Ablehnung, die Fokussierung auf die eigenen Probleme und die Emotionalität, mit der die Geschichte erzählt wird. Die Darsteller harmonieren dabei perfekt miteinander und bringen ihre Zerstrittenheit und die scheinbare Ausweglosigkeit der Situation gut zum Ausdruck. Dabei werden sie nicht nur großartig vom Regisseur Yann Sammuell (My Sassy Girl) in Szene gesetzt, sondern auch das authentische Drehbuch hilft ihnen dabei die Wahrhaftigkeit ihrer Figuren herauszuarbeiten und darzustellen. Die Atmosphäre ist stimmig und die Wanderung entlang des Jakobswegs macht es sowohl den Darstellern als auch den Zuschauern leicht, sich auf die Geschichte einzulassen.

Fazit

Eine authentische Geschichte, die von wahren Ereignissen um straffällige Jugendliche in Frankreich inspiriert wurde. Den Ausweg aus einer scheinbar ausweglosen Situation findet man nur, wenn man sich auf den Weg macht. „Die Camino-Therapie“ ist so einfach und doch so wirkungsvoll. Stark inszeniert, großartig gespielt und wunderbar erzählt.  

Kritik: Yuliya Mieland

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