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Südstaatendrama aus dem Jahr 1958. Regisseur Richards Brooks spinnt mit nur wenigen Schauspielern eine fesselnde Story um eine verlogene Familie. Der Film wurde mit sechs Oscar-Nominierungen ausgezeichnet.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Es gibt Tatsachen, denen man ins Gesicht schauen muss!“

Mit solchen direkten, ungefilterten und auf unweigerliche Konfrontationen herauslaufenden Klärungsgesprächen hatten es die Protagonisten in Die Katze auf dem heißen Blechdach bisher nicht so. Bald könnte man sagen traditionell oder anerzogen. Mit Vorwürfen, latenten Aggressionen und offen zelebrierten Ablehnungen wurde nicht gegeizt, aber mal Tacheles zu reden anstatt sich nur gegenseitig abfällig zu verspotten, emotional zu ignorieren oder provokant zu piesacken, dafür waren sie alle bisher zu feige oder mit zu wenigen Erfolgsaussichten gesegnet. Denn in der Familie  - dem nach außen stolzen Südstaaten-Clans – der Pollitts, Großgrundbesitzer einer Baumwollplantage und patriarchisch beherrscht vom jedwede Befehlsgewalt für sich beanspruchenden „Big Daddy“ (Burl Ives, bereits im Bühnenstück diese Rolle bekleidend, eigentlich viel zu jung dafür, was optisch erschreckend unauffällig ist) wird vieles schmutzig unter den Teppich gekehrt, obwohl die Konflikte so brach liegen wie offene, noch blutende Wunde, die einfach nicht versorgt werden. Trotzdem sich andauernd darüber beklagt wird,  dass sie bluten und schmerzen. Erst die Nachricht des baldigen Ablebens von Big Daddy und der daraus entfachte Kampf um das üppige Erbe rufen einen längst überfälligen Reinigungsprozess hervor, für den es eigentlich schon viel zu spät scheint.

Nach dem gleichnamigen, 1955 uraufgeführten Theaterstücks von (dem neben Endstation Sehnsucht auch hierfür mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten) Tennessee Williams bindet sich Regisseur und Co-adaptierender Autor Richard Brooks (Kaltblütig) eng an eben diesen Selbstläufer, war aber durch den berühmt-berüchtigten Hays Code gezwungen, den (trotzdem noch) stark vorhandenen, für die Handlung alles andere als unwichtigen (letztlich sogar wesentlich verständlicheren) homosexuellen Teilaspekt zu streichen bzw. nicht konkret als solchen zu thematisieren. Was etwas merkwürdig erscheint, da nur so die intensive, traumatische und für diverse Ereignisse und Details eigentlich unabdingbare Ereigniskette wirklich Sinn macht. Vor allem, da der Verdacht sowieso im Raum schwebt und im Kontext von Zeit- und Handlungsspielraum noch wesentlich impulsiver, pikanter mitwirken würde. Schade, die biederen Hollywood-50er halt, unabhängig davon gelingt mit der ersten filmischen Adaption von Die Katze auf dem heißen Blechdach ein intensives, stark (vorher) geschriebenes und hingebungsvoll gespieltes Familienportrait, das sich lediglich zu sehr auf den Lorbeeren der Vorgabe ausruht und sich in jedem Moment mehr anfühlt als klares, abgefilmtes Theater denn als eine zwischen den Medien wirklich transferierte Geschichte, womit auch die daraus resultierenden Möglichkeiten tendenziell links liegen gelassen werden.

Für 6 Oscars nominiert, aber in der Ausbeute eine reine Nullnummer kann der Film als ein großer Verlierer seines Jahrganges betrachtet werden, erntete aber trotzdem überwiegend gute bis herausragende Kritiken. Weitestgehend zurecht, denn die brachiale Sezierung eines nach außen stolzen, aber durch hässliche Tradition und lieblose Verwaltung von Haus, Hof und Emotion sich entfremdender Familienclans birgt wahnsinnige viel Sprengstoff und besonders eine Bühne für darstellerische Profilierung, von der alle hier Beteiligten nur zu gerne Gebrauch machen. Massiv gebaut auf die Leistung seiner Darsteller liefern besonders Paul Newman (Haie der Großstadt) und Elizabeth Taylor (Giganten) wahre Sternstunden ihres Könnens ab, wohl auch bewusst, wie sehr dieses Theater-fokussierte Stück es so auch von ihnen abverlangt. Die Dialoge sind bedeutungsschwer, wuchtig, prägnant und analytisch-aussagekräftig, aber in der geballten Schlagzahl auch ein Stückweit eben sehr theatralisch-gestelzt; in dieser kompakter Intensivität fast schon zu realitätsfremd. So durchkomponiert ist hier jeder Satz, zu anklagend die gesammelten Vorwürfe, was besonders bedauerlich macht, dass dem homosexuelle Kontext nicht die effektive Relevanz gegönnt wird, der richtig ausformuliert das Zünglein an der Waage sein würde. Vom generell spießig-geprägtem Selbstverständnis mal abgesehen, das ist wirklich zeitbedingt (Frau < Mann, weil…is halt so)

Fazit

Auch wenn „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ sich in der filmischen Adaption zu wenig Eigeninitiative und Bearbeitung (zu)traut, die allgemein mitreißende Geschichte über einen familieninternen, lange schwelenden und nun sehr konkreten, moralischen Kannibalismus und eine im Umkehrschluss wirklich heilende Selbstschlachtung verfehlt ihre Wirkung nicht, besonders weil so herausragend besetzt und gespielt. Eine dankbare Rollenauswahl, die aber auch dementsprechende Leistungen einfordert. So erfüllt gebührt dem die höchste Form der Anerkennung.

Autor: Jacko Kunze

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