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Inhalt

Michel Delasalle, Lehrer an einer Privatschule, ist ein ekelhaft sadistischer Typ. Er quält seine herzkranke Ehefrau Christine und tyrannisiert Nicole, gleichfalls Lehrerin und seine Geliebte. Les Diaboliques ist ein Horror-Mysterythriller vom französischen Regisseur Henri-Georges Clouzot über eine Dreiecksbeziehung, die in einem Mord endet.
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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Das Glück war Henri-Georges Clouzot (Der Rabe) nicht wirklich treu. Diverse Schicksalsschläge und unglückliche, berufliche Begleitumstände minderten eine tendenziell brillante Karriere erheblich, wobei er trotz alledem und einem nicht so umfangreichen Output immer noch als einer der unverzichtbaren Filmemacher dieser Tage bezeichnet werden sollte. Gerade zu jenem Zeitpunkt. Mit dem Vorgänger Lohn der Angst erschuf er – trotz seines fabelhaften Remakes – ein Monument für die Ewigkeit und das in dem Kontext meist undankbare Folgewerk wurde ausgerechnet einer der wichtigsten Stützpfeiler für die Evolution des Genre-Kinos. Die Schlangen vor den Kinovorführungen von Die Teuflischen (somit eventuell der wirklich erste Blockbuster seiner Zunft?) animierten Gimmick-Guru William Castle(Schrei, wenn der Tingler kommt) zu seiner ungestümen B-Movie-Guerilla-Offensive und noch viel bedeutsamer, den bis dahin schon als Master of Suspense auserkorenen Alfred Hitchcock zu seinem Magnum Opus Psycho, der sich in vielerlei Hinsicht unmissverständlich vor diesem Film verneigt. Ihn nur perfektioniert, wobei das schon eine Hürde ist.

Der despotische, widerliche Internatsdirektor Michel (Paul Meurisse, Die Wahrheit) führt nicht nur seine Knabenschule mit eiserner, verachtenswerter Faust auf Kosten aller seiner Untergebenen, im Privatleben ist er sogar noch unausstehlicher. Es geht so weit, dass er ohne jegliche Scham eine Doppelbeziehung zu seiner gutherzigen und dadurch lange blauäugig verblendeten Ehefrau Christina (Véra Clouzot, Spione am Werk) wie zu der Lehrerin Nicole (Simone Signoret, Armee im Schatten) führt. Trotz offen gelebter Co-Existenz an seiner Seite sind sich die Damen nicht etwa spinnefeind, sie stehen sich erstaunlich nahe. Als Leidensgenossenen. Sie befinden sich nicht in echter Konkurrenz um Liebe oder Zuneigung, denn davon versteht der Tyrann Michel nicht viel. Sie sind in ein befremdliches Abhängigkeitsverhältnis zu ihm gerutscht und verbünden sich letztlich, um dem Spuk ein für alle Mal ein Ende zu bereiten. Sie planen den vermeidlich perfekten Mord. Jedes Detail wurde bedacht, die moralischen Bedenken bestehen nur auf Seiten von Christina, während Nicole die Sache mit eiskalter Präzision vorantreibt. Ein Mord ohne Spuren ist schon schwer genug, aber die Nachbeben erfordern Nerven wie Drahtseile. Besonders, wenn plötzlich alles völlig aus dem Ruder läuft und einem der Verstand mehr als nur morbide Streiche zu spielen scheint…

Die Teuflischen ist wahrlich ein revolutionärer Thriller, da er sich während seiner knapp zwei Stunden mehrfach scheinbar neu erfindet und inhaltliche Spannungs-Schwerpunkte komplett um verlagert, wobei er natürlich damit einem am Ende schlüssigen Konzept folgt. Die Erzählweise ist aber nahezu spektakulär, ohne dass sich dies im eigentlichen Sinne so vorher andeutet. Dahingehend ist die Psycho-Parallele nicht von der Hand zu weisen und genau das der Punkt, den Hitchcock wohl so faszinierend an dem Film fand. Clouzot verbindet verschiedene, bis dato eigentlich strikt voneinander getrennte Elemente des Genre-Kinos zu einem so kaum vorgetragenen Hybrid. Zwischen schon fast klassischem Film Noir, modernem Psychothriller und Anleihen zum surrealen Grusel- und Horrorfilm werden klare Grenzen nicht nur ausgeweitet, sie werden geschickt und bewusst ausgelöscht. Eine Symbiose erschaffen, die bis heute Bestand hat und längst schleichend zum Standard geworden ist. Wenn Die Teuflischen nur ein klitzekleines Problem hat, dann das er so entscheidend die Zukunft beeinflusst hat, dass er durch heutige Sehgewohnheiten nicht mehr so verblüffend ist. Nicht umsonst wird sich am Ende mit der ausdrücklichen Bitte an das Publikum gewannt, niemandem etwas über das Gesehene zu berichten. Direkte Spoiler-Warnungen im Kino…was für eine unschuldige Zeit.

Fazit

Eine Sternstunde des modernen Thriller-Kinos: Für seine Zeit ist „Die Teuflischen“ unfassbar detailliert und nuanciert ausgeklügelt, taxiert sich in einem durchdachten Rhythmus immer wieder neu und beeinflusste nebenbei selbst den unangefochtenen Suspense-König Hitchcock so massiv, das er daraufhin seinen besten Film erschuf. Auch wenn er für heutige Sehgewohnheiten ab und an etwas zu freizügig mit der Tür ins Haus fällt (damals waren das subversive Hinweise, heute klingeln halt schnell die Alarmglocken) und manches nicht jeder investigativen Prüfung standhalten kann, neben dem durchdachten Aufbau und seiner progressiven Art der Narration ist allein das Handwerkliche nach wie vor sensationell: Das Finale ist nicht umsonst legendär.

Autor: Jacko Kunze

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