MB-Kritik

Family Movie 2026

Kevin Bacon
Kyra Sedgwick
Sosie Bacon
Travis Bacon
Liza Koshy
Jackie Earle Haley
Scoot McNairy
Andrea Savage
Austin Amelio
John Carroll Lynch
Nathaniel Woolsey

Inhalt

Jede Familie hat ihre Traditionen, manche sogar einen gemeinsamen Beruf. Bei Familie Smith ist es das Drehen von B- und C-Horrorfilmen. Sie mögen nicht zu den erfolgreichsten Filmen zählen, aber für die Eltern Jack und Ellen ist der Filmdreh die einzige Gelegenheit für die ganze Familie, zusammenzukommen. Als jedoch am Set ihres neuesten Filmprojekts eine echte Leiche auftaucht, greift der Horror auf die Realität über.

Kritik

Families that slay together, stay together, besagt ein passend trashiger Spruch, den Kevin Bacon (The Bondsman) praktisch zur narrativen Grundlage seiner schrägen Kombination aus Splatter, Slasher und Familienkomödie macht. Mit Selbstironie zum Ausbalancieren der obligatorischen Selbstdarstellung auf jeder Ebene und einer gerade tolerierbaren Dosis Nepo Baby Narzissmus ist das so betitelte Kyra & Kev Movie Hollywoods Hochglanz-Homevideo-Antwort auf Serial Mom. Die dritte Spielfilm-Regiearbeit des zusätzlich als Hauptdarsteller und Produzenten agierenden Nebendarstellers vonThe Demon Murder Case funktioniert am besten als überdrehte Liebeserklärung an seine Familie. 

Selbige steht wie es der Titel verlangt mit vor der Kamera des (Pseudo-)Low-Budget Horrorfilms über den Dreh eines als Familienprojekt umgesetzten Low-Budget Horrorfilms. Letzter trägt den Titel „Blood Moon“ ist der finale Film von Horror-Regisseur Jack Smith (Bacon), der für seine von Verleihen und Festivals übergangenen Ultra-Low-Budget Werke gewohnheitsmäßig Ehefrau Ellen (Kyra Sedgewick, Carolina Caroline) sowie die Kids Ula (Sosie Bacon, Cold Storage) und Trent (Travis Bacon) an Bord holt. Doch während das den Film-im-Film betitelnde Naturereignis näher rückt, häufen sich fatale Zwischenfälle, figürlich und buchstäblich. 

Ein Übergriff des angemessen widerlichen Nachbarn (John Carroll Lynch, Sorry, Baby) weckt Ellens Serienkiller-Seite, die sich in der Vergangenheit schon geäußert hat. Diese probate Problemlösung durch Niedermetzeln ätzender Gestalten wie Ellens ehemaliger Managerin und des gemeinen Nachbarsohns liegt offenbar in der Familie. Ihre Sippe akzeptiert pragmatisch Mamas mörderische Tendenz, die Gemeinschaft vertuscht werden müssen, um im Drehplan Papas letzten Films zu bleiben. Das Ende ist bis ins Detail der finalen Pointe vorhersehbar und die meisten Gags, von der kollektiven Tanzeinlage bis zur spontanen Blutdusche, sind nicht neu. 

Der Charme der schlichten Story liegt in den Details: Jackie Earle Haleys (The Union) Cameo als Jacks wehleidiger Star-Darsteller, die kuriosen Titel Jacks Horror-Kanons („Going Postal“) und die glaubhafte Zuneigung der Bacon-Familie füreinander. Tatsächlich ist die elterliche Begeisterung fast schon zu viel, etwa wenn Travis seine Kampfsport-Künste, Musik und Muckis in wiederholt ausstellen darf. Es gibt mehr warmherzige Familienszenen als Splatter und Kills. Beide sind passable, aber karg für einen selbsterklärten Genre-Film. Der beweist einmal mehr, dass sich Midnight Movies nicht künstlich produzieren lassen - bei aller Liebe. 

Fazit

Obwohl Kevin Bacons Horror-Heimvideo optisch an eine angestaubte Sitcom erinnert, bleiben die finanziellen Möglichkeiten der Produktion stets spürbar. Dass superreiche Superstars das stets vom Bankrott bedrohte Leben verhöhnter Trash-Auteure verklären, ist als unbeabsichtigter Kommentar auf elitäre Realitätsfremdheit amüsanter als sämtliche Meta-Witze und Gags um blutrünstige Biederkeit. Sofies und Travis Ähnlichkeit mit ihren Eltern ist bemerkenswerter als das halbherzige Schauspiel, das wirkt, als sei die Verwandtschaft des Regisseurs auch im wahren Leben nur aus Familiensinn dabei. Aber kann man ihnen wirklich böse sein? Nein. Oder fast nicht. 

Autor: Lida Bach
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