Inhalt
Sam wird arbeitslos, hat Panikattacken und bald unverhofft einen neuen Job als Babysitter für die Enkelinnen seines Psychiaters. Zu Dianne, Mutter der Mädchen und Schauspielerin im Karriereloch, entwickelt er eine starke Zuneigung.
Kritik
Gesehen beim 32. Jüdischen Filmfestival Berlin Brandenburg
Mental Health spielt heutzutage in immer mehr Filmen eine Rolle und insbesondere der Umgang der Männer mit psychischen Problemen ist kein Tabuthema mehr. Im Laufe der Zeit hat man doch tatsächlich festgestellt, dass auch Männer psychische Probleme haben können und man nicht alle Vertreter des männlichen Geschlechts über einen Kamm scheren kann. Während man früher nur die starken, doch eher gefühllosen Helden verehrte, sind die männlichen Figuren momentan viel komplexer. Sie zeigen Gefühle, sie suchen sich die Hilfe eines Psychiaters, sie haben keine Angst davor, als schwach abgestempelt zu werden. So wie Sam (Matthew Shear, Love Life), der sehr offen mit seinen Panikattacken umgeht und regelmäßig Medikamente einnehmen muss. Auch wenn es sich um ein ernstes Thema handelt, wird diese Thematik nicht todernst dargestellt, sondern humorvoll aufgearbeitet. In gewisser Weise klingt es ja auch witzig, wenn ein Jude sich für einen Antisemiten hält, weil in seinen Gedanken immer wieder Schimpfwörter für Juden aufflackern und er nichts dagegen tun kann.
Sams Zustand scheint sich rapide zu bessern, als er einen Babysitterjob annimmt und der Dame des Hauses näherkommt. Seine schüchterne Art kommt bei der arbeitslosen, aber dennoch vermögenden Schauspielerin (Amanda Peet, Trust Me) gut an. Diese Schauspielerin hat selbst psychische Probleme und dabei kann ihr geerbtes Vermögen ihr auch nicht helfen. Fantasy Life führt vor Augen, was viele in der heutigen Gesellschaft vergessen: Auch reiche und offensichtlich privilegierte Menschen können psychisch krank sein. Es wird sehr schnell mit solchen Argumenten geworfen wie: „Hab dich doch nicht so. Gerade du solltest dich nicht beschweren, denn du kannst dir ja eh alles kaufen!“ Nur Gesundheit und Glück kann man sich bekanntlich nicht kaufen, sonst wären die Superreichen alle glücklich und kerngesund. Insoweit zeigt Fantasy Life, dass man die Menschen nicht zu schnell vorverurteilen und ihre Probleme oder Krankheiten nicht kleinreden sollte.
Fantasy Life geht äußerst sensibel mit der Thematik Mental Health um und hat mit den beiden Hauptdarstellern definitiv die richtige Wahl getroffen. Matthew Shear, der Sam verkörpert, schafft es mit Bravour, einen schüchternen, liebevollen und unbeholfenen Mann zu spielen, während, Amanda Peet ihre Rolle als depressive Schauspielerin ebenfalls fabelhaft meistert. Man fragt sich nur unwillkürlich, warum der Film eigentlich „Fantasy Life“ heißt. Ein Grund hierfür könnte natürlich sein, dass die beiden Hauptfiguren Angst haben, sich dem echten Leben zu stellen, und ihr Leben weitestgehend abgeschottet von der Außenwelt führen. Sie befinden sich dauerhaft in dieser geschützten Blase, in der sie sich "nur" um die Kinder kümmern und sich offensichtlich keinen weiteren Herausforderungen stellen wollen. Sam hat sein Studium abgebrochen und arbeitet als Nanny und Dianne hat vor mehr als zehn Jahren das letzte Mal geschauspielert. Irgendwie versuchen die beiden trotzdem, auf ihre spezielle Art glücklich zu sein. Wenn da nur nicht der Ehemann von Dianne dazwischenfunken würde. Fantasy Life hat einige kuriose und lustige Momente, weil in jeder Tragik auch viel Potenzial für eine Komödie steckt, und der Film schöpft dieses Potenzial vollends aus.
Fazit
„Fantasy Life“ macht auf die ernste Thematik von Mental Health aufmerksam, ohne den Film mit zu viel Tragik zu überfrachten. In humorvoller Art plädiert der Film für mehr Verständnis für psychische Erkrankungen und entwickelt sich insgesamt zu einem hoffnungsvollen Feel-Good-Movie.
Autor: Yuliya Mieland