Schon der Prolog macht mit Fake-Adds und diversen Warnhinweisen unmissverständlich klar, wohin die Reise geht: Fuck My Son möchte seinem Publikum möglichst schnell den Magen umdrehen und dabei gleich noch dessen persönliche Schmerzgrenze ausloten. Kinder, Frauen und Menschen mit Behinderungen werden mitunter brutal und sexualisiert drangsaliert, während praktisch jede denkbare Körperflüssigkeit irgendwann ihren großen Auftritt bekommt. Dazu gesellen sich Splatter, Ungeziefer aus der Kloake und Tagträume mit Metzgereimaskottchen. Ein Fest des schlechten Geschmacks also – zumindest auf dem Papier.
Denn Fuck My Son besitzt durchaus alles, was es für ein herrlich rigoroses Cancel-Fest bräuchte. Das Problem: Der Film weiß das selbst ganz genau. Jede Grenzüberschreitung wirkt weniger wie ein Ausdruck anarchischer Lust am Tabubruch als wie ein kalkulierter Blick in die Kamera: Seht her, wie weit wir gehen! Besonders unerquicklich ist dabei, wie sehr sich das Werk an seiner eigenen vermeintlichen Kühnheit berauscht. Provokation wird nicht zum Mittel, sondern zum eigentlichen Selbstzweck.
So viel Ekel, so wenig Biss
Dabei muss man dem Film zugutehalten, dass der Aufwand hinter seinen widerlichen Masken durchaus beeindruckt (zumindest im Kontext zum wahrscheinlich sehr, sehr geringen Budget). Meterlange Penisse mit Warzen und Eiterpickeln, endlose Schnodderfäden, groteske Körperformen, dazu Furzen, Rülpsen und literweise Erbrochenes: Wer sich nach einer möglichst umfassenden Parade des menschlichen Ekels sehnt, bekommt hier tatsächlich das volle Programm. Die Maskenbildner*innen haben sichtbar Arbeit investiert, und gerade Fabian ist eine herrlich abstoßende Mischung aus Fleischberg, Schweinenase und riesigem Gemächt.
Nur nutzt sich selbst die aufwendigste Travestie irgendwann ab. Was anfangs noch mit einem gewissen staunenden Unglauben quittiert wird, entwickelt sich zunehmend zur Routine. Noch ein Penis. Noch mehr Schleim. Noch ein Körper, der irgendwo herausquillt. Noch ein Schwall Erbrochenes. Fuck My Son steigert seine Zutaten zwar unermüdlich, aber nicht unbedingt deren Wirkung. Der Film möchte offenbar Pink Flamingos sein, ist dafür allerdings zu sehr damit beschäftigt, sich selbst beim Tabubruch zuzusehen.
Immerhin hält Tipper Newton (Southbound) als Vermina das groteske Treiben erstaunlich souverän zusammen. Sie verbringt einen Großteil der Laufzeit damit, gegen einen Mann im Oma-Kostüm (Robert Longstreet, Der Untergang des Hauses Usher) und einen grünen Fleischberg (Steve Little, Wrong) anzuspielen, der aussieht, als hätte jemand einen Schweinekopf auf eine besonders schlechte Idee gesetzt. Newton macht daraus mehr, als das Material eigentlich hergibt. Vieles andere bleibt dagegen bloße Zurschaustellung.
Kalkulation schlägt Schockfaktor
Fuck My Son als widerwärtiges Stück Kino zu bezeichnen, würde den Macher*innen vermutlich große Freude bereiten. Genau deshalb trifft diese Beschreibung den Film auch nicht wirklich. Denn das eigentlich Störende ist nicht, wie geschmacklos er sein kann, sondern wie offensichtlich er seine eigene Geschmacklosigkeit als Attraktion verkauft. Dahinter steckt weniger anarchischer Wahnsinn als eine sehr bewusste Kalkulation.
Ironischerweise sorgt ausgerechnet die Ästhetik für einige der ernüchterndsten Momente. Immer wieder greift der Film auf KI-generierte Designs und Grafiken zurück, die sich stilistisch nur widerwillig in das ohnehin schon zerfledderte Gesamtbild einfügen. Wobei Fuck My Son auch ohne diese Fremdkörper aussieht wie ein Spuckbecher nach der Weinverkostung von billigem Tetra-Pak-Sangria: klebrig, überladen und irgendwann vor allem müde machend.
Wer groteske Masken, hemmungslosen Ekel und eine möglichst niedrige Hemmschwelle sucht, dürfte hier zumindest auf seine Kosten kommen. Doch zwischen echter Grenzüberschreitung und dem bloßen Herumwedeln mit möglichst schmutzigen Bildern liegt ein Unterschied. Fuck My Son kennt diesen Unterschied, interessiert sich aber nur selten dafür. Übrig bleibt ein erstaunlich aufwendiges Ekel-Spektakel, das sich selbst für viel skandalöser hält, als es tatsächlich ist.