Haru und Luis lieben den Wettbewerb in Tokios Gesellschaftstänzen, doch nach einem tragischen Ereignis zieht sich Haru völlig zurück. Als Freunde sie überreden, ins Tanzstudio zurückzukehren, verliebt sie sich Hals über Kopf in den neuen Tanzlehrer.
Kritik
Lose inspiriert von der Geschichte seiner eigenen Mutter fabuliert Josef Kubota Wladyka (Catch the Fair One) ein dramaturgisches Duett aus Musical und Memoire, dessen magischer Realismus die derivativen Genre-Elemente nicht zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen kann. Tanz ihm, Fantasy, Trauerdrama und Komödie drängeln sich auf der narrativen Bühne, auf der einzig Rinko Kikuchi (Kureiji Kuruzu) sowohl tänzerisch als auch darstellerisch beeindrucken kann. Als glücklich liierte Standardtänzerin Haru schwebt sie buchstäblich mit ihrem Tanz- und Ehepartner Luis (Alejandro Edda, Play Dirty) über das Parkett.
Sein plötzlicher Tod wirft sie emotional und tänzerisch aus dem Takt. Vormals extrovertiert und lebenslustig, zieht sie sich in ihre Wohnung und eine Phantasiewelt zurück. Referenzen an kitschige Klassiker des modernen Tanzfilms wie Dirty Dancing und Strictly Ballroom übersetzen ihre Verdrängung der Trauer in popkulturelle Plattitüden, die jede emotionale Resonanz ersticken. Wenn Luis nicht gerade als Geist in Harus Wohnung rumhängt und sich mit ihrem neuen Love Interest Fedir (Alberto Guerra) unterhält, erscheint er ihr als riesiger Plüschvogel.
Die phantastischen Facetten entwickeln einen infantilen Aberwitz in tonalem Widerspruch zur affektiven Melodramatik der Trauererfahrung. Ähnlich unfreiwillig albern wirken auch die Choreographien, die visuellen Überschwang und Glamour ausstrahlen sollen, aber weder technisch noch konzeptionell überzeugen. Unfähig, sich auf das sichtlich begrenzte Budget einzustellen, stolpert die unausgegorene Inszenierung ständig über die praktischen Mankos. Künstliche Sets, Massenszenen mit einer Handvoll Statisten und eine Maske wie für eine 40+ Faschings-Party geben dem seichten Szenario eine fade Künstlichkeit, die nicht mit Kunst zu tun hat.
Fazit
Tagträume, Hollywood-Tropen und Tanzeinlagen wirft Josef Kubota Wladykas semi-biographisches Tanz-Theater planlos zusammen. Die platte Message banalisiert den von Rinko Kikuchi einfühlsam dargestellte Trauerprozess zu einer pathetischen Phase. Sie solle einfach Spaß haben und den Verlust hinter sich lassen, rät eine Freundin. Daniel Satinoffs Kamera versucht vergeblich, der zähen Handlung mit leuchtenden Farben und kinetischen Bewegungen Schwung zu verleihen. Immerhin ein originelles Element ist Luis und Harus multilingualer Dialog als Zeichen emotionaler Nähe. Der Rest bleibt seichte Selbstverklärung voll dramaturgischer Dissonanzen.
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