In letzter Zeit wird man aus Regisseur und Drehbuchautor Luc Besson ja nicht so recht schlau. Er schreibt ein großartiges Drehbuch zu „Taken“, nur um danach Skripts für zwei weitere Teile abzuliefern, die jeglicher Daseinsberechtigung spotten. Dann dreht er plötzlich mit „Arthur und die Minimoys“ einen Animationsfilm, den wohl Niemand von ihm sehen wollte und der es dennoch auf 3 Teile gebracht hat und wenn er dann mal nach einer kretiven Pause ins Kino zurück kehrt, dann mit einem Rohrkrepierer wie „Lucy“. Traurig aber wahr, die besten Tage von ihm scheinen in der Vergangenheit zu liegen, denn bei dem ganzen mittelmäßigem Müll der letzten Jahre darf man nicht vergessen, dass Besson ebenfalls für Filme wie „Léon – der Profi“, „Das fünfte Element“ und eben auf „Nikita“ verantwortlich ist.
Gerade bei jenen frühen Werken, zu denen „Nikita“ aus dem Jahre 1990 ebenfalls zählt, erkennt man diesen faszinierenden Stil Bessons, der es schafft die perfekte Balance zwischen Handlung, Charakterentwicklung und Action Sequenzen zu erzeugen, sodass man als Zuschauer stets mit den Figuren und deren Schicksal mitfiebert, zeitgleich aber auch nicht zu lange auf dem trockenen sitzt, was das Tempo angeht. Verbrechen, Training, Resozialisierung, Auftragsmord, Ausstieg, Showdown, was heutzutage sicherlich mehrere Teile umspannen würde erzählt „Nikita“ in nur 120 Minuten, denn der Film verschwendet keine einzige Minute. In jeder Szene erfährt man etwas über die Figuren, erkennt Fortschritte in der Handlung, oder wird in die passende Stimmung, für die darauffolgende Szene gebracht.
Dank diesem strikten Pacing vergeht die Zeit eigentlich wie im Fluge, sodass Langeweile hier garnicht erst aufkommen kann. Wer die moderneren Werke Bessons kennt, der wird diesen Stil etwa in „Taken“ wiedererkennen.
Damit ein Film wie „Nikita“ funktioniert brauchte es natürlich eine gute Schauspielerin, die jene toughte Frauenfigur adäquat auf der Leinwand verkörpert. Mit der damals 30 jährigen Anne Parillaud gelang dem Regisseur definitiv ein Glücksgriff, denn die in Paris geborene Schauspielerin überzeugt auf ganzer Linie, egal ob ihre Rolle nun knallhart Leute über den Haufen schießen muss, oder sich vor Angst in eine Ecke kauert, ihre Gefühlslage wirkt stets glaubwürdig.
Ein großes Lob muss man darüber hinaus auch den Kostümschneidern und dem Make Up Stylisten machen, denn die Verwandlung, die Nikita im laufe ihres Trainings optisch hinlegt, ist geradezu umwerfend. Vergleicht man das Design der Figur vorher und nachher, so scheinen einem zwei völlig unterschiedliche Personen anzublicken.
Verhältnismäßig blass wirken neben ihr hingegen einige Nebenfiguren, wie etwa Jean Reno, der ihr als Auftragsmörder wieder willen im finalen Akt zur Seite steht, oder Marc Duret, der ihren sympathischen, doch etwas treu doofen Freund mimt.
Nichtsdestotrotz ist „Nikita“ solider Action Thriller, der zwar nicht an Meilensteine des Genres heranreicht, sich jedoch keineswegs vor moderner Konkurrenz verstecken muss.