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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Gabrielle, eine fünfzigjährige Chirurgin, hinterfragt sich selbst in Bezug auf Liebe, Begehren und das Altern – und das alles vor dem Hintergrund einer Krankenhauskrise –, als eine Romanautorin eintrifft, um ihr bei der Arbeit für ein Buch zuzusehen, das sie gerade schreibt.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Mit ihrem Spielfilm-Debüt Anaïs in Love bewies sich Charline Bourgeois-Tacquet als kongeniale Chronistin bieder-bürgerlicher Banalität im kinematischen Konsumformat. Ihr Gespür für spießig-stumpfsinnige Sommerunterhaltung belohnt ein Platz im Wettbewerb von Cannes, wo die französische Regisseurin in ihrem zweiten Leinwandwerk erneut ein fabuliertes Frauenbild präsentiert. Dessen pauschaler Titel suggeriert eine gewisse Allgemeingültigkeit, von der die hyperkonstruierte Handlung kaum weiter entfernt sein könnte. Die Diskrepanz zur Realität manifestiert sich in blasierter Belustigung über die Krise des französischen Gesundheitswesens, berufliche Benachteiligung und familiäre Belastungen. 

All dies muss die mit Mitte Fünfzig dem Ende ihrer Medizinkarriere zusteuernde Gabrielle (Lea Drucker, Blaise) gleichzeitig konfrontieren, doch ihre privilegierte Position und materielle Sicherheit bewahren die erfolgreiche plastische Chirurgin sie vor jeder Unannehmlichkeit. So hat sie Muße für eine als eheliche Abwechslung inszenierte Affäre mit der jüngeren Schriftstellerin Frida (Mélanie ThierryThe Diary of a Chambermaid). Sie schaut bei der Recherche für ihr nächstes Werk im OP beim Operieren zu. Das Szenario klingt nach Satire der Kommerzialisierung des Gesundheitssektors, doch die Inszenierung strebt mehr nach Systembestätigung denn Systemkritik. 

Die Beziehung zu Frida bietet Gabrielle eine willkommene Ablenkung von ihrem Beruf, für den sie auf eine eigene Familie - aus Bourgeois-Tacquet patriarchalischer Perspektive - „verzichtet“ hat, und der Mitverantwortung für ihre an Demenz erkrankte Mutter. Deren geistigen Abbau imaginiert die abgeschmackte Story als herzerwärmende Kindlichkeit. Nach gleichem Muster wird Personalmangel und Mittelkürzung zum Gag, wenn das Medizinpersonal bei einem Standortwechsel Umzugskisten selbst transportieren muss. Ein bisschen Herzschmerz und gekränkte Eitelkeit sind die nichtigen Dramen in der adretten Existenz der arrivierten Akademikerin. 

Fazit

Queere Romanzen sind im bourgeoisen Unterhaltungskino augenscheinlich das neue In-Accessoire, das für straighte Filmschaffende einen Arthouse-Touch verkörpert. So auch in  Charline Bourgeois-Tacquets fader Leinwand-Soap, deren verklemmter Humor die zur Schau gestellte Toleranz demontiert. Drucker und Thierry spielen passabel, doch ohne jede romantische Chemie. Ähnlich steril wirken die hölzernen Dialoge voller plumper Exposition und dekorativen Katalog-Kulissen. Das beiläufig verkündete Statut, dass physische Anpassung an ein Massenideal das sei, was „uns zu Menschen macht“, enthüllen den normativistischen Geist der blassen Beziehungsdramödie ohne Witz und Dramatik. 

Kritik: Lida Bach

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