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Quelle: themoviedb.org

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Eine junge Rumänin, die in Frankreich lebt, arbeitet für eine französische Familie und schließt sich einer Theatergruppe an, die Octave Mirbeaus „Das Tagebuch einer Kammerzofe“ adaptiert.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Nach seiner hyperbolischen Historien-Orgie Dracula schlägt Radu Jude (L'Inconnue) mit seiner restaurativen Roman-Adaption eine deutlich gemessenere Gangart ein. Dieser kinematische Konformismus, den eine Premiere in Cannes’ renommiertester Parallel-Sektion Directors’ Fortnight belohnt, scheint nur passend zu Octave Mirbeaus verstaubter Vorlage. Jene wirkt wie ein Fin de siècle Faksimile der sexualisierten Sozial-Satire, mit der sich der rumänische Regisseur als feste Größe des akademistischen Arthouse-Kinos etabliert hat. Innerhalb des in die Gegenwart verlagerten Szenarios wird das literarische Original als Theater-Produktion aufgeführt. 

Diese formale Distanz zu der oberflächlich modernisierten Filmhandlung kaschiert kaum beider paternalistische Parallelen. Wie die französische Novelle, als deren Variation ein Vortext die Inszenierung beschreibt, illustriert die sketchartige Story nicht die Lebensrealität der weiblichen Arbeiterklasse, sondern deren intellektualistische Idee aus männlicher Sicht. Jene delegiert die passive Protagonistin zum tragischen Pendant Mirbeaus gerissener Antiheldin. Im Gegensatz zu dieser erträgt die rumänische Haushaltshilfe Gianina (Ana Dumitrascu) die Ausbeutung seitens des großbürgerlichen Ehepaares Pierre (Vincent Macaigne, Arco) und Marguerite (Mélanie ThierryZikaden). 

Deren Charakterisierung ist ironischerweise überzeugender als die der Titelfigur, die beide verwöhnten Sohn betreut, während ihre kleine Tochter in Rumänien bei der Großmutter lebt. Gianinas Video-Calls und Handy-Clips schaffen eine mediale Abwechslung weit entfernt von der exzessiven Experimentierfreude Judes letzter Werke. Deren spöttische Schärfe begleiten hier mitleidige Momente, die Gianinas Heimweh nach ihrer Familie betonen. Deren empathischer Gestus bedient die humanistische Selbstgenügsamkeit des Zielpublikums und erlaubt ihm die dialektische Distanzierung von dem System, dessen Teil sie sind. 

Fazit

Die komplexen Auswirkungen der ökonomischen Machtverhältnisse in Radu Judes jüngstem Werk bleiben ebenso unsichtbar wie deren politische Instrumentalisierung. Groteske Sexualisierung und sarkastische Schaulust werden hinter der Maske sozialkritischer Kunst zur prestigeträchtigen Unterhaltung der gleichen gesellschaftlichen Schicht, die von den ausbeuterischen Arbeitsstrukturen profitiert. Dieses paradoxe Profitprinzip untergräbt die gesellschaftskritischen Grundzüge ebenso wie die schrille Karikatur sexueller Übergriffe. Schauspielerisch solide, doch dramaturgisch unentschlossen, scheitert die bilaterale Inszenierung an der schlüssigen Vereinigung dokumentarischen Realismus und theatraler Abstraktion. 

Kritik: Lida Bach

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