MB-Kritik

Lady 2026

Drama

Jessica Gabriel's Ujah
Amanda Oruh
Tinuade Jemiseye
Binta Ayo Mogaji
Seun Kuti
Bucci Franklin

Inhalt

Eine entschlossene Taxifahrerin in Lagos knüpft eine unerwartete Verbindung zu einer Gruppe freigeistiger Frauen, die sie trotz der damit verbundenen Risiken in eine Welt der Freundschaft und Selbstfindung führt.

Kritik

Lagos, das bereits im letzten Jahr Schlüsselort Akinola Davies Jr.s eindringlichen Familiendramas My Father’s Shadow wurde und nun den suggestiven Schauplatz Olive Nwosus energetischen Debüt-Dramas liefert, gilt es im offenbar im Auge zu behalten. Die negerianische Metropole wird zur charismatischen Kulisse einer nächtlichen Detour, die Solidarität und Selbstbehauptung der gegensätzlichen Charaktere herausfordert. Auf dem rauen Pflaster der hektischen Hauptstadt verdienen sowohl Lady (kraftvoll verkörpert von Jessica Gabriel's Ujah) als auch ihre Kindheitsfreundin Pinky (Amanda Oruh) ihr Geld mit riskanten Jobs. Deren Gemeinsamkeiten und Gegensätze spiegeln die Persönlichkeiten der Titelheldin und ihrer Freundin.

Als einzige Taxifahrerin in einem gefährlichen Terrain, dominiert von Männern, die ihre Durchsetzungskraft unterschätzen, ist Lady ständig auf der Hut. So auch, als die mittlerweile als Sexworker arbeitende Pinky ihr einen verlockend lukrativen Auftrag anbietet. Als private Fahrerin soll sie Pinky und deren Kolleginnen zu ihren Einsätzen für Pimp Sugar (Tinuade Jemiseye) fahren. Das Honorar rückt Ladys Traum von einem Leben in Freetown, dessen Name ihre Sehnsucht nach Freiheit ausdrückt, in greifbare Nähe. Doch so einfach macht es der kantige Plot der jungen Protagonistin nicht. 

In ihrer zwischen Charakterporträt, Gesellschaftspanorama und urbaner Crime Saga schlingernden Story kokettiert Nwosu mit Genre-Tropen, nur um sie demonstrativ zu verwerfen. Alana Mejia Gonzalez angespannte Kamera fängt die neongetränkten Nächte der Millionenstadt in übersättigten, glänzenden Farben ein. Ästhetische Anleihen bei klassischen Kriminalepen zelebrieren den düsteren Sog einer Stadt, die wie ihre Bewohnerinnen stets rastlos scheint. Lagos‘ überwältigende Größe und ökonomische Bedrängnis des pulsierenden Settings spiegeln die inneren Konflikte der abgehärteten Titelfigur. Sie muss erst ihre Vergangenheit bewältigen, um ihre Zukunft zu finden.

Fazit

Vibrierende Atmosphäre, starke Darstellungen und geschliffene Ästhetik verleihen Olive Nwosus ungeschliffenes Crime-Drama eine magnetisierende Determination. Als eine gleichsam forsche und verletzte Figur personifiziert Lady die Dualität ihres Umfelds. Darin träumt jede*r - meist vergeblich - von einem besseren Leben. Augenblicke brüchiger Hoffnung zerschlägt eine unerbittliche Realität. Diese zu konfrontieren ist für die Filmfiguren ebenso herausfordernd wie für die Inszenierung. Über gelingt nur bedingt, den systemkritischen Subtext in das Narrativ zu integrieren. Genderspezifische Gewalt und materielle Machtgefälle bleiben Randnoten eines unvollkommenen, doch vielversprechenden Debüts.

Autor: Lida Bach
Diese Seite verwendet Cookies. Akzeptieren.