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Im Dezember 1787 sticht der Dreimaster „Bounty“ von Portsmouth aus in See Richtung Tahiti, um dort die für die Grundversorgung als enorm wichtig angesehene Brotfrucht erfolgreich zu importieren. Die Expedition wird unter der Ägide des konservativen Kapitäns Bligh zur wahren Tortur für die Mannschaft. Der erste Offizier Christian sieht sich das Geschehen lange an, geht zwar auf Konfrontationskurs, hält sich letztlich jedoch strikt an die Rangordnung. Bis ein Tropfen das Fass buchstäblich zum Überlaufen bringt.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Neben der „Titanic“ ist sie wohl das berühmteste Schiff, das jemals von England aus in See stach und  nicht wie geplant seinen Bestimmungsort erreichte: Die „Bounty“, die wie ihre spektakuläre Meuterei keiner Fiktion entsprungen ist. Die geschilderten Ereignisse zwischen 1787 und 1789 beruhen auf unter Eid getätigten Aussagen der Überlebenden, von denen einige später am Galgen hingerichtet wurden. Die Rahmenbedingungen sind belegt, über Detailfragen kann nach wie vor gestritten werden, da hier die Subjektivität nie gänzlich ausgeklammert werden kann. Ein zeitgeschichtlich so einzigartig und langwierig diskutierter Fall, dass er neben etlichen literarischen Auswertungen auch filmhistorisch mehrfach für Aufsehen sorgte. Zum ersten Mal 1935, als Meuterei auf der Bounty bei der darauffolgenden Oscar-Verleihung nicht nur als „Bester Film“ ausgezeichnet wurde, sondern aufgrund der Mehrfach-Nominierung von drei seiner männlichen Darsteller (Charles Laughton, Clark Gable, Franchot Tone) in der Folge erst zu der Trennung von Haupt- und Nebendarsteller-Kategorien sorgte.

1962 kam es zu einem der damals noch rar gesäten Remakes der Filmlandschaft, wenn sich die erneute Verfilmung von historischen Ereignissen denn als solches bezeichnen lässt. Eines, welches trotz des Erfolges der Erstverfilmung sogar Sinn macht. In den mehr als 25 Jahren dazwischen hatte sich das Kino einfach zu sehr weiterentwickelt und es wäre ja beinah als fahrlässig zu bezeichnen, einem so großen Stoff nicht mit einer zeitgemäßen Adaption auf eine neue Ebene zu hieven. Dem sich sehr bewusst wird hier nicht gekleckert, sondern geklotzt. Mit einem sagenhaften Aufwand wollte zunächst Carol Reed (Der dritte Mann) die Leinwand im Sturm erobern, musste sich jedoch früh der wahren Meuterei am Set entnervt geschlagen geben. Das hochbegabte, aber durch Allüren nahezu unerträgliche Enfant terrible Marlon Brando (Der Pate) trieb den Regisseur schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt in den Wahnsinn, so das der damals schon abgebrühte und durch wenig aus der Ruhe zu bringende Routinier Lewis Milestone (Im Westen nichts Neues) zu seiner letzten Kinoarbeit kam. Der ließ Brando einfach machen, erlaubte ihm jedwede Narrenfreiheit und profitierte dadurch sogar on Screen, wo der exzentrische Hauptdarsteller eine zwar unübersehbar selbstverliebte, dennoch beeindruckende Performance abliefert.

Hinter der Kulissen schepperte es trotzdem noch heftig und mehr als einmal hätte das bereits früh überteuerte Projekt noch Schiffbruch erleiden können. Eigentlich ein Wunder, das das dreistündige (in der Kinofassung sogar noch stark gekürzte) Epos überhaupt noch vollendet wurde, allerdings mit schwerwiegenden Konsequenzen. Der Film spielte gerade mal knapp die Hälfte seines für damalige Verhältnisse verrückten Budgets von gut 19 Millionen $ ein und drohte MGM damals fast zu ruinieren. Viel negatives Geschmäckle, was sich dem fertigen Film aber bemerkenswerterweise kaum anmerken lässt. Selbst dass unübersehbare Gegockel von Marlon Brando ist eigentlich für die Geschichte ideal. So tritt er bereits bei seiner ersten Szene wie der totale Gegensatz zu seiner späteren Nemesis Captain Bligh (Trevor Howard, Begegnungen) auf. Der alte, grantige und ultra-autoritäre Seebär trifft auf einen eloquenten, gebildeten, rhetorisch geschickten und sehr von sich überzeugten Pfau aus gutem Hause, der das komplette Gegenteil zu ihm verkörpert. Obwohl Brando in der Rolle des ersten Offiziers Christian im ersten Moment die Position des Antagonisten einnehmen könnte, wirkt er doch so arrogant und in gewisser Weise auch respektlos, werden erstaunlich schnell die Segel glaubhaft in die ganz andere Richtung gesetzt.

Gerade auch der gesellschaftliche Unterschied zwischen Bligh & Christian wird als Neid-Motiv aufgegriffen. So fühlt sich der bald paranoide Bligh allein dadurch bedroht, dass Christian einen guten, manchmal schon freundschaftlichen Umgang mit der Crew führt, während er nur durch Gewalt, Furcht und Bestrafung seinen Status zu festigen versteht. Seine Männer ganz offen als Kreaturen beschimpft, die es zu züchtigen gilt. Sich im Gegenzug aber insgeheim als minderwertig betrachtet, da sein erster Offizier ihm in allen kulturellen, intellektuellen und zwischenmenschlichen Bereichen offenbar haushoch überlegen ist. Es knirscht schon von der ersten Sekunde unausgesprochen und eigentlich grundlos zwischen den beiden, bis der immer weiter lodernde Konflikt irgendwann zur Explosion führen muss. Geduldig wird darauf hin gearbeitet und das Unvermeidliche geschickt hinausgezögert, aber der große Knall ist nicht das Ende der Fahnenstange. Mag Brando am Set mal wieder eine Zumutung gewesen sein, seine Rolle erfüllt er mit einer unnachahmlichen Präsenz und eben diesem Spiel aus Eitelkeit, aber auch glaubhafter Empathie. Dem Zwiespalt von Ethik & Moral gegenüber Pflichtbewusstsein, was besonders im letzten Drittel mehrfach hinterfragt wird.

Spätestens dort kann Meuterei auf der Bounty auch als Allegorie über allgemeine, gesellschaftliche Strukturen und Machtgefüge betrachtet werden. Wenn Obrigkeiten allein wegen ihres Allmachtstatus anders wahrgenommen werden, diese wiederum ihre Methoden vielleicht auch zu wenig (oder gar nicht) reflektieren. Es mangelt eben oft an einem ehrlichen Austausch auf Augenhöhe. An einem gegenseitigen Verstehen, aufgrund dem Wechselspiel von Pflicht, Verantwortung und Bürde, gepaart mit dem Drang nach Autonomie. Der Weg zu einer der geschichtsträchtigsten Befehlsverweigerungen der Seefahrt wird nicht nur narrativ wie emotional glaubhaft dargestellt, es wird auch noch eingebettet in teils spektakuläre wie wunderschöne Bildkompositionen. Für seinen Jahrgang wird ein beinah obszöner Aufriss betrieben, der aberwitzige Produktionsaufwand entlohnt mit fantastisch arrangierten Momenten. Mit seinen drei Stunden sehr ausführlich wie partiell auch leicht zu ausgiebig und am Ende etwas zu unkritisch – um nicht zu sagen sehr parteiisch – mit der Schippe Pathos oben drauf, die man so einem opulenten Epos aber irgendwie auch zugestehen darf.

Fazit

Ein intern wohl wahnsinnig kompliziertes, auf der Leinwand dennoch beeindruckendes Mamut-Werk. Prächtig inszeniert, dramaturgisch packend und grandios gespielt, obwohl Marlon Brando mal wieder sein Ego über alles stellt. Dass er trotzdem noch sympathisch und authentisch in der Rolle erscheint, das unterstreicht nur wie unglaublich begabt er war. Ein natural born Mega-Star…der sich gar nicht so stark selbstsabotieren kann, als das dies nicht offenkundig wäre.

Autor: Jacko Kunze

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