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Inhalt

Die Genetikerin Isabelle ist gerade dabei, sich nach der Scheidung von ihrem Mann ein neues Leben aufzubauen. Sie hat einen neuen Freund, und auch ihre Karriere will sie wieder neu beleben. Ihr Exmann James kann sich damit allerdings nicht abfinden und macht ihr mit dem Kampf um die Ausgestaltung des Sorgerechts für die gemeinsame Tochter Zoe das Leben schwer. Dann aber kommt es zu einer Tragödie, die die zerbrochene Familie bis ins Mark erschüttert. Isabelle trifft eine Entscheidung und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand.

Kritik

Was als intimes Drama über die nach einer gescheiterten Ehe verbleibende Wut und Verbitterung beginnt, entwickelt sich im zweiten dreier atmosphärisch und chronologisch dezidiert getrennter Akte zum bizarren Medizinthriller. Der planiert zuvor ausführlich ausgebreitete Moralfragen mit einer in ihrer Absolutheit bewusst provokanten Antwort. Diese ethische Simplifizierung ist auch eine dramaturgische seitens Regisseurin, Autorin und Hauptdarstellerin Julie Delpy (Lolo). Deren verzweifelte Genetikerin Isabelle mutiert zum Sprachrohr eines fragwürdigen Pamphlets mit Hang zu emotionaler Manipulation und grotesker Falschdarstellung.

Letzte beeinflusst den zwischen Lethargie und Übereile changierenden Plot entscheidend, wird jedoch nie als fiktiver Teil des futuristischen Settings etabliert. Folglich erscheint der melodramatische Auftakt, der Isabelle und ihren aggressiven Ex James (Richard Armitage, The Lodge) unvermittelt der verhätschelten Tochter Zoe (Sophia Ally, The Current War) beraubt, als sentimentale Kalkulation. Den Zieleffekt des Cocktails aus Fehlinformation, Überexposition elterlicher Trauer und strategischer Scheinargumentation, benennt vermeintlich die Gattin (Gemma Arterton, The King's Man) eines Moskauer Babymachers (Daniel Brühl, Kingsman 3): Empathie für die vom Verlust radikalisierte Isabelle.

Tatsächlich will Delpy mehr: verständnisvolle Zustimmung für nicht nur gesetzliche, sondern ethische Grenzen überschreitende Gentechnik-Experimente. Der Wunsch nach einem Klonkind soll Isabelles Mutterliebe beweisen; vice versa rechtfertigt jene Liebe ihren Wunsch. Der bereits im Titel manifeste Besitzanspruch, der Kinder nicht als Individuen, sondern austauschbares Eigentum betrachtet, gilt als Zuneigung, Verweigerung von Trauerarbeit zugunsten einer dank materieller Privilegien und skrupelloser Ärzte käuflichen Sedierung gilt als normale Reaktion in einem als Drama maskierten Werbeclip für Eugenik.

Überzeugendes Schauspiel und wirkungsvoll reduzierte Inszenierung propagieren dezent medizinische Positionen, die im Zuge politischer Rechtsradikalisierung wieder Aufwind gewinnen. Etwa die Annahme, Adoptivkinder seien irgendwie schlechter als biologischer Nachwuchs, Dritte-Welt-Kinder weniger wert als Erste-Welt-Kinder und der Charakter genetisch vorprogrammiert. Aus dieser bigotten Perspektive verdient die bürgerliche Elite ein perfektes Leben in der einzig wahren Form einer konservativen Kernfamilie - und Empathie, wenn sie dafür sämtliche ethischen Skrupel in einem Meer aus Selbstmitleid ertränkt.

Fazit

Bei ihrer sechsten Regiearbeit mangelt es Julie Delpy ähnlich an ethischer Differenzierung wie der von ihr verkörperten Hauptfigur. Deren Leidensweg gerät zur manipulativen Trauer-Tour, die weder moralisch reflektiert noch argumentativ differenziert. Die Betroffene des zentralen medizinischen Konflikts reduziert die Regisseurin zum Maskottchen eines abgeschmackten eugenischen Ideals: ein Kind als seelenlose Kommodität, dank Finanzmacht geschaffen, um seinen Eltern ein Happy End zu ermöglichen, das diese angesichts ihres wohlstandsverwöhnten Egoismus nicht verdienen - nichtmal auf der Leinwand.

Autor: Lida Bach

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