Der Name Spielberg verspricht großes Hollywood-Blockbuster-Kino. Nur wenige Regisseure haben das moderne Hollywood derart geprägt wie Steven Spielberg (Der Weiße Hai), der in den letzten 50 Jahren zahlreiche unverwechselbare und stilprägende Klassiker geschaffen hat. Mit ihrem Langfilmdebüt A Quiet House tritt nun dessen Tochter Destry Allyn Spielberg (Licorice Pizza) in die übergroßen Fußstapfen ihres Vaters. Und diese Fußstapfen, so viel sei vorweggenommen, sind für sie noch einige Nummern zu groß. A Quiet House ist ein solides Regiedebüt, bei dem Spielberg handwerklich keine schwerwiegenden Fehler macht, allerdings auch nicht für großes Aufsehen sorgen wird. Der Film ist eine Mischung aus Coming-of-Age-Story, Psychothriller und postapokalyptischem Zombie-Horror. Dabei greift sie durchaus auf Motive zurück, die aus den Werken ihres Vaters bekannt sind: die idyllische Kleinstadt, die ländliche Gegend, der 80er-Jahre-Stil und die jungen Protagonisten, die über sich hinauswachsen. Dennoch fehlt ihr die Vision, aus einem thematisch interessanten, aber inhaltlich nicht ausgereiften Drehbuch von Paul Bertino einen durchweg spannenden Film zu kreieren.
Das zeigt sich insbesondere daran, dass das Worldbuilding von Anfang an nicht richtig funktioniert. Die dargestellte Welt befindet sich in einer Bedrohungslage, die nie wirklich greifbar wird. Anstatt mit kurzen Szenen die Gefahren der Zombie- bzw. Kannibaleninvasion zu zeigen und eine visuelle Einführung zu präsentieren, beschränkt sich A Quiet House im Intro auf eine Erläuterung der Ereignisse durch eine Radiomoderation. Thematisch wird dies später so gut wie gar nicht mehr aufgegriffen, weshalb insbesondere der Schluss des Films für einige Zuschauer mit Fragen verbunden sein wird, wenn man die ersten ein, zwei Minuten verpasst oder nicht aufmerksam verfolgt hat.
Gut gelungen ist hingegen, dass sich der Film nicht lange mit Nebensächlichkeiten aufhält und die Protagonisten schnell in die später relevante Situation bringt. Dennoch wäre es gerade am Anfang wünschenswert, die Welt und ihre Gefahren zu verdeutlichen. Schließlich soll es sich um eine Welt handeln, in der Kinder dafür verantwortlich gemacht werden, dass eine Seuche ausgebrochen ist, die bei den Infizierten dazu führte, dass sich diese wie Zombies verhalten. Leider bekommt man über lange Zeit keinen dieser Zombies zu sehen, sodass die Gefahr, von der allseits die Rede ist, auch nie wirklich spürbar wird. Selbst eine von den Infizierten ausgehende allgemeine Bedrohung liegt nie in der Luft, wodurch die gezeigte Welt an Glaubwürdigkeit einbüßt. Die dargestellte Gefahr besteht anfangs darin, dass Armeeangehörige Jagd auf Kinder machen, um diese in Lager zu stecken. Dies dient lediglich als Aufhänger für die eigentliche Handlung und als Ausgangspunkt, um die Protagonisten auf ihre Reise zu schicken.
Doch der Film entwickelt sich zunehmend anders als erwartet. Statt der Zombie-Apokalypse wartet eine ganz andere Gefahr. Das abgelegene Farmhaus von Clara (Michelle Dockery, Flight Risk) als vermeintlich sicherer Zufluchtsort entpuppt sich als Horrorhaus und Clara als psychopathisches Biest, das die Gruppe der Teenager nicht mehr entkommen lassen will. Sie treibt ihr mörderisches Spiel und versucht darüber hinaus, die junge Mary (Zoe Colletti, The Family Plan 2) als Ersatz für ihre eigene verstorbene Tochter zu gewinnen. Michelle Dockery liefert eine überzeugende Performance ab, die phasenweise an Kathy Bates als Annie Wilkes in Misery erinnert, ohne allerdings deren Klasse zu erreichen.
Letztendlich ist aber auch die schwach ausgeprägte Figurenzeichnung ein Problem von A Quiet House. Bis auf Clara und Mary erhält keine der anderen Figuren eine wirkliche Hintergrundgeschichte. Man erfährt lediglich noch, dass es sich bei Ben (Andrew Liner, Bang Bang), Vicky (Regan Aliyah, Ironheart) und Jeffy (Dean Scott Vazquez, Transformers: Aufstieg der Bestien) um Geschwister handelt. Die beiden anderen Figuren der Teenager-Gruppe, Crystal (Emma Meisel, Dr. Doogie Kamealoha) und Seth (Joshua Melnick, Tesla), sind reines Kanonenfutter. Dabei wäre es gar nicht notwendig gewesen, jeder Figur eine ausführliche Hintergrundgeschichte zu spendieren. Doch die Jugendlichen bleiben überwiegend derart blass, dass ihr Schicksal kaum emotionale Anteilnahme hervorruft. Mit Mary gibt es immerhin eine Figur, mit der man weitestgehend bis zum Ende des Films mitfiebert, wodurch auch die Gefahr im Haus zunehmend an Intensität gewinnt.
Das Setting funktioniert recht gut und auch dramaturgisch gelingt es, Spannung zu erzeugen. Dennoch gibt es im Film zahlreiche Momente, in denen man sich fragt, was hier eigentlich passiert. Dass sich Figuren gerade in Horrorfilmen nicht immer besonders clever anstellen, ist fast schon stilprägend für dieses Genre. Doch was A Quiet House teilweise bietet, wirkt schon etwas lächerlich. Die Kids sind offenbar schon seit Längerem auf sich allein gestellt und auf der Flucht vor den Erwachsenen, die sie nur internieren wollen. Trotzdem haben sie kein Gespür für Gefahren und selbst in Situationen, in denen sie es offenbar schaffen, sich zu befreien, ergreifen sie nicht die naheliegendsten Möglichkeiten. Aus Spoilergründen sei hier nur kurz beispielhaft die Szene erwähnt, in der sie es nach der Überwältigung von Clara nicht in Betracht ziehen, ihr die Waffe abzunehmen. Bei Mary kommt dann offenbar noch dazu, dass sie selbst entweder Angst hat, Gewalt anzuwenden, oder sie ein gewisses Mitgefühl für Clara hegt. Dadurch wird man aus ihrer Figur im Endeffekt nicht ganz schlau. A Quiet House weiß letztendlich trotz einiger Schwächen zu unterhalten, auch wenn dies nicht auf höchstem Niveau geschieht. Als Regiedebüt ist der Film in Ordnung, aber mehr als Mittelmaß ist er keinesfalls.