4.3

MB-Kritik

Romans - Dämonen der Vergangenheit 2017

Drama

4.3

Janet Montgomery
Orlando Bloom
Anne Reid
Alex Ferns
Charlie Creed-Miles
Michael Chapman
Phelim Kelly

Inhalt

Malky ist ein Abrissarbeiter in den Dreißigern. Als er in seine Heimatstadt zurückkehrt, um dort beim Abriss der örtlichen Kirche mitzuhelfen, wird er mit den Dämonen seiner Vergangenheit konfrontiert. In jener Kirche wurde er als Junge vom damaligen Priester sexuell missbraucht. Das Trauma der Vergangenheit hat Spuren hinterlassen. Malky hat Probleme, eine normale Beziehung zu führen und neigt schnell zu Gewalt. Sein Leben gerät endgültig aus den Fugen, als er seinem Peiniger aus Kindertagen plötzlich unerwartet gegenübersteht. Rachegedanken keimen in ihm auf. Doch soll wirklich eine Vergeltungstat sein künftiges Schicksal bestimmen?

Kritik

Kann Vergebung der richtige Weg sein? Mit ihrem preisgekrönten Kurzfilm Romans 12:20 haben die Brüder Ludwig und Paul Shammasian schon im Jahre 2008 eindrucksvoll bewiesen, dass sie das Thema Schuld und Sühne perfekt beherrschen und im Falle von Kindesmissbrauch die richtigen Fragen stellen. Ein heikles Thema, ohne Zweifel, vor allem wenn dann auch noch Religion dazukommt – basierend auf wahren Begebenheiten. Zudem ist der Römer 12:20 kein Zufall: So nun dein Feind hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke ihn. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf dein Haupt sammeln. Die Vergebung muss also gütlich sein, ja liebevoll. Hass ist in Romans nicht der Weg der Erlösung. Und dennoch gelingt es dem Spielfilmdebüt Romans – mit einem sehr eindrucksvollen wie engagierten Orlando Bloom in der Hauptrolle – nicht immer den Zuschauer nah an die Figuren zu führen. Während wir Malky in all seinen Facetten erleben und mitleiden, sorgen vor allem die losen Nebenplots dafür, dass am Ende ein ungutes Gefühl zurückbleibt.  

Besonders visuell entfaltet Romans aber dank Orlando Blooms Kraft immer wieder eine atemberaubende Sogwirkung: Wenn so Malky das Kreuz der alten Kirche die er abreißt über die Schulter wirft und sich beim tragen nicht helfen lassen will, dann ist dies perfekte Bildsprache auf das zerstörte Innenlebens des eigentlich im Kindesalter verbliebenden Jungens. Egal ob seine zu tiefst religiöse und schamvolle – ihm nicht unterstützende – Mutter (Anne Reid), seine liebevolle, aber verzweifelte Freundin Emma (Janet Montgomery) oder sein machohafter Freund Jo (Alex Ferns), keiner von ihnen dringt auch nur ein Stück zu Malky durch. Allerdings zeigt sich hier auch schnell die größte Schwäche des Films: Während wir alle Puzzle-Teile schnell erzählt bekommen, bleiben die Figuren lange Zeit im Dunkeln, ohne jedoch danach wirklich in die Geschichte eingebettet zu werden. Während wir Emma und Jo zum Ende hin gar nicht mehr zu sehen bekommen, fungiert die Mutter letztlich nur als Auslöser eines Weges, der jedoch viel zu abrupt wirkt. Und das letztlich Religion die Lösung für die Schändung eines Priesters ist, wirkt auch etwas unbeholfen auserzählt.

Und dennoch: Wo Romans vor allem punkten kann, ist bei seiner Hauptfigur und seinem eindringlichen Hauptdarsteller. Selten war Orlando Bloom so intensiv und aufwühlend zu sehen, wie im Film der Shammasian-Brüder: Hass, Leid, Scham, Selbstverletzung und natürlich jede Menge Verzweiflung. Die Facetten von Malky bekommen wir zu jeder Zeit zu spüren, sodass der Film jede Menge Energie aus dieser Performance zieht. Da ist es letztlich auch egal, dass nicht nur das Budget von Romans relativ klein ausgefallen ist, noch, dass der Priester – oder das Böse in dem Falle – bis zu den letzten Minuten recht profillos bleibt und dann in wenigen schnulzigen Bildern Erlösung erfahren muss. Was bleibt ist ein Film, der sich stark seiner Hauptfigur und dem Missbrauch widmet und stellt, und hier dank Orlando Bloom sehr authentisch wirkt. Nur der Rest passt einfach nicht ganz, sodass am Ende eine Enttäuschung zurückbleibt.

Fazit

Schuld, Sühne und Erlösung: All die Zutaten sind in "Romans" definitiv vorhanden und werden vor allem durch Orlando Bloom gekonnt auf die Figur des Malky übertragen. Allerdings verrennt sich die Langfilm-Umsetzung der Shammasian-Brüder in ihren Nebenfiguren. Und das zweifelhafte Ende dürfte sogar vielen sauer aufstoßen. Eine solche Geschichte sollte klar behutsamer (oder brachialer) angepackt werden. Das vorhanden Potenzial wird dafür allerdings nicht genutzt. Schade

Autor: Thomas Repenning
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