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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Im 17. Jahrundert taucht in einem abgelegenen protestantischen Dorf in deutschen Landen ein mysteriöser Soldat auf. Der kleine, ruhige Fremde, dessen Gesicht von einer Narbe entstellt ist, gibt sich als Erbe eines verlassenen Gehöfts aus. Um seinen Anspruch zu untermauern, legt er den misstrauischen Dorfbewohnern ein Dokument vor. Mit der Zeit geben sie ihre Zweifel auf. Er erweist sich als fleißiger und gottesfürchtiger Mann und wird Teil der Gemeinschaft, wenngleich sein Wunsch nach Zugehörigkeit auf einer unhaltbaren Lüge fußt.

Kritik

Soziale Konstrukte, unter dem Vorwand der “Naturgegebenheit” gerechtfertigt, und die aus ihnen resultierenden Privilegien und Nachteile beschäftigten Markus Schleinzer bereits in seinem 2018 erschienen Biopic Angelo. Formal eigenständig, doch voll bestechender thematischer Überschneidungen nimmt sein konzentriertes Charakterporträt nun erneut historische Fakten als Grundlage einer konzentrierten Auseinandersetzung mit Selbstbestimmung, gesellschaftliche Masken und dem hohen Preis deren Überschreitung. Der titelgebende Name verweist auf die verborgene Identität hinter einer buchstäblichen Gender-Rolle, in die Sandra Hüller (Der Astronaut) in der im Deutschland nach Ende des Dreißigjährigen Krieges angelegten Handlung schlüpft.

So einfach wie man eine Hose anlegt, beschreibt Rose später in der von Marisa Growaldts Off-Stimme im ruhigen Ton und Wortlaut einer zeitgenössischen Sage vorgetragenen Story. Auch wenn es, wie der harsche und bisweilen tragikomische Verlauf der Ereignisse zeigt, in der Praxis doch nicht so simpel ist, bleibt die Verwunderung über die Freiheit, die ein Stück Stoff mit sich bringt. Als Soldat ohne Angehörige, dafür mit einem Erbbrief für ein baufälliges Haus auf einem verwilderten Landstück kommt die Protagonistin in ein kleines protestantisches Dorf. 

Dessen Gemeinde beäugt den mit Kriegsnarben gezeichneten Fremden erst misstrauisch.  Doch sein Mut beim Angriff eines Bären, sein ertragreiches Bewirtschaften des Landes und schließlich die arrangierte Ehe mit der jungen Suzanna (Caro Braun), die bald ein Kind hervorbringt, machen aus dem mysteriösen Einzelgänger ein geachtetes Mitglied der Gemeinschaft. Deren Akzeptanz schlägt abrupt um, als eine Anschuldigung Zweifel an Roses männlicher Persona weckt. In einem ihrer kargen Dialoge sagt sie eindeutig, dass sie nicht ein Mann sein will, sondern eines Mannes Rechte, Respekt und Unabhängigkeit.

Freiheit wird zum Schlüsselbegriff in der in strenges Schwarz-Weiß gefassten Geschichte von der Macht sozialer Konzepte. Deren Brüchigkeit verrät sich gerade in der Brutalität, mit welcher diese aufrechterhalten werden. An Rose muss ein Exempel statiert werden, weil ihr Kampfgeist und Kompetenz den Mythos männlicher Überlegenheit dekonstruieren. Raue Naturkulissen und schlichte Szenenbilder lenken den Fokus ganz auf die psychologischen und soziologischen Aspekte des symbolreichen Szenarios. Dessen Kernthemen knüpfen in ihrer Konsequenz direkt an heutige Debatten um Gender-Definition, die mit der Mär biologischer weiblicher Unterlegenheit einhergehen. 

Fazit

Inspiriert von Prozessakten und authentischen Zeugnissen schaffen Markus Schleinzer und sein Co-Drehbuchautor Alexander Brom ein stilistisch karges, schauspielerisch eindringliches Porträt vom Streben nach Autonomie und Stabilität in misogynen Strukturen. Historienpanorama, Gesellschaftsstudie und Persönlichkeitsbild verschmelzen zu einer organischen Vision politischen und spirituellen Umbruchs, in denen patriarchalische Prinzipien zum letzten unverrückbaren Grundsatz werden. Eine auf Gleichrangigkeit basierende weibliche Solidarität wird zum Gegenentwurf dieser rigiden Hierarchien, deren Härte in den starren Einstellungen und nüchternen Bildkompositionen räsoniert. Identität und Intimität sind sozialpolitische Sphäre, in der jede Abgrenzung geahndet wird. 

Kritik: Lida Bach

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