Der Dokumentarfilm startet schon mit starken, hellen Bildern, die sehr ansprechend sind. Die Erzählstimme der Filmemacherin im Off-Kommentar ist jedoch etwas schwierig anzuhören, da man den Eindruck hat einer geführten Meditation zu lauschen, als eine Doku anzuschauen. Die Betonung schwankt zwischen gewollter Ruhe und einer natürlichen Erzählung und ist sehr monoton. Schon nach wenigen Minuten ist es leider ziemlich anstrengend ihr zuzuhören.
Schön gemacht ist die Umsetzung der Interviews. Die Erzählungen der Besatzung sind sehr transparent, nahbar und authentisch. Manchmal sogar etwas emotional, wenn einzelne Personen davon sprechen, dass sie in bestimmten Situationen nicht einfach vom Schiff herunterkommen und nach Hause fliegen können, zum Beispiel wenn ein Familienmitglied stirbt. Auch Feiertage und besondere Momente mit den Liebsten werden verpasst, doch die Leidenschaft für den jeweiligen Beruf an Bord des Forschungseisbrechers Polarstern ist bei jedem Besatzungsmitglied absolut spürbar.
Interessant ist auch die Besatzung bei der Arbeit zu beobachten. Einzelne Schritte verschiedener Arbeitsgruppen und -bereiche werden gezeigt und sowohl von den Arbeitern selbst als auch im Off-Kommentar erklärt. Allerdings ist es schwer dem Thema richtig zu folgen, wirklich zu verstehen, was man da erfährt und sich die Informationen auch zu merken. Der anstrengende Ton im Voice-over trägt seinen Teil dazu bei, aber es ist bei einem so komplexen Thema auch grundsätzlich schwieriger, alles zu verstehen, wenn man sich mit der Thematik nicht unbedingt auskennt. Die ersten 45 Minuten des Films wirken dadurch, trotz der interessanten Interviews und Arbeitsabläufe, erstmal etwas langatmig.
Als es dann schließlich an Land geht, wird es wieder ein bisschen spannender. Besonders bewegend ist eine Stelle, in der eine iranische Wissenschaftlerin aus dem Geologieteam stolz davon erzählt, wie viel es ihr bedeutet, dass sie die zweite Iranerin ist, die auf der Antarktis sein wird. Da sie aus einer Gesellschaft kommt, in der Frauen keine Rechte besitzen und den Männern untergeordnet sind, hat sie in ihrem Masterstudium Freiheit gefunden und freut sich, sobald sie auf antarktischem Boden steht. Diese rührende Szene ist ein ganz besonderes Highlight in der Doku.
Auch die Naturaufnahmen, die zwischendurch eingeblendet werden, sind schön anzusehen. Die beeindruckenden Bilder werden von Sascha Blank musikalisch untermalt. Es sind mitreißende Klänge, die einen emotional werden lassen. Allerdings sind diese für eine Doku vielleicht sogar schon etwas zu dramatisch und würden eher zu einem (romantischen) Drama passen. Man hätte diese Momente zwar auch mit Infos füllen können, aber es ist auch schön, diese Naturaufnahmen einfach auf sich wirken zu lassen. Zumal es ohnehin wirklich schwerfällt, dem Off-Kommentar der Regisseurin zu lauschen, was der Doku leider ein paar Minuspunkte einbringt. Ines Reinisch hat für ihren Film eine abenteuerliche Reise auf sich genommen, Regie, die Kamera und Interviews selbst geführt und am Schnitt sowie am Ton mitgewirkt.
Der Klimawandel und seine Auswirkungen sind ein zentrales Thema von “Salz und Wasser - Mit der legendären Polarstern in die Antarktis” mit einer deutlichen Warnung. Die Bilder von einem sterbenden Eisgletscher sind einbewegender Abschluss des Films mit deutlicher Botschaft.