Inhalt
Um einem Freund seinen verlorenen Geruchssinn wiederzugeben, ziehen drei junge Männer auf eine epische Heldenreise, wie sie es aus Legenden und historischer Ikonographie kennen. Auf ihrem abenteuerlichen Weg zum Meer begegnen sie den unterschiedlichsten Menschen, mythischen Gestalten und ringen immer wieder mit der Frage, was es wirklich bedeutet, ein Held zu sein.
Kritik
Hinter der Maske schwärmerischer Poesie und verträumter Entrücktheit birgt Daniil Merkulovs allegorisches Spielfilm-Debüt eine kritische Dekonstruktion der narzisstischen Naivität des titelgebenden Trios junger Männer. Ihre sentimentale Sehnsucht nach großen Heldentaten, wie sie in Märchen und Geschichtsbüchern beschrieben werden, entspringt einem kindlichen Konstrukt von Heldenmut und Großtaten. Der davon abgeleitete infantile Idealismus motiviert die Freunde zu einer buchstäblichen Realitätsflucht. Auf der Suche nach einer magischen Heilpflanze namens Balsam beginnen sie ihre eigene Heldenreise zwischen Phantasie und Projektion.
Das pittoreske Idyll, das die Protagonisten auf ihrem imaginären Wagnis durchqueren, spiegelt in seiner malerischen Harmonie ihre verklärten Vorstellungen von Ruhm und Mut. Derlei Eigenschaften sind in ihrer verstiegenen Wahrnehmung reine Abstrakte, die schlicht gefunden und angeeignet werden. Visionen ikonischer Vorbilder aus Historie und Sagen markieren die Stationen des Weges zu einem Stück erwachsener Erkenntnis der eigenen Trivialität. Achilles, Herodes und Jean D‘Arc erscheinen als heiligengleiche Mentoren in bühnenhaften Kostümen und umgeben von göttlichem Glanz.
Der Prunk der Phantasiebilder akzentuiert das kindliche Weltbild der Protagonisten, deren vermeintlicher Altruismus Egozentrik und Geltungssucht kaschiert. In der schwarz-weißen Optik manifestiert sich ihr simplizistisches Weltbild, in dem moralische Grauzonen ebenso wenig existieren wie farbliche Vielfalt. Mit unterschwelligem Witz demontiert Merkulovs selbstverfasstes Drehbuch den hohlen Heroismus mittels der charakteristischen Stilmittel, die ihn konventionellen Kinowerken etablieren. Ohne soziologisches oder zeitpolitisches Fundament läuft die pointierte Parabel ins Leere - nicht unähnlich ihrer selbstverliebten Möchtegern-Helden, die jeden ungeliebten Gedanken mit einem Lied vertreiben.
Fazit
In seiner kritischen Karikatur einer jungen russischen Generation, der er selbst angehört, demaskiert Daniil Merkulov moralischen Impetus und heroische Ambitionen als Ausdruck geistiger Unreife und arrivierter Egozentrik. So sorgsam ausgebaut die tagträumerische Ästhetik und märchenhaften Motive des ephemeren Lehrstücks sind, so auffällig ist dessen kontextuelle Vagheit. In seiner soziologischen Deutung frustrierend unbestimmt, wird die lyrische Leinwand-Fabel zum filmischen Fluchtraum vor einer klaren politischen Positionierung. In seiner ideologischen Interpretation bezeichnend ambivalent, wird das sublimierte Szenario zum kinematischen Pendant der kreativen Weltflucht, die es aufzeigt.
Autor: Lida Bach