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Kurz vor Weihnachten 1973 trat die Besatzung von Skylab, der ersten Raumstation der NASA, in den Streik. Basierend auf den Mitschriften ihrer Gespräche mit dem Kontrollzentrum auf der Erde, rekonstruiert Graeme Arnfield in Echtzeit diese Episode, die vom heroischen Narrativ des Weltraumabenteuers überdeckt wurde.
Kritik
Ein wenig wirkt Graeme Arnfields (Home Invasion) didaktisches Doku-Drama wie ein filmisches Faksimile der ausgeschmückten Anekdote, die es illustriert. Selbiges allerdings so eindimensional und ermüdend, dass die ironische Parallele das repetitive Resultat auch nicht interessanter macht. Bei einem vor vielfältigem Potenzial geradezu überquellenden Vorfall wie dem Skylab Streik ist das fast so frustrierende wie der aufreibende Alltag der Crew von Skylab 4. Letztes klinkten William Pogue, Edward Gibson und Gerald Carr angeblich im Dezember 1973 kurz nach Weihnachten von Ground Control mutwillig aus.
Das über die Jahrzehnte zur Weltraum-Meuterei aufgebauschte Ereignis war tatsächlich wohl die wesentlich banaler ausfallende Folge akuter Überarbeitung. Womöglich litt unter dieser auch der britische Regisseur, als er die amüsante Astro-Anekdote in einer ungleich öde Schwarz-Weiß-Serie frontaler Talking Head Szenen rekapitulierte. Aus unerfindlichen Gründen übergab die American Space Agency Arnfield die 60.000 Seiten schweren Protokolle der Gespräche, die im All und auf der Bodenstation stattfanden. Verdammt viel Gerede für die eine Erdumrundung ausmachenden 90 Minuten, die der Skylab Strike damals dauerte.
Auf der Leinwand sind es nur 72 Minuten, in denen die drei Darstellenden in grobkörniger TV-Optik direkt in die Kamera reden. Wenn einander etwas zugeflüstert wird oder alle drei sich chorartig Zusammendrängen, ist das schon ein Action-Höhepunkt. Dabei zeigt das Szenario nicht den sagenumwobenen Streik, den die bis in die Minute durchgeplante Arbeits-Agenda des Trios provozierte, sondern den Vortag. Die übergreifenden Themen von Leistungsoptimierung, ethisch fragwürdigen Experimenten, Arbeiterausbeutung und Mythenbildung bleiben gegenstandslos, ohne historischen Hintergrund und gegenwärtige Bezüge. Unendliche Weiten der Langweile.
Fazit
Obwohl Graeme Arnfields revisionistische Raumfahrtgeschichte auf dem Dokumentar-Film-Festival Visions du Réel seine Premiere feiert, fällt die skurrile Space-Story eher in die Kategorie „nach einer wahren Begebenheit“. Eine tiefergehende Auseinandersetzung mit jener findet kaum statt. So deutlich die Bezüge zur kapitalistischen Kolonialisierung des Weltraums seitens gegenwärtiger Technokraten, so oberflächlich bleibt das Fazit. Astronauten sind auch nur Menschen, die mal Pause brauchen. Ironischerweise bleiben die uniformierten Charaktere so austauschbar wie die graue Ästhetik. An Spannung und Humor mangelt es ebenso wie an visueller Original.
Autor: Lida Bach