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Quelle: themoviedb.org
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Inhalt

Venezuela: In einem maroden Gesundheitssystem, in dem Leben am seidenen Faden hängt, erhebt sich Carolina zur Kämpferin für die Mutterschaft. Aus ihrer Vergangenheit schöpfend, bewahrt sie unermüdlich die lebenswichtige Verbindung zwischen Schwangeren und ihren Babys.

Kritik

Auf den Rücksitz eines fahrenden Autos gedrängt geht Carolina mit ihrer Freundin und Kollegin Yanni angespannt eine Liste mit Gütern durch, die sie besorgen müssen. Die beiden sind auf keinem Shopping-Ausflug, sondern unterwegs ins Krankenhaus. Jenes will die hochschwangere junge Frau an ihrer Seite nur behandeln, wenn sie alle notwendigen Utensilien und Medikamente dabeihat. Bei dem Baby ihrer verzweifelten  Begleiterin wurde Tachykardie festgestellt. Dass jede Minute zählt, ist den Ärzt*innen gleichgültig. Sie behandeln nur, wenn alle Ausgaben vorab gedeckt sind.

Was geschieht, wenn eine Patientin eines der Utensilien von sterilen Handschuhen über Spritzen bis zu diversen Medikamenten nicht beschaffen kann, hat Carolina schon oft erlebt. Sterblichkeit von Müttern und Babys sind in den vergangenen Jahren alarmierend gestiegen. Grund dafür sind die mangelnde staatliche Förderung des medizinischen Sektors, Versorgungsengpässe bei Medikamenten und medizinischem Material sowie das kontinuierliche Abwandern von Fachpersonal. Eine menschenverachtende Gesetzgebung, die reproduktive Selbstbestimmung kriminalisiert und Zwangsgeburten zur Norm macht, ist die Kernursache der humanitären Krise. 

Verschärft wird diese durch erschwerte Zugänglichkeit und Unzuverlässigkeit von Verhütungsmitteln, mit denen Carolina Hilfe suchende Frauen und Mädchen versorgt. Vor deren Hintergrund entfaltete sich Hervé forsches Doku-Debüt als eine Mischung aus professionellem Profil und Persönlichkeitsskizze. Über mehrere Monate folgt ihre Kamera der entschlossenen Protagonistin, die als Aktivistin und Maternity Warrior mit schier unerschöpflicher Energie gegen ein kaputtes System und misogyne Machtstrukturen antritt. Weibliche Solidarität und Selbstorganisation werden zum lebensrettenden Hoffnungsschimmer in dem brutalen Szenario, dessen Unmittelbarkeit und Intimität die rebellische Kraft verstärken. 

Fazit

Krise und Kampfgeist, Repression und Resilienz sind die dramatischen Gegenpole, die Nolwenn Hervés dringlicher Dokumentation, die im Wettbewerb von CPH:DOX Weltpremiere feiert. Aus psychologischer und körperlicher Nähe zeigt ihre straffe, situative Inszenierung die buchstäblich fatalen Auswirkungen systemischer Entrechtung und institutioneller Insuffizienz. Mädchen und Frauen sind die Opfer Venezuelas ökonomischer und politischer Krise, in deren Zuge das Gesundheitssystem praktisch kollabiert ist. Cinéma vérité und feministisches Pamphlet verschmelzen zu einer eindringlichen Momentaufnahme persönlichen Engagements, dessen bittere Notwendigkeit die aufmerksame Perspektive stets bewusst 

Kritik: Lida Bach

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