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Von Kunst hat jeder seine ganz eigene Vorstellung. Caleb (Christopher Walken) und Camille Fang (Maryann Plunkett) haben ihr Leben der Kunst gewidmet und loteten als Performance-Künstler die Grenzen derselbigen aus. Dies geschah sehr häufig und noch häufiger sehr zum Verdruss ihrer Kinder Annie und Buster, denn sie waren unwilliger Bestandteil der oftmals bizarren und vor allem beschämenden Akte. Daher ist es nachvollziehbar, dass die beiden Reißaus nahmen, sobald sich ihnen bei Vollmündigkeit die Gelegenheit dazu bot. Sowohl Annie (Nicole Kidman) als auch Buster (Jason Bateman) haben den Alleingang gesucht, sind aber infolge der schlechten Wirtschaftslage und einiger falscher Entscheidungen grandios gescheitert. Vor dem respektiven Nichts stehend, bleibt ihnen nur ein Ausweg: die Heimkehr in die elterlichen Gefilde. Caleb und Camille freut dies sehr, denn sie wünschen sich nichts sehnlicher, als einen finalen Auftritt in familiärer Vereinigung. Umgeben von den Zeugnissen ihrer ungewöhnlichen Erziehung, haben die Kinder Aussicht, sich endlich den Dämonen ihrer Vergangenheit zu stellen und zu erfahren, was Familie wirklich bedeutet.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Willkommen im Leben der Fangs. Eine Familie, bestehend aus Künstlern, die ihre Kinder von klein auf mit in ihre sehr speziellen Performances einbeziehen. Zu diesen seltsamen Auftritten gehört vor allem der Aspekt, dass ein unwissender Teil der Öffentlichkeit stets Zeuge ihrer aufgeführten Stücke wird. Zum reichlich schrägen Repertoire der Familie Fang zählt zum Beispiel ein Auftritt, der gleichzeitig die Eröffnungsszene von The Family Fang darstellt, bei dem der kleine Sohn mit einer Pistole bewaffnet von einer Bankangestellten alle Lollipops hinter dem Tresen einfordert. Der Vater, der in die Rolle eines Polizisten schlüpft, schießt auf den Jungen, verfehlt und trifft eine unschuldige Frau, die von ihrer verzweifelten Tochter sofort betrauert wird. Die Reaktionen der umstehenden Besucher in der Bank nach der Auflösung dürften sich ungefähr mit der Reaktion des Zuschauers decken, denn das Verständnis der Fangs von Kunst wird bereits hier als ein ganz und gar eigentümliches porträtiert. 

Der von Schauspieler Jason Bateman (The Gift) gedrehte und auf einem Bestseller-Roman basierende Film beleuchtet in seinem Kern allerdings nicht die Wirkung, welche die Familie mit ihren Kunst-Performances auf die Öffentlichkeit ausübt, sondern konzentriert sich auf die unmittelbaren Folgen, die solch ein extremer Lebensstil für die eigenen Nachkommen hat. Die eigentliche Handlung setzt ein, während die beiden Sprösslinge Annie und Buster längst selbst Erwachsene sind und jeweils versuchen, unabhängig von ihren Eltern auf eigenen Beinen zu stehen und in einem weitestgehend normalen Leben Fuß zu fassen. Dass dieses Vorhaben alles andere als einfach ist, macht bereits ein frühes Ereignis deutlich, bei dem Caleb und Camille ihre Kinder besuchen und das gemeinsame Familientreffen nach längerer Zeit zur deutlichen Belastung für die Geschwister wird. 

Auch wenn The Family Fang naturgemäß aufgrund der äußerst verschrobenen Lebensweise der hier gezeigten Figuren immer wieder von einer absurden Komik durchzogen wird, ist der Film viel mehr ein klassisches Familiendrama mit unkonventioneller Verkleidung, in dem auf teilweise bedrückende Art ersichtlich wird, was für einen starken Einfluss der Umgang in der Erziehung auch noch Jahrzehnte später anrichten kann. Als Annie und Buster an einem entscheidenden Wendepunkt der Geschichte von der Polizei mitgeteilt bekommen, dass ihre Eltern womöglich bei einem schweren Autounfall ums Leben kamen, fallen die Reaktionen bereits grundverschieden aus. Während Buster fast schon froh darüber zu sein scheint, falls die Eltern wirklich tot sein sollten, vermutet seine Schwester hinter all dem eine groß angelegte Täuschung der Eltern, die ihre Kinder für ein weiteres ihrer Stücke benutzen wollen. Die Szene, in der Annie aufgebracht durch das Haus eilt, um überall nach möglicherweise versteckten Kameras zu suchen, spricht Bände über den Geisteszustand einer Frau, die aufgrund ihrer Jugend schwer vorbelastet ist. 

Bateman, der hier auch als Schauspieler in die Rolle des Buster schlüpft, wagt sich nach seinem eher von brachialerem Humor geprägten Regie-Debüt Bad Words in deutlich ernstere Gefilde. Trotzdem gelingt es ihm nicht immer, dem Zuschauer einen emotionalen Zugang zu den Figuren, ihren Gefühlen und Motivationen zu geben. Die Familie Fang als Ganzes bleibt manchmal seltsam fremd, auch weil ihre schräge Art und die mitunter sehr albernen, sinnlosen Aktionen verständlicherweise auf ein grundsätzliches Unverständnis stoßen können. Im Mittelteil plätschert das Geschehen zusätzlich ziemlich ziellos vor sich hin, ohne den zuvor offengelegten Aussagen der Geschichte nennenswerte Einsichten, überraschende Entwicklungen oder mitreißende Verwicklungen hinzuzufügen. Auch wenn der Regisseur unter anderem namhafte Darsteller wie Nicole Kidman (Stoker) oder Christopher Walken (Pulp Fiction) für sein Werk verpflichten konnte, was definitiv dazu beiträgt, den nicht ganz einfach zu erfassenden Figuren gewisse Sympathiewerte zu verleihen, bleibt The Family Fang dramaturgisch etwas zu stark zerfasert, zu unentschieden zwischen absurdem Humor und tragischer Ambition, um einen trotz des zwar vorhersehbaren, aber wirkungsvollen Finales nachträglich zu berühren.

Fazit

Mit der Adaption des Bestsellers begibt sich Jason Bateman in The Family Fang verglichen mit seinem Debüt als Regisseur auf gereifte, ambitionierte Pfade. Das Drama um eine äußerst schwierige, ungewöhnliche Künstlerfamilie sowie die Aufarbeitung eines von Kindesbeinen an aufgedrängten Lebensstils hat einige extrem wirkungsvolle Szenen und wird durch die gut gewählten Schauspieler gestützt, erreicht aufgrund der allgemein zerfaserten Dramaturgie und einem nicht ganz geglückten Verhältnis zwischen Humor und Dramatik aber nicht ganz die große Wirkung und verschenkt viel Potential.

Autor: Patrick Reinbott

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