Inhalt
Eine vierköpfige Familie ist plötzlich in ihrem Haus ohne Ausweg eingesperrt und muss zusammenarbeiten, um sowohl gegen ihre schwindenden Ressourcen als auch gegen die mysteriöse, drohende Bedrohung zu überleben, die sie gefangen hält.
Ab 07. August 2026 auf Netflix
Kritik
Gut ein Jahr ist es her, dass Matthias Schweighöfer im deutschen Netflix-Original Brick ratlos auf eine zugemauerte Apartmenttür starrte. In The Last House von Die Unfassbaren - Now You See Me-Regisseur Louis Leterrier sind es nun ganze Häuser, die mit einem Mal von der Außenwelt abgeschnitten sind. Inhaltlich verbindet die beiden Streamingtitel, abgesehen von den urplötzlich auftauchenden, übernatürlichen Mauern, nichts. Darüber hinaus am ehesten das Scheitern, aus einer rätselhaften Prämisse auch einen fesselnden Film zu formen.
Kaum von einem erfolglosen Angelausflug zurück, sperrt der Film Jason und Ann, ihre Kinder Ruth und Graham und das ebenso ratlose Publikum in einem beschaulichen Einfamilienhaus ein: Türen dicht, Fenster dicht, selbst die Dielen am Boden undurchdringbar. Draußen fällt der Regen, drinnen gehen die Vorräte allmählich zur Neige. Was alle Voraussetzungen für ein beklemmendes Kammerspiel erfüllt, ist im Endergebnis nie so einschnürend oder klaustrophobisch wie es die Ausgangslage hergeben würde.
Der generische, immer wieder künstlich Spannung oder Emotionen erzwingende Score ist nur ein Grund dafür. Ein anderer ist die Erzählstruktur des Films, die sich zunächst über Tage, dann über Wochen und schließlich über mehrere Jahre erstreckt, und die ohnehin holprige Familiendynamik weiter zerfasert. Wagner Moura (The Secret Agent, Civil War) und Greta Lee (Past Lives - In einem anderen Leben, Tron: Ares) machen Dienst nach Vorschrift, sind aber weit entfernt von den Nuancen vorheriger Performances. Als Untergetauchter im Brasilien der 1970er und Wahl-New Yorkerin, die nach Jahrzehnten ihre Jugendliebe wiedertrifft, hat es für beide zuletzt aber auch schon wesentlich mehr zutun gegeben.
Ihre Figuren und die der Jungdarsteller*innen Riley Chung und Noah Alexander Sosnowski bzw. Emma Ho und Gabriel Chung bleiben größtenteils schematisch, unterentwickelt, weil The Last House im Gegensatz zu den wiederkehrenden physischen Verlangen wenig Interesse an den psychologischen Folgen der Isolation hat. Dafür eher an außerirdischen Kreaturen, postapokalyptischer Alltagsroutine und oberflächlichen Spannungsmomenten. Erstere treten anfänglich zwar nur sparsam in Erscheinung, sind ihrer plumpen CGI-Gestalt aber genauso austauschbar wie die wirkungs- weil oft konsequenz- und wagnislosen Zuspitzungen, auf die Letterier und Good Luck, Have Fun, Don't Die-Autor Matthew Robinson zurückgreifen.
Hinterfragen braucht man indes weder manche Überlebenstrategie der Hauptfiguren, die durch den Kamin Schornsteinfischen betreiben, noch Grundregeln und Natur der außerirdischen Eindringlinge. Formlose Antworten und plumpe Metaphern ersetzen jede ernstzunehmende Klimawandel-Allegorie oder Pandemie-Aufarbeitung, andere, tiefere Gedanken versinken wie die Überbleibsel der menschlichen Zivilisation im Dickicht vor der Haustür. Niemand hat einen neuen Würgeengel erwartet. Aber zumindest mehr Dringlichkeit, mehr Eigenleben als ein derart lahmes Family-Survivaldrama.
Fazit
Angeln sollte man in den Netflix-Originals bekannterweise sowieso nur mit Vorsicht, auch "The Last House" ist alles andere als ein großer Fang, der sich ab sofort in den Untiefen des Streaminganbieters tummelt. Wie den Figuren an Lebensmitteln und Kontakt zur Außenwelt mangelt es dem Film an vielem Grundlegenden: an Spannung, an Grusel, an frischen Ideen, an Momenten, die das Ausmaß der mysteriösen Katastrophe, zumindest aber die hölzernen Abrisse seiner Figuren spürbar werden lassen. Ein maues, austauschbares Survival-Drama.
Autor: Paul Seidel