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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Der 16-jährige Ilay treibt ziellos durch die Randbezirke Berlins. Seine Mutter Maria liegt im Sterben. Betreut wird sie von Ana, einer mexikanischen Palliativpflegerin. Ilay will Marias nahenden Tod nicht wahrhaben und kapselt sich zunehmend von der Realität ab. In ruhigen, kontemplativen Bildern fängt der Film Ilays und Anas Alltag ein, zeigt Anas stille Hingabe bei der Pflege und ihr Ringen mit der eigenen Suchterkrankung. Ilay arbeitet in einem Logistikzentrum, leistet Sozialstunden und verbringt seine Nachmittage mit Freund*innen am See. Nachts führt er eine zunehmend geisterhafte Existenz und wandert schlaflos durch die Stadt. 

Kritik

Sterben, Selbstbetrug und Stillstand halten den jungen Hauptcharakter Saša Vajdas introvertierten Dramas ebenso fest umschlungen, wie dessen Handlung, letzter so sehr, dass diese nahezu selbst zum Erliegen kommt. Der 16-jährige Ilay (Mohammed Yassin Ben Majdouba), dessen Mutter Maria (Mahira Hakberdieva) in beider Wohnung in einem der tristen Berliner Randbezirke langsam dahinsiecht, und der observative Plot befinden sich in einer endlosen Ellipse. Strafersetzende Sozialstunden, nächtliche Spaziergänge und gelegentliche Unternehmungen mit seiner Clique formen eine dumpfe Routine, in der Ilay Zuflucht vor dem Unvermeidlichen sucht.

Einzige andere menschliche Präsenz in diesem lethargischen Limbo ist die mexikanische Palliativpflegerin Ana (dargestellt von der tatsächlichen Palliativpflegekraft Flor Prieto Catemaxca). Sie umsorgt Maria mit einer Gewissenhaftigkeit und Fürsorge in subtilem Kontrast zur Distanzierung Marias Sohnes, dessen schleichender Selbstverlust nur Ana auffällt. Tom Ottes Kamera beobachtet die sicheren Handgriffe und sanften Gesten, mit denen Ana ihrer Patientin den Übergang in den Tod zu erleichtern versucht. Der fast dokumentarisch anmutende Realismus dieser Momente bildet einen sachlichen Gegenpol zu den subjektiven Nachtaufnahmen während Illays Streifzügen.

Jene sind zugleich Sinnsuche und Flucht vor sich selbst und einer Wirklichkeit, die er nicht bereit ist zu akzeptieren. Ob ihm die Worte und Taten fehlen, seine Gefühle auszudrücken, oder der Regisseur sein selbst verfasstes Drehbuch in eine Sackgasse geschrieben hat, bleibt vage. Was in dem verschlossenen Hauptcharakter vorgeht, kann letztlich auch das Publikum nicht ergründen. Ähnliche Szenen wiederholen sich in leichter Variation, bis sich auch vor der Leinwand mentale Erschöpfung einstellt. Sparsame Dialoge legen das erzählerische Gewicht nahezu gänzlich auf seine Handlungen, die indes wenig verraten.

Fazit

Ob seelischer Schmerz von außen wie emotionale Apathie wirkt, oder umgekehrt, ist eine der unaufgelösten Fragen Saša Vajdas Solo-Spielfilm-Debüts, das in der Sektion Generation der 76. Berlinale Premiere feierte. Sensibilität versinkt schließlich in der erdrückenden Stagnation, die narrative und psychologiche Entwicklungen lähmt. Als verantwortungsvolle Fürsorgerin im Hintergrund ist Pflegerin Ana die interessantere Figur, der weder dramaturgisch noch dramatisch die verdiente Aufmerksamkeit zukommt. Die Parallelen zwischen physischen und psychischen Suchtmustern, Verhaltenszwängen und Selbstmedikation bleiben unscharf. Opake Figurenzeichnung lässt wenig Raum für schauspielerische Akzente, doch kreatives Potenzial ist spürbar. 

Kritik: Lida Bach

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