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2012: Jorge Mario Bergoglio, Kardinalerzbischof von Buenos Aires,  ist enttäuscht vom konservativen Kurs der römisch-katholischen Kirche unter Papst Benedikt XVI. Als Antwort auf sein Austrittsgesuch kommt statt einer Genehmigung eine Einladung nach Rom und so reist der gebürtige Argentinier in den Vatikan. Doch beim Aufeinandertreffen der beiden Geistlichen stellt sich schnell heraus, dass sie nicht nur aus unterschiedlichen Welten stammen, sondern auch ihren jeweils eigenen Blick auf die Gegebenheiten haben. Und je mehr sie über Stillstand und Reform in der historischen Institution diskutieren, wird klar, dass Papst Benedikt Bergoglio nicht ohne Hintergedanken zu sich gerufen hat...

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Über eine halbe Dekade ist es nun schon her, dass Papst Benedikt XVI. nach nicht einmal acht Jahren im Amt seinen Rücktritt als geistliches Oberhaupt der katholischen Kirche verkündete und damit in der Moderne ein wahres Novum darstellte. Seit über 700 Jahren hatte kein Papst mehr diesen Schritt getan und ausgerechnet der Hardliner aus Marktl im oberbayerischen Landkreis Altötting, der dem konversativen Führungsstil seines Vorgängers Johannes Paul II. sogar noch eins draufsetzte, schreckte vor dessen aufopferungsvoller Amtsführung bis in den Tod zurück. Sein Nachfolger, Jorge Mario Bergolio alias Papst Franziskus, machte schon sowohl kurz vor als auch nach seiner Wahl von sich reden durch seine schlichte, verzichtende Lebensweise und sein Reformationsvorhaben, das im Klerus nicht nur auf Begeisterung stieß.

Wie es möglicherweise zu diesem Umschwung in der katholischen Kirche kommen konnte und was wirklich der Grund für Benedikts Rückzug vom Heiligen Stuhl gewesen sein könnte, darüber spekuliert Regisseur Fernando Meirelles (City of God) in seinem Netflix-Film Die zwei Päpste. Denn trotz der beinahe schon dokumentarischen Herangehensweise, bleibt es größtenteils Behauptung, wenn der brasilianische Filmemacher und sein Drehbuchautor Anthony McCarten (Bohemian Rhapsody) hier den Rücktritt Benedikts als Konsequenz aus einem Treffen mit Bergolio im Jahr 2012 darstellen. Zwar basiert die Geschichte durchaus auf dieser wahren Begebenheit, was aber konkret vorging hinter den verschlossenen Türen des Vatikans oder in Benedikts Sommerresidenz, das kann auch dieser Film nicht zweifelsfrei beantworten. Doch auch wenn über den lupenreinen Wahrheitsgehalt des hier Gezeigten sicherlich gestritten werden kann, so tut das Meirelles' Film keinen Abbruch.

Das liegt zum einen daran, dass man mit dem Aufeinandertreffen der beiden, das natürlich die derzeitige Lage der katholischen Kirche zum Thema hat, weder eine dröge Geschichtsstunde, noch einen staubtrockenen Diskurs präsentiert. Dafür betrachten Meirelles und McCarten das ganze Geschehen zu sehr mit einem gewissen Augenzwinkern. Das beginnt schon ganz zu Anfang, wenn Bergolio als Papst bei einer Airline höchstpersönlich einen Flug auf die Flüchtlingsinsel Lampedusa buchen will und die Angestellte in der Leitung das schlicht für einen Scherzanruf hält. Auch in den Dialogen, die natürlich vor allem den Film dominieren, gibt es immer wieder viele heitere Momente. Da pfeift Bergolio beim Toilettengang vor dem Konklave von 2005 angeregt „Dancing Queen“ von ABBA, was dann obendrein auch noch in einer Instrumentalversion dafür herhalten darf, den Einzug der Kardinale zum altehrwürdigen Wahlverfahren in der Sixtinischen Kapelle zu untermalen. Solche pfiffigen Regieeinfälle und auch, dass Meirelles den langwierigen Prozess in einer flotten Montage aus aufgespießten Wahlzetteln und Kugelschreiberklicken abhandelt, könnten Glaubenspuristen sicherlich sauer aufstoßen, doch verleiht es Die zwei Päpste zugleich eine angenehme Leichtigkeit, die ihm durchaus gut zu Gesicht steht.

Auch bei der Zeichnung beider gegensätzlicher Persönlichkeiten, kann sich McCarten, der spätestens seit seinem Drehbuch-Oscar für Die dunkelste Stunde als Hollywoods ausgewiesener Fachmann für Biopics gilt, einige Klischees nicht verkneifen. Benedikt, der alleine zu speisen pflegt, lässt seinem Gast prompt sein Leibgericht, urbayerische Leberknödelsuppe auftischen, später sprechen beide vor einer Budenpizza mit Fanta ein Tischgebet oder schauen gemeinsam Benedikts erklärte Lieblingsserie „Kommissar Rex“. Gänzlich in betulichen Altherrenhumor abgleiten tut der Film, trotz dieser gewissen Albernheiten, dennoch nicht. Das verdankt man neben den meist gelungenen Dialogen aber vor allem dem Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller. Dabei ist es natürlich keine Überraschung, dass der ewige Hannibal Lecter Anthony Hopkins (Das Schweigen der Lämmer) auch als Papst Benedikt XVI. vollauf überzeugen kann, wenngleich der Waliser trotz ähnlichen Alters dann doch nicht ganz so gebrechlich und krank wirkt wie sein reales Pendant.

Doch die eigentliche Offenbarung des Films ist ohnehin Jonathan Pryce (The Man who killed Don Quichote). Bereits bei seinen Auftritten im Fantasy-Serienepos Game of Thrones als geistiges Oberhaupt einer Fundamentalistenbewegung, wurden fleißig Parallelen zu Papst Franziskus gezogen und dass Pryce dem ehemaligen Kardinal Bergolio zudem auch wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt, tat bereits dort sein Übriges. Daher hätte man für diese Rolle schlichtweg keinen besseren finden können als den oftmals übersehenen Charaktermimen. Und obwohl Hopkins im Gegensatz zu ihm natürlich das ungleich bekanntere Schwergewicht ist, so begegnen sie sich hier schauspielerisch absolut auf Augenhöhe. Das unterstreichen Fernando Meirelles und sein Stammkameramann César Charlone (Der ewige Gärtner) auch dadurch, dass sie in Dialogszenen beide in Nahaufnahmen und stets einander ebenbürtig inszenieren.

Das geschieht allerdings beim ersten Aufeinandertreffen im Garten der päpstlichen Sommerresidenz erst nach und nach. Schnell ist klar, dass zwischen dem bayerischen Provinzler und dem argentinischen Jesuiten ganze Welten liegen, die hier dann auch auf gleich mehreren Ebenen aufeinanderprallen. Benedikt verweigert Bergoglio den Rücktritt, deutet diesen sogar als offenen Affront gegen ihn und seine Überzeugungen. Bergoglio, auch schon im Vorfeld einer seiner schärfsten Kritiker, ist hingegen zwar nicht gleich in der Offensive, wirft seinem Obersten Vorsitzenden aber doch recht schnell allerhand Verfehlungen vor. Themen wie das lange Totschweigen des systematischen Kindesmissbrauchs oder der Korruption in der katholischen Kirche werden dabei zwar gestreift, wirklich in die Tiefe geht der Film hier aber leider nicht.

Das ist in der ersten Hälfte dank der hochwertigen Inszenierung und dem bestechenden Miteinander der gestandenen Theatermimen auch weitestgehend verschmerzbar. Schließlich versteht sich Die zwei Päpste bei durchaus kritischen Untertönen immer noch als Unterhaltungsfilm und funktioniert an diesen Stellen auch überraschend gut. Auch dass sich man sich an diesem Punkt darauf verlegt, die angespannte Situation aufzulockern und beide trotz unüberbrückbarer Differenzen auf einen gemeinsamen Nenner und miteinander auskommen zu lassen, ist durchaus nicht unpassend. Veränderung sei immer Kompromiss, heißt es schon früh aus dem Mund des Heiligen Vaters und obwohl es seine tiefste Überzeugung ist, liefert er hier einen unfreiwilligen Metakommentar. Denn auch wenn Meirelles beide stets einander auf gleicher Höhe präsentiert, tut dies das Drehbuch nicht. Das wird spätestens dann zum Problem, wenn die amüsanten Momente immer wieder von teils ausschweifenden Rückblenden in Jorge Bergolios Vergangenheit durchbrochen werden.

Das erscheint zwar anfangs noch legitim, da der Zuschauer mit dessen bewegtem Werdegang längst nicht so vertraut sein dürfte wie mit dem „Wir sind Papst“-Rummel und Medienecho um Joseph Ratzinger. Dass der Film hier aber den Fokus so klar auf Bergolio verlagert, dass sogar kurzzeitig ein jüngerer Darsteller bei dessen Verstrickung in die Militärdiktatur im Argentinien der Siebzigerjahre gezeigt wird, während Ratzingers alles andere als unumstrittener Lebenslauf lediglich mal anklingen darf, erscheint zunehmend unausgewogen. Zwar darf Bergolio mal irritiert aufseufzen, als einer seiner Landsmänner im deutschen Papst lediglich den "Nazi" sieht, ein emotionales Fundament geschaffen wird dafür nicht. 

Entsprechend negativ zum Tragen kommt dieses Ungleichgewicht, wenn Die zwei Päpste beiden gleichermaßen und einander gegenseitig die Absolution erteilen lassen möchte. Es scheint nur konsequent, Bergolios Schuldgefühle mit der Reue und den Selbstzweifeln Benedikts gegenüberzustellen. Das geschieht zwar, doch wirkt das Eine greifbar, während Hopkins' Geständnismonolog plötzlich erst auf Ton-, dann auf Bildebene ins Off verbannt wird. Und plötzlich findet sich der Zuschauer dort wieder, wo er normalerweise diesem Moment beigewohnt hätte: vor einer verschlossenen Tür. Dass der Film ausgerechnet vor der allseits bekannten NS-Vorgeschichte Ratzingers oder aber dessen Kenntnis über sexuelle Missbrauchsfälle zurückschreckt, diese buchstäblich unausgesprochen im Raum lässt und genau an den entscheidenden Stellen seltsame Kompromisse eingeht, hinterlässt spätestens hier einen deutlich bitteren Nachgeschmack. Vor allem aber wirkt es fast so, als hätte man im Nachhinein an Meirelles' Film herumgeschraubt, um möglicherweise den Heiligen Stuhl nicht zu brüskieren. Oder aber, um den Netflix-Zuschauer nicht zu sehr aus seiner wohligen Sonntagnachmittags-Stimmung zu reißen. 

Fazit

Wie zu erwarten, trumpft "Die zwei Päpste" mit einem grandiosen Hauptdarsteller-Duo auf und empfiehlt sich damit klar als nächste Netflix-Produktion für die kommende Oscarverleihung. Dennoch ist es schade, dass der Film seiner bisweilen leichtfüßigen Inszenierung zum Trotz vor tieferen Wahrheiten kapituliert und damit einen der Beteiligten vergleichsweise allzu glimpflich davon kommen lässt. Das macht die vor allem visuell hochwertige Netflix-Produktion zwar nach wie vor noch sehenswert und wohl auch insbesondere für diejenigen, die mit der Kirche wenig bis gar nichts am Hut haben. Trotz Streamingdienst-Herkunft ist aber auch “Die zwei Päpste“ schlussendlich spürbar von der typischen Krankheit moderner Hollywood-Biopics befallen, bei denen die exzellenten Schauspieler einen ingesamt besseren Film verdient gehabt hätten.

Autor: Dominik König

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