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IMDb-ID
tt0133093
TMDB-ID
TMDB: 603
Movie-ID
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Startdatum
Start: 21.09.2026 oder Start: 2026
Dauer
Dauer: 120 (Minuten)
Regie
Regie: Nolan
Drehbuch
Drehbuch: Nolan
Cast
Cast: Reeves

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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Der in die Jahre gekommene, verschrobene, milliardenschwere Erdölmagnat Digger Rockwell (Tom Cruise) hat durch seine skrupellosen Geschäftstaktiken eine Umweltkatastrophe verursacht, die unter anderem das ewige Eis der Polarkappen schmelzen lässt und Tsunamis verursacht, die wiederum Atomkraftwerke beschädigen. Nun steht die Menschheit kurz vor dem Aus, die Welt versinkt im Chaos, alle bereiten sich schon auf die kurz bevorstehende Apokalypse vor, einzelne Nationen bringen Truppen in Stellung. Nun verlangt der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (John Goodman) von Digger Rockwell, die Suppe, die er allen eingebrockt hat, selbst auszulöffeln und den Planeten zu retten. Dieser nimmt die Herausforderung an, denn als Egomane käme es ihm ganz recht, als großer Retter der Menschheit dazustehen.

Quelle: themoviedb.org

Kritik

Was soll das? Keine drei Wörter beschreiben Digger so gut und so passend. Es braucht nur wenige Minuten, da sollte auch dem Letzten klar sein, dass Alejandro G. Iñárritu und Tom Cruise hier keinen handelsüblichen Hollywood-Film präsentieren. Stattdessen rollt ein gnadenlos energetisches Pamphlet über das Publikum hinweg, das sich irgendwann selbst die Frage stellt, ob es nun Satire oder Farce sein möchte. Die Antwort lautet vermutlich: beides. Oder alles. Denn in Digger ist Übertreibung nicht nur Mittel zum Zweck, sondern Programm. Iñárritu dreht jede Schraube ein paar Umdrehungen zu weit, bis aus politischer Wut schiere Groteske wird. Das ist laut, anstrengend, wütend, manchmal geradezu erschöpfend – und verdammt aufregend.


Tom Cruise trifft auf Iñárritus radikalsten Film


Wer Digger wegen Cruise sehen möchte, bekommt zunächst genau das, was erwartet wird – und dann sehr schnell sehr viel mehr. Cruise gilt völlig zu Recht als einer der letzten echten Movie Stars Hollywoods. Seine Mission: Impossible-Reihe ist längst Kinogeschichte, auch wenn der vermeintliche Abschluss kommerziell wie künstlerisch weniger überzeugte als erhofft. Gleichzeitig wollte Cruise schon immer beweisen, dass hinter dem Superstar auch ein ernstzunehmender Schauspieler steckt. Geboren am 4. Juli, Eyes Wide Shut, Magnolia oder Collateral lieferten dafür reichlich Argumente. Trotzdem hatte sein Star-Image stets die Angewohnheit, seine darstellerischen Qualitäten zu überstrahlen.


Digger scheint nun die perfekte Lösung für dieses Problem gefunden zu haben: Cruise muss sich hier nicht zwischen Schauspieler und Superstar entscheiden. Er darf beides gleichzeitig sein. Seine Figur ist weitaus facettenreicher, als es die ersten Minuten vermuten lassen, und Cruise bekommt Gelegenheit, hemmungslos aufzudrehen, genauso wie sich in überraschend stillen Momenten zurückzunehmen. Gerade dieser Wechsel funktioniert hervorragend. Sein Spiel passt sich der völligen Maßlosigkeit des Films an, ohne darin unterzugehen. Cruise weiß genau, wann er schreien, gestikulieren und die große Bühne an sich reißen muss – und wann ein Blick genügt.


Doch er steht damit keineswegs allein. Auch Riz Ahmed, John Goodman, Sandra Hüller und Michael Stuhlbarg liefern großartige Leistungen. Allerdings sind sie weniger klassische Figuren als vielmehr wandelnde Spielfiguren in einem riesigen, zunehmend absurden Szenario. Das kann auf den ersten Blick billig oder überzeichnet wirken. Tatsächlich ist genau diese Überhöhung aber Teil des Konzepts. Iñárritu interessiert sich nicht für realistische politische Debatten. Er will keine feinen Zwischentöne setzen, wenn er stattdessen mit einem Vorschlaghammer auf die Gegenwart einschlagen kann.


Wenn Übertreibung zur Kunstform wird


Im Grunde ist in Digger alles zu viel. Wenn Cruise um das Leben seiner 30 Jahre alten Katze bangt. Wenn er vor einem Senat eine derart wallende Rede hält, dass danach dankbar für eine einzige Sekunde ohne Geschrei, Gestik und Geraune sein dürfte. Wenn über die politische Zukunft der Vereinigten Staaten nach einer Umweltkatastrophe diskutiert wird. Iñárritu kennt hier kaum eine Situation, die nicht noch größer, noch lauter oder noch absurder ausfallen könnte.

Und genau deshalb dürfte der Film spalten.


Wer ein zurückhaltendes Drama erwartet, wird vermutlich schon nach kurzer Zeit kapitulieren. Digger ist kein Film, der seine Botschaft elegant zwischen den Zeilen versteckt. Er stellt sie auf den Tisch, schiebt sie dem Publikum ins Gesicht und wartet anschließend beinahe herausfordernd darauf, was dieses damit anfangen möchte. Iñárritu richtet seinen Zorn gegen eine Gegenwart, in der politische Macht, wirtschaftliche Interessen, Umweltzerstörung und gesellschaftliche Ohnmacht längst kaum noch voneinander zu trennen sind. Diplomatie ist hier nicht vorgesehen. Es gibt Aufschrei, Wut und eine Menge Galle.


Das kann man selbstverständlich furchtbar finden. Mehr noch: Man kann sich von diesem Film regelrecht angebrüllt fühlen. Aber genau darin liegt auch sein Reiz. Digger ist kein feinfühliger Film. Er ist elegant, visuell verspielt und handwerklich herausragend, gleichzeitig aber brachial, angekotzt und unerbittlich. Hinter der Kamera sorgt Emmanuel Lubezki für Vista-Vision-Bilder, die der Eskalation jederzeit gewachsen sind. Seine Arbeit gibt diesem Wahnsinn eine visuelle Größe, die verhindert, dass das Ganze lediglich wie eine überlange politische Tirade wirkt.


Farce, Satire und ein ziemlich bitterer Blick auf die Gegenwart


Spätestens seit Birdman ist klar, dass Iñárritu nicht unbedingt daran interessiert ist, seine Meinung dezent zu verpacken. Damals nahm er vor allem eine bestimmte Branche und die Menschen innerhalb dieser Branche auseinander. Digger greift deutlich weiter aus. Dieser Film will nicht nur einen kleinen Teil der Gesellschaft sezieren. Er will alles. Politik, Macht, Medien, Umwelt, Kapitalismus, gesellschaftliche Verantwortung und die Frage, wie lange Menschen eigentlich dabei zusehen, bevor sie selbst explodieren.


Das macht Digger enorm fordernd. Mitunter sogar regelrecht überfordernd. Trotzdem lohnt es sich, diese Energie zurückzugeben. Denn der Film überrascht nicht nur durch seinen Look und seine schiere Lautstärke. Auch erzählerisch hält Iñárritu einige Karten bewusst lange zurück. Eine zentrale Enthüllung verändert den Blick auf das zuvor Gesehene und dürfte ebenfalls ein Punkt sein, an dem sich die Geister scheiden. Man kann das furchtbar finden oder grandios.


Entscheidend ist dabei, dass Iñárritu nicht unmittelbar danach alles erklärt. Die Wahrheit entfaltet sich stattdessen nach und nach aus dem Verlauf der Geschichte. Das Drehbuch kann sich zwar nicht immer davor retten, Informationen etwas zu offensichtlich an das Publikum zu verfüttern. Insgesamt traut Digger seinen Zuschauer*innen aber erstaunlich viel zu. Die einzelnen Bestandteile fügen sich mit zunehmender Laufzeit immer besser zusammen. Was zunächst wie reiner Irrsinn wirkt, ergibt irgendwann erzählerisch, stilistisch und ästhetisch Sinn.


Und plötzlich wird auch klar, was Digger eigentlich ist: eine Farce, eine Satire, ein pessimistischer Kommentar und gleichzeitig ein ziemlich wütender Schrei. Vielleicht sogar alles gleichzeitig - und ja der Film suhlt sich sehr in seiner eigenen Überheblichkeit. Aber auch das passt wunderbar ins Gesamtbild.


Das macht den Film natürlich nicht automatisch angenehm. Es macht ihn aber bemerkenswert. In einem Hollywood, das sich zunehmend selbst kannibalisiert und Wiederholung gerne zur Kunstform erklärt, tut ein Film wie Digger schlicht gut. Hier hat jemand eine enorme Idee, zieht sie kompromisslos durch und nimmt dabei in Kauf, dass ein Teil des Publikums irgendwann nur noch genervt den Kopf schüttelt. Das ist Courage – ob einem das Ergebnis schmeckt oder nicht.


Und es würde kaum überraschen, wenn Digger nach seinem Kinostart ordentlich Gegenwind bekommt. Schlechte Mundpropaganda, Häme und ratlose Reaktionen dürften genauso zum Begleitprogramm gehören wie begeisterte Stimmen. Sei's drum. Ein Film, der derart kompromisslos seinen eigenen Weg geht, muss nicht jedem gefallen. Vor allem aber überrascht Digger immer wieder. Und das ist heutzutage fast schon eine kleine Sensation. Viele werden diesen Film furchtbar finden. Das wirklich Furchtbare an Digger ist allerdings etwas anderes: Dass es leider keine Science-Fiction ist.

Fazit

Eine schön anstrengende Groteske auf unsere Gegenwart. Künstlerisch laut und atemberaubend dargeboten, mit der geballten Faust nicht in der Tasche, sondern weit nach oben gereckt. Ein wunderbar ätzendes Schaulaufen aus Pessimismus, Überheblichkeit und dem rasenden Willen, sich mal so richtig auszukotzen.

Kritik: Sebastian Groß

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