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Quelle: themoviedb.org

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Odysseus auf seiner gefährlichen Heimreise nach dem Trojanischen Krieg, mit Begegnungen mit Polyphem, den Sirenen, Circe und dem Wiedersehen mit seiner Frau Penelope.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

gehört zu den wenigen Regisseuren, deren neue Filme unabhängig vom Stoff automatisch als Kinoereignis wahrgenommen werden. Das liegt nicht allein an seinem Namen, sondern an einer Arbeitsweise, die im modernen Blockbusterkino immer seltener geworden ist. Statt möglichst viel vor Greenscreens entstehen zu lassen, setzt Nolan auf reale Schauplätze, praktische Effekte und echte Kulissen.

Diese Liebe zum Handwerk war auch dann spürbar, als seine letzten beiden Filme Tenet und Oppenheimer zunehmend hinter ihren Konzepten zurückblieben. Während Tenet sich in seiner Konstruktion verlor und Oppenheimer trotz seiner handwerklichen Brillanz eine emotionale Distanz bewahrte, wirkt Die Odyssee wie eine Rückbesinnung auf jene Qualitäten, die Nolan zu einem der wichtigsten Blockbuster-Regisseure seiner Generation gemacht haben.

Ein Homer-Epos im typischen Nolan-Gewand

Dabei verzichtet der Brite keineswegs auf seine bekannte Handschrift. Homers Epos wird nicht chronologisch erzählt, sondern in einzelne Fragmente zerlegt (genau wie in der Vorlage), die sich erst nach und nach zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Diese Struktur erweist sich jedoch nicht als selbstverliebtes Stilmittel, sondern als kluge Entscheidung. Gerade weil viele Zuschauer glauben, die Geschichte bereits zu kennen, entsteht durch die verschachtelte Erzählweise eine neue Spannung. Die anfängliche Orientierungslosigkeit gehört zum Konzept und entwickelt sich schnell zu einem reizvollen Bestandteil des Filmerlebnisses.

Bemerkenswert ist außerdem das Erzähltempo. Trotz seiner langen Laufzeit entwickelt Die Odyssee einen konstanten Sog. Die Reise des Odysseus bleibt nahezu durchgehend fesselnd und lässt den Film deutlich kürzer erscheinen, als er tatsächlich ist. Erst im letzten Drittel verliert die Inszenierung an Dynamik, wenn einzelne Handlungsstränge mehr Raum erhalten, das Tempo spürbar nachlässt und erneut unter Beweis gestellt wird, dass Nolan kein wirklich guter Action-Regisseur ist. Das ist verschmerzbar, aber dennoch sehr schade, denn wäre das Finale ein wenig überzeugender, hätte Die Odyssee durchaus das Potenzial eines ewigen Klassikers gehabt.

Matt Damon trägt das Abenteuer – das Ensemble nicht immer

Einen wesentlichen Anteil daran hat , der mal wieder seinen Weg nach Hause auf der Leinwand sucht. Der Good Will Hunting-Star trägt den Film mit großer Selbstverständlichkeit. Nolan zeichnet keinen überhöhten Helden und auch keinen verschmitzten Trickser, sondern einen vom Krieg und seinen Entscheidungen gezeichneten Menschen. Gerade diese ruhigere Interpretation verleiht der Figur eine glaubwürdige Schwere. Zwar fehlt stellenweise jene List, die den literarischen Odysseus auszeichnet, insgesamt überzeugt Damons Darstellung jedoch als emotionales Zentrum des Films.

Weniger gelungen fällt dagegen die Figurenzeichnung vieler Nebenrollen aus. Die Mannschaft des Odysseus bleibt trotz zahlreicher gemeinsamer Szenen erstaunlich konturlos - von  mal abgesehen. Dadurch verlieren einige Schlüsselmomente an emotionaler Wirkung. Auch zahlreiche prominente Nebendarsteller*innen erhalten kaum Gelegenheit, ihre Figuren nachhaltig zu prägen. Das hochkarätige Ensemble dient häufig eher als schmückendes Beiwerk denn als dramaturgische Bereicherung.

Während bekannte Namen und Gesichter wie oder  eher verschenkt werden, sind es tatsächlich die ewigen Nebendarsteller*innen, die bei Die Odyssee glanzvoll performen:  als blinder Eumaios und Samantha Morton als Circe dominieren jede ihrer Szenen mit Leichtigkeit. Bei Mortons Part kommt auch hinzu, dass Nolan hier auf wunderbar erschreckende Weise beweist, dass er kein guter Action-Regisseur ist, aber im Bereich Horror durchaus deutlich erkennbares Talent besitzt. Wer wissen will, wie der Regisseur von Interstellar Body-Horror einfängt, wird es nach Die Odyssee wissen - und hoffentlich begeistert sein! Allgemein besitzt der Film viele atmosphärische Szenen, die einen klaren Hang zum Horror-Genre besitzen.

Liebesbeweis an die Leinwand: Kino zum anfassen

Nicht ganz so viel Liebe gibt es leider für die Handlung auf Ithaka. Während die Reise des Odysseus ständig neue Orte, Gefahren und mythologische Begegnungen präsentiert, wirken die Szenen im Palast vergleichsweise statisch. Die Intrigen um Penelope (), Telemachos () und die Freier (unter anderem ) sind zwar unverzichtbarer Bestandteil der Geschichte, wiederholen sich jedoch stellenweise. Immer dann, wenn der Film nach Ithaka zurückkehrt, verliert die Erzählung etwas von jener Abenteuerlust, die die übrigen Episoden so mitreißend macht.

Seine größten Stärken spielt Nolan dagegen erneut als Regisseur aus. Es macht einen sichtbaren Unterschied, ob echte Schiffe über echtes Wasser fahren oder digitale Modelle durch computergenerierte Wellen gleiten. Die Materialität der Bilder verleiht Die Odyssee eine Wucht, die heutigen Blockbustern oft fehlt. Jede Einstellung vermittelt das Gefühl, dass hier tatsächlich etwas vor der Kamera existiert. Gerade in Zeiten zunehmend austauschbarer CGI-Spektakel wirkt diese Konsequenz beinahe außergewöhnlich. Hinzu kommt eine Bildsprache, die immer wieder mit erstaunlicher Präzision erzählt. Oft reichen wenige Sekunden aus, um ganze Entwicklungen oder Entscheidungen verständlich zu machen. Nolan vertraut seiner Inszenierung und erklärt deutlich weniger, als viele andere Regisseure es tun würden. Genau darin liegt eine seiner größten Qualitäten.

Auch bei den Frauenfiguren sind Fortschritte erkennbar - erwartet aber keine Zäsur. Zwar bleiben einige Rollen deutlich kleiner, als es ihre prominente Besetzung vermuten lässt, dennoch wirken insbesondere Penelope und weitere zentrale Figuren aktiver und eigenständiger als in früheren Nolan-Filmen. Vollständig gelöst ist dieses Problem zwar nicht, doch die Entwicklung ist unverkennbar.

Formaler Anspruch und mitreißendes Abenteuer vereint

Die Odyssee ist deshalb nicht Nolans makelloses Meisterwerk. Dafür bleiben manche Nebenfiguren zu blass, die Handlung auf Ithaka zu repetitiv und das Schlussdrittel etwas zu lang. Gleichzeitig gelingt dem Regisseur etwas, das seinen beiden vorherigen Filmen nur eingeschränkt gelang: Er verbindet seinen formalen Anspruch wieder mit einer mitreißenden Abenteuergeschichte. Das Ergebnis ist ein monumentales Epos ohne zu zwanghaft nur auf Exorbitanz zu vertrauen.

So ist die Troja-Episode eindrucks- und wirkungsvoll, schaut man aber genau hin, wird klar, dass Nolan hier kein zweites Helms Klamm liefert. Eher die Miniatur davon und dennoch ist es reine Kino-Magie, die das Publikum fordert, ohne sich in seiner Konstruktion zu verlieren, und eindrucksvoll beweist, dass großes Blockbusterkino auch heute noch mit echten Bildern, praktischen Effekten und klassischem Erzählen begeistern kann. Nach den unterkühlteren Experimenten der vergangenen Jahre markiert Die Odyssee damit eine überzeugende Rückkehr zu Nolans größten Stärken – und zugleich einen der besten Filme seiner jüngeren Karriere.

Fazit

Christopher Nolan beweist, dass Kino noch immer magisch sein kann: ein Erlebnis, das Handwerk, Vision und Spektakel miteinander verbindet. Kein perfektes Epos, aber ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass große Geschichten auf der Leinwand weiterhin atmen, staunen und überwältigen können. Endlich wieder ein Werk, das für die große Leinwand geschaffen wurde und diese kompromisslose Hingabe in nahezu jeder Einstellung spürbar macht.

Kritik: Sebastian Groß

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