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Inhalt

Eigentlich führt Connie eine harmonische Ehe, auch wenn sich der Alltag immer mehr einschleicht. Als sie zufällig den Franzosen Paul kennenlernt, geht sie daher eine Affäre mit ihm ein und gefährdet ihre Ehe.

Kritik

Fast schon scheint es so, als würde der Sturm, der lautstark und naturgewaltig durch die Straßen von New York fegt, einer schicksalhaften Fügung gleichkommen. Er ist es gewesen, der Connie (Diane Lane, Im Netz der Versuchung) aus ihrem bürgerlichen Vororthäuschen geradewegs in die Arme des jungen Franzosen Paul (Olivier Martinez, Knight and Day) getrieben hat. Dabei ist Connie glücklich mit Edward (Richard Gere, Ein Offizier und Gentleman) verheiratet, sie haben einen gemeinsamen Sohn (Erik Per Sullivan, Malcolm mittendrin) und ihre Ehe ist auch nicht eingefroren, auch wenn sich nach all den Jahren des Zusammenseins eine unvermeidliche Routine in den Alltag eingeschlichen hat. Gerade dadurch aber gewinnt Untreu von Adrian Lyne (Eine verhängnisvolle Affäre) an zwischenmenschlicher Dynamik: Er arbeitet mit bitteren, grausamen, aufregenden Widersprüchen. 

Untreu lässt seine Charaktere irrational handeln, gesteht ihnen in ihren Verhaltensweisen aber gleichzeitig auch immer eine hochspannende Nachvollziehbarkeit zu. Nachdem Connie aufgrund des heftigen Windes von den Beinen geholt wurde und sich dabei die Knie aufschlägt, greift ihr Paul unter die Arme, verarztet sie in seinem Aparatment und lässt seinen Charme spielen, ohne es darauf anzulegen. Dass Connie dem französischen Adonis verfällt, hat in den Augen von Adrian Lyne, der hier eine Neuauflage von Claude Chabrols Die untreue Frau inszeniert hat, zwei Bedeutungen: Absoluter, moralisch verwerflicher Selbstverlust sowie die urtriebige, entfesselte Hingabe zu sexuellen Gelüsten. Daraus entsteht ein Gefühlscocktail, der das schlechte Gewissen immer mit dem Feuer der Leidenschaft abpasst, der Schuld und Sühne untrennbar vereint, der Ekstase und Beklemmung auf einen Nenner bringt.

Neu ist die Geschichte, die uns Untreu unterbreitet, natürlich nicht. Der Seitensprung als Kristallisationspunkt innerseelischer und -familiärer Dilemmata. Adrian Lynes Konzentration auf Details, Andeutungen, Gelegenheiten und Perspektiven aber macht diese eigentlich konventionelle Erzählung zu einer packenden. Das betrifft sowohl Connie, die durch die Affäre mit Paul deswegen hin- und hergerissen, weil sie weiß, dass sie nicht nur ihren Ehemann betrügt, sondern auch sich selbst. Ihr Kontrollverlust offenbart immer ein lachendes und ein weinendes Auge, ihr Körper vibriert nicht nur vor Lust, sondern auch aufgrund der Angst, alles, was sie sich über die letzten Jahre aufgebaut hat, durch einige heißblütige Ficks mit einem dahergelaufenen Schönling gegen die Wand zu fahren. Und natürlich betrifft das auch Edward, der alsbald Verdacht schöpft, weil er Ungereimtheiten in ihren Aussagen und ihrem Auftritt erkennt.

Auch hier kommt es wieder auf die Details und Andeutungen an: Edward merkt von Beginn an, dass irgendetwas nicht stimmt. Adrian Lyne sagte einmal, dass Untreu ein Film über die Körpersprache der Schuld ist – und dank seiner formidablen Darsteller, die sich aufopferungsvoll zu physischen Bravourleistungen aufgeschwungen haben, stimmt diese Aussage auch. Die hier ungemein begehrenswerte Diane Lane ist eine Sensation, ihre temperamentvolle, neugierige und ebenso zerbrechlich-zittrige Performance gibt Untreu Herz und Seele. Richard Gere mag vorerst etwas zu routiniert durch das von Suspense angefeuerte Szenario wandeln, im Angesicht der Trümmer seiner Ehe aber zeigt auch Gere eine Leistung, die durchaus zu fesseln weiß, weil sich sein Edward genauso wie Connie – hilflos den aufwallenden Emotionen ins Auge blickend und den Konsequenzen von Geheimnissen ausgeliefert - schuldig macht.

Fazit

Sicherlich ist kein "Untreu" kein Meisterwerk über die katastrophale Wechselwirkung von Moral und Amoral, dafür bleibt Adrian Lyne letztlich eben doch zu sehr Schönfilmer, aber "Untreu" kann als stark gespielter Suspense-Thriller über die Körpersprache der Schuld und den Gefahren von Geheimnissen durchaus überzeugen. Schade, dass sich Adrian Lyne nach diesem Film von der Leinwand zurückgezogen hat, immerhin scheint er hier endgültig verstanden zu haben, welche Kraft Details, Andeutungen und Gelegenheiten innewohnt. Ein sehenswerter Film, verführerisch und bitter, auch wenn er immer wieder mal auf der Stelle trabt.

Autor: Pascal Reis

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