Inhalt
Der Mord an einer palästinensisch-amerikanischen Aktivistin in Südkalifornien löst eine 40-jährige Suche nach Gerechtigkeit aus und legt die Ursprünge der gefährlichen Ideologie einer modernen politischen Bewegung offen.
Kritik
Ein gezielter Anschlag auf einen palästinensischen Aktivisten wird in Jason Osder und William Lafi Youmans metikulöser Doku zum politischen Prisma, dessen zeitkritischer Fokus sich tief in die systemischen Schichten US-amerikanischer Geschichte und internationaler Machtdynamik brennt. Filmische Spurensuche zu dem bis heute ungelösten Kriminalfall und zeitgeschichtlicher Spiegel verflechten sich zu einem aufrüttelnden Plädoyer für juristische Rechenschaft und gesellschaftliche Toleranz. Dessen ungebrochene Dringlichkeit unterstreichen die dicht aufeinanderfolgende Premiere im nationalen Wettbewerb für Dokumentarfilm von Sundance sowie Aufführung im Programm der 76. Berlinale.Im Zentrum der investigativen Bestandsaufnahme steht die Frage nach den Strippenziehern und Hintergründen des tödlichen Attentats auf den 41-jährigen Direktor des American-Arab Anti-Dsicrimination Committee Alex Odeh am 11. Oktober 1985. Eine in seinem Büro im kalifornischen Santa Ana platzierte Bombe tötete den in Palästina geborenen Lektor und Autor, der sich für die Grundrechte seiner Landsleute sowie den religionsübergreifenden Dialog einsetzte. Das brutale Ersticken der unter Gesinnungsgenoss*innen hochgeschätzten, von seinen politischen Gegnern verhassten Stimme für religiöses Miteinander hinterließ seine Familie in Schock und bleibende Narben in der arabischen Gemeinde. Osder beschäftige sich bereits in seiner vielbeachteten Dokumentar-Chronik Let the Fire Burn mit zivilrechtlichem Aktivismus und dessen staatlich gesteuerter Unterdrückung. Gemeinsam mit dem auf transnationale Medienpolitik spezialisierten Akademiker Youmans kombiniert er detektivische Nachforschungen mit einer hintergründigen Analyse des zeitpolitischen Spannungsfelds, in das Odeh geriet. Aktuelle und damalige Interviews mit Hinterbliebenen und Wegbegleitenden, akribisch aufbereitetes Archivmaterial und private Zeugnisse verdichten sich zu einer vielschichtigen Reflexion über Themen von alarmierender Relevanz: die Kontinuität gesellschaftlicher Diskriminierung, Justizversagen und das poröse Rechtssystem der Vereinigten Staaten.
Fazit
In bilateraler Form durchleuchten Jason Osder und William Lafi Youman den seit mehr als vier Jahrzehnten ungeklärten Mord an Alex Odeh. Polizeiliche Fotos, Ermittlungsprotokolle und Nachrichten-Ausschnitte wechseln mit persönlichen Erinnerungen, familiären Einblicken und historischem Kontext. Diese strategische Struktur verankert die blutige Tat in multilateraler Diskriminierung und fundamentalistischer Ideologie. Behördliche Vertuschung, kulturelle Konflikte und mediale Hetze sind die Eckpfeiler eines fesselnden Recherche-Kinos. Das erschließt die psychologische Tiefe des menschlichen und kollektiven Verlusts und zeigt wie Machtverhältnisse historische Narrative formen. Thriller-würdige Spannung trifft auf eine scharfsichtige Sektion von Xenophobie und institutioneller Ignoranz
Autor: Lida Bach