Als Die Wildgänse kommen 1978 in die Kinos kam, entwickelte sich der nicht umunstrittene Söldnerfilm zu einem internationalen Erfolg. Das prominent besetzte Kriegsabenteuer begeisterte das Publikum und etablierte sich rasch als moderner Klassiker seines Genres. Eine Fortsetzung schien deshalb nur folgerichtig. Ursprünglich war vorgesehen, dass Richard Burton erneut die Hauptrolle übernimmt und an den Triumph des Vorgängers anknüpft. Sein Tod im August 1984 machte diese Pläne jedoch zunichte und zwang die Produzentinnen zu einer grundlegenden Neuausrichtung des Projekts.
Anstatt die Handlung direkt fortzuführen, entstand eine eigenständige Geschichte mit neuen Figuren, die den Geist des Originals bewahren sollte. Die Hauptrolle übernahm schließlich Scott Glenn, unterstützt von einem namhaften Ensemble So wurde Die Wildgänse 2 – Sie fliegen wieder weniger zu einer direkten Fortsetzung als vielmehr zu einem eigenständigen Söldnerabenteuer, das den Erfolg des ersten Films wiederholen sollte.
Bond-Regisseur drehte Möchtegernversion von John le Carré
Dieser Richtungswechsel ist bereits nach wenigen Minuten spürbar. Regisseur Peter R. Hunt (James Bond 007 - Im Geheimdienst Ihrer Majestät) verabschiedet sich weitgehend von der kompromisslosen Söldner-Action des Vorgängers und orientiert sich stattdessen an den verschwörerischen Spionagegeschichten eines John le Carré. Das klingt auf dem Papier nach einer spannenden Idee, entpuppt sich in der Praxis jedoch als überraschend zähe Angelegenheit. Die Geschichte wird ausgesprochen geradlinig erzählt, verliert sich immer wieder in langatmigen Dialogen und unnötigem Füllmaterial, das den Film ausbremst, anstatt zusätzliche Spannung aufzubauen. Was einst ein schmutziges, kantiges Abenteuer war, wirkt nun erstaunlich behäbig.
Dabei mangelt es ausgerechnet der Hauptfigur nicht an Überzeugungskraft. Scott Glenn bringt genau die Präsenz und das Charisma mit, die man von einem Anführer einer Söldnertruppe erwartet. Selbst dann, wenn das Drehbuch ihm kaum Gelegenheit gibt, seiner Figur Konturen zu verleihen, trägt er viele Szenen allein durch seine Ausstrahlung. Leider reicht das nicht aus, um die Schwächen des Films zu kaschieren. Dafür bleibt die Handlung zu oberflächlich und zu wenig packend, um aus ihrer interessanten Ausgangslage echtes Spannungskino zu entwickeln.
Schlechte Nazis, gute Nazis und dazwischen solide Action
Viel auffälliger als die eigentliche Mission ist ohnehin ihr Ziel. Tatsächlich dreht sich die Geschichte um die Befreiung von Rudolf Heß aus dem Gefängnis in Berlin. Heß war während des Dritten Reichs Hitlers Stellvertreter und gehörte zu den ranghöchsten Nationalsozialisten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er im Nuremberg trials zu lebenslanger Haft verurteilt und verbrachte Jahrzehnte im Spandau Prison. Dass ausgerechnet diese historische Figur zum Mittelpunkt eines Actionthrillers gemacht wird, ist bereits eine gewagte Entscheidung. Noch fragwürdiger wird sie durch die Art, wie der Film mit ihr umgeht.
Laurence Olivier spielt den alten Heß zwar mit beeindruckender Ruhe und großer Würde, wodurch seine Szenen zweifellos zu den erinnerungswürdigsten des Films gehören. Problematisch ist jedoch, dass diese Darstellung den historischen Hintergrund zunehmend ausblendet. Zwischen den Söldnern und dem betagten Gefangenen entwickelt sich beinahe eine großväterliche Vertrautheit, die heute mehr Stirnrunzeln als Mitgefühl hervorruft. Olivier spielt hier den Alt-Nazis wirklich sehr viel anders, als in Der Marathon-Mann von 1976.
Hinzu kommen Dialoge, die irritierende Signale aussenden und die in der deutschen Fassung vorsichtshalber entfernt wurden. Besonders Edward Fox hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Mit seinem britischen Understatement dominiert er zwar nahezu jede Szene, doch das Drehbuch lässt seine Figur zunächst rassistische Äußerungen eines Kameraden tadeln, um wenig später beinahe pathetisch zu suggerieren, Heß sei im Grunde ein bedauernswerter alter Mann, der seine Haft längst verbüßt habe. Diese Widersprüche wirken nicht provokant oder vielschichtig, sondern schlicht irritierend.
Die wenigen Actionsequenzen sind solide inszeniert und handwerklich ordentlich umgesetzt, doch echte Höhepunkte sucht man vergeblich. Nichts erreicht die Intensität oder den Abenteuergeist des Vorgängers. So überrascht es kaum, dass viele Fans des ersten Films damals enttäuscht reagierten. Statt den erfolgreichen Söldnerfilm konsequent weiterzuentwickeln, schlägt die Fortsetzung einen Weg ein, der weder als Spionagethriller überzeugt noch als Actionfilm nachhaltig in Erinnerung bleibt.