Nach dem Erfolg von A Quiet Place (2018) erlebten wir einen regelrechten Boom an Filmen mit dystopischem Setting, monströsen Bedrohungen und dem Fokus auf Familien statt klassischen Actionheldinnen. Werke wie Bird Box und The Silence (beide 2018), Arcadian oder Never Let Go (beide 2024) zeigten, dass das Publikum weniger von überlebensgroßen Figuren als von verletzlichen Protagonistinnen in extremen Situationen fasziniert wird. Zwar ist es übertrieben, A Quiet Place als alleinige Inspirationsquelle zu nennen, doch der kommerzielle Erfolg des Films verschaffte ähnlichen Projekten den nötigen Startschuss. Heute, wo das Franchise selbst nicht mehr so omnipräsent ist, hätte Worldbreaker theoretisch mehr Raum, um Aufmerksamkeit zu erregen.
Zwischen Familiendrama und Action
Brad Anderson, der mit Session 9 (2001) und Der Maschinist (2004) bewies, dass er atmosphärisch dicht inszenieren kann, versucht in Worldbreaker eine Mischung aus dystopischem Familiendrama und Action. Der prominente Einsatz von Resident Evil-Star Milla Jovovich täuscht über die begrenzte Präsenz ihrer Figur hinweg, deren Screentime stark eingeschränkt ist. Der Film schwankt daher unentschlossen zwischen emotionaler Introspektion und überdrehten Momenten der Spannung. Keine der beiden Seiten entfaltet die nötige Wirkung, um den Film wirklich fesselnd zu machen.
Die titelgebenden Breaker bleiben diffus und wenig greifbar, ihr Design wirkt uninspiriert, die eingeführten Regeln werden eher monoton erklärt als organisch nachvollziehbar. Schon bald spielt es kaum eine Rolle, wie das Universum funktioniert, weil die Bedrohung keine zwingende Dringlichkeit vermittelt. Anderson zeigt zwar zwischendurch sein Können – etwa in einem gelungenen One-Shot –, doch die Welt, die er aufbaut, bleibt emotional und visuell uninspiriert. Das Drehbuch liefert keine belastbaren Figurenbeziehungen, und die technische Umsetzung wirkt häufig eher durchschnittlich.
Das erzählerische Zentrum der Familie (dargestellt von Luke Evans und Billie Boullet) bleibt blass, Konflikte wirken konstruiert und verlieren sich in der generischen Handlung. Anderson versucht sowohl intime Momente als auch actionreiche Sequenzen unterzubringen, doch keiner der Ansätze erzielt nachhaltig Wirkung. Die wenigen gelungenen Szenen können das Defizit an Spannung nicht ausgleichen. Emotionale Bindung entsteht kaum, und das dystopische Setting bleibt eher ein austauschbarer Hintergrund ohne eigene Faszination.
Viele offene Fragen, keine wirkliche Neugier
Das offene Ende verstärkt diesen Eindruck: Worldbreaker wirkt eher wie ein überlanger Kurzfilm als ein abgeschlossener Spielfilm. Die Erzählung deutet klar auf eine Fortsetzung hin, doch offene Fragen wecken kaum Neugier, sondern hinterlassen ein Gefühl von Unvollständigkeit. Figuren, Handlung und Bedrohung fügen sich nicht zu einem konsistenten Ganzen, sodass der Film den Eindruck eines Zwischenwerks vermittelt.
Technisch bewegt sich der Film auf mittlerem Niveau. Kamera, Schnitt und Sound erfüllen ihren Zweck, ohne je durchgängig zu beeindrucken. Die visuelle Gestaltung schafft nur sporadisch Atmosphäre, und auch die wenigen stilistischen Höhepunkte können nicht über die schwache Dramaturgie hinwegtäuschen. Andersons Versuch, einen eigenständigen Ton zu entwickeln, scheitert daran, dass weder Figuren noch Monster markante Eigenschaften besitzen.
Die Mischung aus dystopischem Szenario, familiären Konflikten und actionorientierten Momenten bleibt brüchig. Worldbreaker zeigt kurzweilige Spannung, aber das Konzept gerät nie vollständig unter Kontrolle. Trotz einzelner schöner Ideen entwickelt der Film keine fesselnde Dramaturgie oder emotionale Tiefe. Er bleibt ein ambitionierter, aber unausgegorener Beitrag zum Genre, der weder die Stärken früherer Vorbilder erreicht noch ein eigenständiges Profil entfaltet.