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MB-Meinung: Goldene Himbeere 2026 – Warum die Razzies heute eher nerven als provozieren

Stu

Von Stu

Quelle: Razzies
Bildnachweis: © Razzies

Die Golden Raspberry Awards, kurz Razzies oder Goldene Himbeere, wurden 1981 von John J. B. Wilson gegründet. Ursprünglich waren sie nicht mehr als ein ironischer Kommentar zur Oscar-Saison: eine kleine Runde von Filmbegeisterten, die sich über die aus ihrer Sicht schwächsten Filme des Jahres lustig machte. Der Ton war locker, der Rahmen überschaubar, die Idee dahinter sogar sympathisch. In einer Branche voller Selbstbeweihräucherung sollte Platz für Spott sein.

Lange funktionierte dieses Gegenmodell, weil es klar als Satire erkennbar war und keine größere Bedeutung für sich beanspruchte. Mit zunehmender medialer Aufmerksamkeit veränderte sich jedoch der Charakter der Razzies. Aus dem augenzwinkernden Studentenwitz wurde eine feste Institution mit Presseinteresse und eigener Erwartungshaltung. Spätestens da begann das Konzept zu kippen.

Skandale, offene Teilnahme und fragwürdige Maßstäbe

Die Geschichte der Razzies ist gespickt mit Fehlentscheidungen. Man denke an die Nominierungen von The Shining (1980) oder Das Ding  aus einer anderen Welt (1982). Besonders negativ in Erinnerung blieb die Nominierung einer minderjährigen Schauspielerin, die erst nach massivem öffentlichen Druck zurückgezogen wurde. Auch persönliche Abrechnungen mit einzelnen Filmschaffenden sorgten immer wieder für Kritik. Der satirische Ansatz wich zunehmend einer Lust am Bloßstellen.

Ein strukturelles Problem liegt im Abstimmungssystem. Mitglied der Razzie-Jury kann nahezu jeder werden, der oder die eine geringe Gebühr zahlt. Wer mit abstimmen möchte, muss lediglich eine Jahresmitgliedschaft erwerben – die Kosten liegen je nach Paket zwischen etwa 40 US-Dollar (für zwei Personen) und 500 US-Dollar für eine lebenslange Mitgliedschaft. Filmische Expertise ist keine Voraussetzung.

Das unterscheidet die Razzies grundlegend von den Oscars, bei denen Filmschaffende aus verschiedenen Gewerken über Leistungen ihrer Kolleginnen abstimmen. Dieses System ist sicher nicht perfekt, beruht aber zumindest auf Fachkenntnis. Bei den Razzies dagegen treffen oft spontane Meinungen, Social-Media-Stimmungen und Vorurteile aufeinander. Das Ergebnis zeigt sich in den Nominierungen. Jahr für Jahr tauchen dieselben Namen auf. Bestimmte Namen scheinen unabhängig vom konkreten Film bereits gesetzt. Kritik wird zur Gewohnheit, Spott zur Selbstbestätigung. Statt Einzelfälle zu bewerten, entstehen Feindbilder.

Von satirischer Relevanz zur reinen Abrechnung

Dabei hatten die Razzies durchaus einmal eine Funktion. Sie kommentierten den Mainstream, hielten der Branche einen Spiegel vor und konnten sogar Debatten anstoßen. Heute wirken sie eher wie ein müder Anhang der Awardsaison, der Aufmerksamkeit erzwingen möchte. Die Nominierungen sorgen selten für Erkenntnis, sondern vor allem für Schulterzucken. Dass nach desaströser Pressearbeit, Review-Bombing und weiteren Debakeln Disneys Remake von Schneewittchen 2026 nominiert wurde, ist weder überraschend noch fügt es dem Diskurs etwas hinzu

Natürlich sind viele der ausgezeichneten Filme schwach, uninspiriert oder schlicht misslungen. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Doch die aggressive „Wir zeigen es ihnen“-Haltung wirkt zunehmend kunstfeindlich. Sie ignoriert, dass Filme komplexe Gemeinschaftsarbeiten sind, die aus Überzeugung entstehen. Niemand setzt sich mit ernsthaftem Anspruch hin, um bewusst ein schlechtes Werk zu produzieren.

Jeder Film ist ein Erlebnis – im Guten wie im Schlechten. Scheitern gehört zur Kunstform dazu. Die Razzies hingegen wirken heute wie die materialisierte Version eines wütenden Stammtischs, der Frust mit Häme verwechselt. Diese Haltung mag kurzfristig befriedigen, bringt aber weder dem Kino noch der Debatte darüber etwas. Und genau deshalb nerven die Razzies inzwischen mehr, als dass sie noch etwas zu sagen hätten. Gleichzeitig passen sie in eine Zeit, in der wir es gewohnt sind, in redundanten Absolutismen zu urteilen.

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