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Inhalt

“Überleben” erzählt die wahre Geschichte eines Rugby-Teams aus Uruguay, das mit einem gecharterten Flugzeug in den Anden abstürzt. Die Rettungsmaßnahmen werden nach wenigen erfolglosen Tagen eingestellt, und so sind die Sportler in den Bergen auf sich allein gestellt. Nach Wochen ohne Nahrung steht die Mannschaft vor der Wahl: Entweder sie gesellen sich zu ihren toten Freunden, oder sie essen sie auf.
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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Dass Kannibalismus nicht nur als kathartischer Ritus in indigenen Kulturen stattfinden muss, wissen wir spätestens seit uns der italienische Filmemacher Antonio Margheriti seinen grummeligen Exploiter „Asphaltkannibalen“ im Jahre 1980 unter die Nase gerieben hat, in dem es, der assoziative Titel lässt es bereits anklingen, der Hunger auf Menschenfleisch in die zivilisierte Welt der Vereinigten Staaten geschafft hat. Ethnologische Diskurse waren dort wenig angebracht, hat der Film doch auch in dieser Richtung überhaupt nichts hergegeben. In Frank Marshalls „Überleben“, dem gleichnamigen Remake des (Semi-)Klassikers von René Cardona Jr., sind es auch keine leicht bekleideten Ureinwohner südostasiatischer Inselgruppen, die die Zähne ungestüm in die Körper ihrer Artgenossen schlagen. „Überleben“ thematisiert den Fuerza-Aérea-Uruguaya-Flug 571, die am 13. Oktober 1972 an einem Berghang in den Anden in 4000 Metern Höhe zerschellte. Von den 45 Insassen, von denen bereits eine Handvoll gestorben waren, als die Maschine aufschlug, konnten schlussendlich nur noch 16 lebendig geborgen worden.

Und was hat das jetzt mit Kannibalismus zu tun? Um letztlich auch die Chance zum Überleben zu können, sah sich der Rest der Passagiere dazu gezwungen, sich an den steifen Körpern der Toten zu schaffen zu machen. Es ist zweifelsfrei eine Tragödie, die sich dort im Jahre 1972 zugetragen hat, und doch möchte man meinen, dass es diese Art von Survival-Filmen bereits zuhauf gesehen. Wäre da nicht jene kannibalische Komponente, die dem Werk eine weitere interessante Facette im fokussierten Kampf um das Überleben anheftet. Dazu muss erst noch gesagt werden, dass der inzwischen widerlich inflationär genutzte Schriftzug „Basierend auf einer wahren Geschichte“ in diesem Fall seine Berechtigung gefunden hat und nicht nur aufgrund von dumpfen Promotionzwecken künstlich auf das Projekt aufgetragen wurde. „Überleben“ schildert die Extremsituation größtenteils so realistisch und unvermittelt, dass sich einem nicht nur so manches Mal die Nackenhaare aufstellen, sondern die physischen wie psychischen Strapazen dieser Menschen förmlich am eigenen Leibe erfahrbar gemacht werden.

Wenn John Malkovich im Pro- und Epilog als einer der glücklichen Überlebenden von einer „Berührung Gottes“ spricht, dann könnte das zuerst noch mit leichtem Unverständnis vom Zuschauer signiert werden, bis „Überleben“ dann nach und nach verdeutlicht, wie sich die Erlebnisse in den Anden zur transzendenten Erfahrung manifestieren. Der unwirtlichen Topographie des Gebirgszuges, in dem die Männer eingekesselt sind, steht der Traum von einem grünen Tal entgegen, das sich irgendwo hinter der Geröllkette befinden soll: Ein blühendes Schlaraffenland und letzten Endes der einzige Hoffnungsschimmer, der jedoch nur durch die eigene Kraft am Leben erhalten bleibt. Es hat etwas ungemein bedrückendes, diese Männer zu beobachten, wie sie sich übermüdet dem Wahnsinn geschlagen geben oder in Gebeten eine Bastion finden, die sie aus diesem Schlamassel befreien soll. Und der Glaube spielt in „Überleben“ eine nicht unwesentliche Rolle, treffen doch Agnostiker und Christen in ihren Philosophien geradewegs aufeinander und lassen die eh schon reichlich angespannte Gruppendynamik wiederholt aufflammen.

In seinem Handwerk ist „Überleben“ tadellos, die famose Soundkulisse, die imposanten Landschaftspanoramen und James Newton Howards gewohnt stimmiger Score munden in einer Symbiose, die in ihrem besten Momenten für Gänsehaut sorgt. Die Unmengen an Schnee, die steilen Gipfel, die wie Reißzähne aus dem Boden ragen und es schon zu einem Ding der Unmöglichkeit erklären, einen kleinen Hügel zu erklimmen, während der Wind unentwegt pfeift und durch Mark und Bein zieht. Und dann wäre da natürlich noch der Gewissenskonflikt, der sich auch wieder mit dem Glaubensbekenntnissen der Protagonisten verknüpfen lässt: Was bleibt von der Unschuld, wenn man doch nur dann überlebt, wenn man sich über das Fleisch seiner Mitmenschen, seiner Freunde hermacht? „Überleben“ fängt den Kannibalismus daher auch nicht als unmenschlichen Habitus ein, sondern als handelnde Folge eines Individuums, das komplett auf seinen brodelnden Überlebensdrang reduziert wurde. Da kommt es natürlich gerade recht, dass es dem Film zu keiner Zeit darum geht, Heldenfiguren zu stilisieren, auch wenn er einmal heftig mit Pathoskeule ausholt. Festzuhalten bleibt nach der Konsumierung von „Überleben“: Die Natur kann Fluch und Segen sein und simultan dazu Ende und (Neu-)Beginn bedeuten.

Fazit

Zuweilen etwas zu elliptisch erzähltes Survival-Drama, das nicht mit individuell nuanciert geschriebenen Charakteren glänzt, sondern mit einer dichten Atmosphäre und einer ungemein plastischer Gruppendynamik. „Überleben“ wirft viele interessante Fragen auf, die sich auf den Menschen und sein Handeln in Extremsituationen beziehen und vermeidet es dabei zum Glück tunlichst, Heldenfiguren zu stilisieren. Ein Film über Verzweiflung, Angst, Glaube und Hoffnung, der die Natur sowohl als Limbus, der keinen Ein- und keinen Ausgang gewährt, als auch als Quelle des Lebens definiert. Dazu wird auch der Kannibalismus aus einer ganz anderen, viel greifbareren Perspektive beleuchtet. Ein sehr guter Film.

Autor: Pascal Reis

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